http://www.faz.net/-gum-754r6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 17.12.2012, 15:28 Uhr

Verabredung zu Mord per SMS Angeklagte: „Alles nur Rollenspiel“

Ein kleines Mädchen und zwei Frauen sollen entführt und missbraucht werden, dann getötet. So verabredeten es drei Männer per SMS. Jetzt stehen sie vor Gericht.

© dpa „Das gehört für mich zum Rollenspiel dazu“: Einer der Angeklagten vor Gericht.

Wegen einer makabren Verabredung per SMS-Chat zu Missbrauch und Mord müssen sich seit Montag drei Männer vor dem Landgericht Ellwangen verantworten. Laut Anklage sollen die aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands stammenden Männer geplant haben, zwei Frauen samt kleiner Tochter zu entführen, zu missbrauchen und dann zu töten.

Zwei der drei Angeklagten stritten die Ernsthaftigkeit der Pläne zum Prozessauftakt ab. „Das waren alles Spinnereien, die für mich zum Rollenspiel dazugehören“, sagte ein 54 Jahre alter Mann aus Eitorf in Westfalen vor dem Landgericht Ellwangen. Auch ein gleichaltriger Angeklagter aus München hat nach eigener Aussage nie vorgehabt, die Tat zu verwirklichen. Der mutmaßliche Ideengeber, ein 41 Jahre alter Mann aus Heidenheim, schwieg.

Der Münchner erklärte, es sei nur um die ausgetauschten sexuellen Fantasien gegangen. Als der Heidenheimer aber konkret einen Termin vorschlug, gemeinsam seine 22 Jahre alte Nachbarin zu entführen, zu vergewaltigen und zu ermorden, habe er aussteigen wollen. „Da habe ich gemerkt, dass er es ernst meint“, sagte der 54 Jahre alte Bayer. Unter den ins Visier genommenen Frauen war auch die Ex-Freundin des Heidenheimers sowie ihre sieben Jahre alte Tochter. Der Anwalt des Fernfahrers aus Heidenheim zitierte seinen Mandanten mit den Worten, es sei alles „lediglich Fantasie, sonst nichts“ gewesen.

„Außergewöhnlicher und heikler Fall“

Beide Frauen kamen zum Prozess und sagten aus. Während die 22-Jährige Nachbarin des Heidenheimers gefasst wirkte, zitterte die Ex-Freundin des 41 Jahre alten Angeklagten mit den Knien. Sie seien bereits seit 2004 kein Paar mehr, doch ihre Ex-Freund habe sie noch bis in den Mai 2012 in Briefen beleidigt und bedroht. Zudem habe er mit ihr Sex haben wollen, obwohl sie bereits verheiratet war. Ein Bekannter des Fernfahrers sagte im Prozess, dieser habe ihm erzählt, dass er pädophil sei und das unter Kontrolle habe. Zudem habe er gesagt, dass er „irgendetwas vorhabe“ und ihm „eh alles scheißegal sei“.

Der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg warnte zu Beginn des Prozesses davor, zu glauben, es sei für das Gericht unmöglich, sich von der Ernsthaftigkeit der Absprachen zu überzeugen. Er wies zudem daraufhin, dass die Verabredung zu Mord strafrechtlich wie versuchter Mord gesehen werde. „Es steht schon unter Strafe, wenn sich mehrere Personen ernsthaft verabreden, ein Verbrechen zu begehen, auch wenn noch keine Finger krumm gemacht wurden, um das Verbrechen vorzubereiten.“ Es sei ein sehr außergewöhnlicher und heikler Fall, sagte Ilg. Der Strafrahmen bewegt sich laut Staatsanwaltschaft zwischen mindestens drei Jahren und bis zu 15 Jahren.

Alle drei Männer räumten allerdings ein, kinder- und jugendpornografische Bilder wie Videos besessen und verbreitet zu haben. Sie lernten sich in einem SMS-Chat eines privaten Fernsehkanals kennen. Noch bevor das Trio aber seine Pläne in die Tat umsetzen konnte, wurden die Männer Ende Juni festgenommen. Der ausschlaggebende Hinweis kam mit einer Strafanzeige von einem Mann, der wohl zunächst auch als Mittäter vorgesehen war. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt, insgesamt sollten 21 Zeugen gehört werden.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gießen Arzt wegen Drogen-Tod von Freundin vor Gericht

Ein Mann sollen gemeinsam mit seiner Freundin Ecstasy-Pillen geschluckt haben - die Frau ist danach gestorben. Nun steht der Mann, ein Arzt, in Gießen vor Gericht. Mehr

21.06.2016, 11:50 Uhr | Rhein-Main
Potsdam Prozess um Morde an Elias und Mohamed beginnt

Vor dem Landgericht Potsdam hat am Dienstag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen Silvio S. begonnen. Die Staatsanwaltschaft legt ihm die Entführung und Ermordung der Jungen Elias und Mohamed zur Last. Mehr

14.06.2016, 15:59 Uhr | Gesellschaft
Mutmaßlicher Doppelmörder Er war sehr unnahbar

Bei der Arbeit galt er als zuverlässig, bei den Nachbarn als ruhiger aber komischer Typ. Der mutmaßliche Doppelmörder Silvio S. war selbst vielen Bekannten ein Rätsel. Mehr Von Julia Schaaf

20.06.2016, 20:06 Uhr | Gesellschaft
Papagei als Zeuge? Bitte nicht schießen!

Eine Frau aus dem amerikanischen Bundesstaat Michigan ist angeklagt, ihren Mann umgebracht zu haben – vor den Augen eines Graupapageien. Dieser wiederholt angeblich regelmäßig die letzten Worte des Toten: Bitte nicht schießen. Die Staatsanwaltschaft überlegt nun, ob sie seine Aussage als Beweismittel nutzt. Mehr

28.06.2016, 14:10 Uhr | Gesellschaft
Fall Anneli Mord für eine Lebenslüge

Im Fall der entführten und getöteten Anneli-Marie Riße berichten die Zeugen vor Gericht erschütternde Details. Die Entführer der 17 Jahre alten Unternehmertochter waren kaltblütige Dilettanten. Mehr Von Stefan Locke

24.06.2016, 14:01 Uhr | Gesellschaft

Jetzt als Frau Caitlyn Jenner posiert für „Sports Illustrated“

Caitlyn Jenner ist zum zweiten Mal auf dem Cover von „Sports Illustrated“ - diesmal als Frau, Justin Trudeau ziert ein Marvel-Heft und immer mehr potentielle Erben erheben Anspruch auf Prince’ Millionen – der Smalltalk. Mehr 0

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden