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Veröffentlicht: 28.07.2003, 14:22 Uhr

Urteil Lebenslange Haft für Mörder Jakob von Metzlers

Zehn Monate nach der Entführung und Ermordung des Bankierssohns hat das Frankfurter Landgericht Magnus Gäfgen zu lebenslanger Haft verurteilt und eine besondere Schwere der Schuld festgestellt.

© AP Besondere Schwere der Schuld: Magnus Gäfgen

Zehn Monate nach der Entführung und Ermordung des Bankierssohns hat das Frankfurter Landgericht Magnus Gäfgen zu lebenslanger Haft verurteilt. Zugleich stellten die Richter der Schwurgerichtskammer eine besondere Schwere der Schuld bei Gäfgen fest, der den elf Jahre alten Jakob im September 2002 zunächst entführt und dann getötet zu haben.

Damit kann der 28jährige examinierte Jurist nicht nach 15 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen werden. „Magnus Gäfgen hat den Tod Jakobs nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern er hat Jakobs Tod gewollt", sagte der Vorsitzende Richter Hans Bachl in der Urteilsbegründung.

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Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft und des Anwalts der Familie von Metzler. Sie hatten das Geständnis Gäfgens als reine Prozeßtaktik bezeichnet und die Reue des Angeklagten bezweifelt. Gäfgen hatte im Prozeß gestanden, daß er am 27. September vergangenen Jahres Jakob entführt und mit Klebeband erstickt hatte. Anschließend hatte er die Leiche an einem See in Osthessen versteckt. Während des Prozesses bestritt der 28jährige zunächst, den Tod des ihm flüchtig bekannten Kindes von vornherein geplant zu haben. Erst als das Gericht Zweifel an seiner Aussage äußerte, gab Gäfgen die volle Wahrheit zu.

Gäfgen wartet © AP Vergrößern Der Angeklagte wartet auf die Urteilsverkündung

Kein umfassendes Geständnis

Gäfgen habe im Prozeß nicht wie angekündigt ein umfassendes, schonungsloses Geständnis abgelegt, sondern erst Aussage um Aussage preisgegeben, kritisierte Richter Bachl. Für den Angeklagten seien seine Ausflüchte in den ersten Aussagen vielleicht ein Krückstock gewesen, „für alle anderen aber eine Zumutung". Für eine reine Schwarz-Weiß-Malerei aber sei die Persönlichkeit des 28jährigen zu vielschichtig. Immerhin sei Gäfgens Bemühen um eine Auseinandersetzung mit der Tat zu sehen gewesen. Am Ende des Prozesses habe er für seine Handlungen wesentlich härtere Worte gefunden als zu Beginn.

Mit der Entführung wollte Gäfgen, dem ein Gutachter volle Schuldfähigkeit bescheinigt hatte, von der Familie von Metzler eine Million Euro erpressen. Damit wollte sich der mit rund 2.500 Euro verschuldete Angeklagte nach eigenen Angaben mit dem Geld seine Position im Freundeskreis und bei seiner elf Jahre jüngeren Freundin sichern. Am Tag nach der Lösegeld-Übergabe wurde Gäfgen festgenommen.

Verteidiger kündigt Gang vors Verfassungsgericht an

Gäfgens Verteidiger Hans Ulrich Endres und Stefan Bonn hatten dagegen darauf gedrängt, auf die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld zu verzichten. Sie verwiesen auf das abgelegte Geständnis und die von Gäfgen gezeigte Reue.

Endres hatte für die Feststellung der besonderen Schwere der Tat eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht angekündigt, weil sein Mandant nach der Festnahme von der Polizei unter Gewaltandrohung zu einer Aussage gezwungen worden war. „Sollte Karlsruhe mir Recht geben, ist Magnus in drei Jahren frei und hat Anspruch auf Haftentschädigung“, sagte Endres in einem Interview.

Endres hatte bereits zu Beginn des Prozesses vergeblich die Einstellung des Verfahrens wegen der Folterdrohungen beantragt. Das Gericht untersagte aber lediglich die Verwendung früherer Geständnisse des Angeklagten im Prozeß. Mit einer Revision beim Bundesgerichtshof wird gerechnet.

Richter Bachl verwehrte sich gegen „den unverhohlenen Vorwurf“ der Verteidigung, die Kammer füge der „Rechtskultur in Deutschland schweren Schaden zu“, sollte die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. „Mit den Folterandrohungen haben die beteiligten Beamten der Rechtsstaatlichkeit dieses Landes einen schweren Schaden zugefügt (...). Deren Verhalten aber hat mit der Schuld, die der Angeklagte auf sich geladen hat, nichts zu tun,“ sagte Bachl.

Ermittlungen wegen Foltervorwürfen noch nicht abgeschlossen

Das Ermittlungsverfahren gegen die für die Folterdrohungen verantwortlichen Polizisten ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen. Demnächst sollen die Anwälte Akteneinsicht erhalten. Vom Tisch sind hingegen Gewaltvorwürfe gegen die an der Festnahme beteiligten Polizisten.

Die Freundin Gäfgens hat ihre Vorwürfe, ihr sei mehrfach mit einer Vergewaltigung gedroht worden, nicht aufrecht erhalten. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

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