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Urteil Höchststrafe für Marc Dutroux

22.06.2004 ·  Der belgische Mädchenmörder Marc Dutroux muß lebenslang ins Gefängnis. Reglos nahm der Kinderschänder das Urteil an. Milde ließen die Richter gegenüber seinem Komplizen Nihoul walten, der nur fünf Jahre in Haft muß.

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Der belgische Mädchenmörder Marc Dutroux muß bis zu seinem Tod hinter Gitter. Das Schwurgericht von Arlon verurteilte den 47jährigen am Dienstag zu lebenslanger Haft. Die Geschworenen hatten Dutroux bereits in der vergangenen Woche schuldig gesprochen, in den 90er Jahren junge Mädchen entführt und getötet zu haben. Nur zwei der sechs Entführungsopfer überlebten die Gefangenschaft.

Auch Dutrouxs drei Komplizen wurden zu Haftstrafen verurteilt. Seine Ex-Frau Michelle Martin erhielt 30 Jahre Gefängnis. Dutrouxs Helfer Michel Lelièvre muß seine Beteiligung an den Entführungen mit einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren büßen.

Den vorbestraften Betrüger Michel Nihoul verurteilten die Richter zu fünf Jahren Gefängnis. Er war zuvor als Chef einer Bande von Drogen- und Menschenhändlern schuldig gesprochen worden, nicht jedoch wegen Beteiligung an den Entführungen. Nihoul galt als möglicher Verbindungsmann Dutrouxs zu Kinderschänder-Kreisen. Diese Verbindung konnte im Prozeß aber nicht nachgewiesen werden.

Leugnete bis zum Schluß

Fast auf den Tag genau neun Jahre ist es am Dienstag her, dass die beiden Achtjährigen Julie Lejeune und Mélissa Russo bei Lüttich unter nie völlig geklärten Umständen entführt werden. Ihre ausgemergelten Leichen werden später auf einem Dutroux-Grundstück ausgegraben. Wie die Überreste von An Marchal und Eefje Lambrecks. Den Körper des Komplizen Bernard Weinstein, bei lebendigem Leibe begraben, finden die Fahnder neben Julie und Mélissa - von Dutroux zum Tatort geführt.

Doch mit den Toten will Dutroux nichts zu tun haben: „Für die Morde an An, an Eefje, an Bernard Weinstein, für die Vergewaltigung und die Entführung von Julie und Mélissa werde ich meine Unschuld bis zu meinem Tode hinausschreien“, näselt Dutroux im Gerichtssaal. Artig bedankt er sich bei den Anwälten, die seine Verteidigung akzeptiert hätten. Die machen große Augen, als ihr Mandant einen weiteren Satz sagt: Für keinen Todesfall trage er mehr Verantwortung als man „bei einem Verkehrsunfall“ auf sich lade.

Äußerlich unbewegt

Die Eltern, die Angehörigen, die beiden überlebenden Opfer Laetitia Delhez und Sabine Dardenne sitzen im Saal und hören diese Worte. Viel haben sie ertragen müssen während der dreieinhalb Monate, die der Dutroux-Prozeß dauerte. Grausame Einzelheiten der Taten wurden geschildert. Der Ortstermin im Kinderkerker des Dutroux-Hauses von Charleroi ließ den Schrecken der Opfer wieder aufleben, machte das Grauen für die zwölf Geschworenen faßbar. Und immer wieder meldete sich Marc Dutroux ausführlich zu Wort.

Doch am Dienstag, als nur noch über das Strafmaß zu beraten ist, wird es dem Vorsitzenden Richter Stéphane Goux zu viel. Mehrfach schneidet Goux dem bereits schuldig gesprochenen Dutroux das Wort ab. Es gehe nicht darum, alle möglichen Details zu wiederholen: „Sie sollen sagen, was sie zu ihrer Verteidigung vorzubringen haben.“ Dutroux versteht es nicht. Erst in einer Sitzungspause machen seine Verteidiger ihm klar, daß die Beweisaufnahme nun vorüber ist.

Das Urteil zum Strafmaß nimmt Dutroux später äußerlich unbewegt auf. Auch die drei anderen Verurteilten zeigen keine Gemütsregung. 30 Jahre Haft bekommt Dutrouxs Ex-Frau Michelle Martin, 25 Jahre sein Komplize Michel Lelièvre. Der Vierte im Bunde, Michel Nihoul, soll wegen Drogen- und Menschenhandels fünf Jahre abbüßen. An den Entführungen war Nihoul, der lange als Dutroux´ Verbindungsmann zu Kinderschänder-Ringen galt, laut Schuldspruch nicht beteiligt. „Alle wenden sich gegen mich und decken Nihoul“, hat Dutroux gejammert.

Begnadigung ist nicht zu erwarten

Michelle Martin äußerte am Dienstag erneut ihr Bedauern über die Taten. Der Komplize Michel Lelièvre, der bei den Entführungen geholfen hatte, sagte seinen Richtern: „Wie auch immer die Strafe ausfällt, die sie mir auferlegen, ich werde sie akzeptieren.“ Der vorbestrafte Betrüger Nihoul bat das Gericht hingegen um Milde. Er warte bereits seit acht Jahren auf das Urteil. In dieser Zeit habe er mit dem Makel leben müssen, als Kinderschänder und Verbindungsmann zu einem Netzwerk verdächtigt zu werden. Das Gericht hatte ihn von diesem Vorwurf freigesprochen. Er wurde als Chef einer Drogen- und Menschenhändlerbande verurteilt. Dafür seien höchstens sechs Monate bis drei Jahre Haft angemessen, meinten seine Anwälte in ihrem Plädoyer zum Strafmaß.

Das Urteil zu lebenslanger Haft für Dutroux dürfte den Dreifachmörder tatsächlich bis zu seinem Tod hinter Gittern bringen. Eine vorzeitige Entlassung wäre nach belgischem Recht mit Zustimmung einer speziellen Kommission möglich, doch niemand hält dies angesichts der Tragweite der Taten und der öffentlichen Reaktion für vorstellbar. Die Staatsanwaltschaft hat für diesen rein theoretischen Fall zudem eine Zusatzklausel beantragt, die es der Regierung erlauben würde, Dutrouxs Haftzeit um zehn Jahre über ein Freilassungsdatum hinaus zu verlängern.

Quelle: @FAZ.NET mit Material von dpa
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