http://www.faz.net/-gum-168z5

Urteil : Elf Jahre für Überfall auf Zeugen Jehovas

  • Aktualisiert am

Verurteilt wegen 39-fachen Mordversuchs: Horst A. Bild: dpa

Die Maschinenpistole war voll funktionstüchtig. Doch zum Glück löste sich kein einziger Schuss. Wegen 39-fachen Mordversuchs hat das Landgericht Bielefeld jetzt den Mann, der vor einem Jahr auf 81 versammelte Zeugen Jehovas zielte, zu elf Jahren Haft verurteilt.

          Das Landgericht Bielefeld hat einen Rentner wegen des Überfalls mit einer Maschinenpistole auf die Zeugen Jehovas zu elf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sprach den 83 Jahre alten Mann am Dienstag des 39-fachen Mordversuchs schuldig. Genau 39 Patronen waren in den Magazinen. Bei dem Überfall auf 81 Menschen im Juli 2009 in Bielefeld hatte sich aus ungeklärter Ursache kein Schuss gelöst. Die Anklage hatte zwölf Jahre Haft gefordert. Der Mann habe nie verwunden, dass sich seine Tochter vor Jahren den Zeugen Jehovas angeschlossen habe, sagte die Richterin Jutta Albert in der fast einstündigen Urteilsbegründung. Der Mann bestritt bis zuletzt jede Mordabsicht. Sein Anwalt kündigte Revision an. (Az.: 10KS 46Js 284/09-27/09).

          Das Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass sich der Rentner aus Hass auf die Zeugen Jehovas illegal die Waffe besorgt und den Überfall von langer Hand geplant habe. Er habe sich maskiert und mit der Waffe auf Menschen gezielt. Damit habe er für die 81 anwesenden Zeugen Jehovas „einen Alptraum zur Realität“ gemacht, sagte die Richterin.

          Der Angeklagte hingegen hatte beteuert, er habe die Waffe im Wald gefunden und mit der spektakulären Aktion auf eine Gefährdung der Zeugen Jehovas durch Islamisten hinweisen wollen. Das Gericht glaubte dem ehemaligen Maurer und Justizbeamten nicht. Diese Begründung müsse man „der Rubrik Roman zuschreiben“, sagte die Richterin.

          Mit diesen Waffen stürmte der Angeklagte in den Versammlungssaal
          Mit diesen Waffen stürmte der Angeklagte in den Versammlungssaal : Bild: dpa

          Waffe war voll funktionstüchtig

          Der Mann aus Halle/Westfalen hatte in einem Manuskript ausführlich dargelegt, warum er die Zeugen Jehovas hasse. Demnach sei er seit dem Übertritt seiner Tochter zu der umstrittenen Glaubensgemeinschaft im Jahr 1968 voller Rachegedanken gewesen. Er habe dann vor einigen Jahren den Kontakt zu den Zeugen Jehovas gesucht, um sie auszuspionieren und ihre Arglosigkeit auszunutzen.

          Sein Gesundheitszustand werde immer schlechter und darum bereite er sich auf den „Tag“ vor, „noch in diesem Jahr“, schrieb der Angeklagte in dem Brief weiter. Zudem beschrieb er ausführlich, wie er sich illegal die Waffe und drei Munitionsmagazine besorgte. Vor Gericht bezeichnete er die Aufzeichnungen als Notizen für einen Roman mit autobiografischen Elementen.

          Warum sich an dem Abend des 30. Juli 2009 im Gemeindehaus der Zeugen Jehovas kein Schuss löste, blieb ungeklärt. Die Waffe war nach Angaben eines Waffenexperten der Polizei grundsätzlich voll funktionstüchtig. Möglicherweise hätten ihn die Handschuhe behindert, die er trug.

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Vergewaltiger zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt Video-Seite öffnen

          Junges Paar überfallen : Vergewaltiger zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt

          Das Bonner Landgericht hat den Angeklagten im Prozess um die Vergewaltigung einer Camperin in den Bonner Siegauen wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit besonders schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Angeklagte hat die Tat bis zum Schluss bestritten.

          Lebenslange Haft für "Reichsbürger" Video-Seite öffnen

          Schuldig gesprochen : Lebenslange Haft für "Reichsbürger"

          Das Oberlandesgericht Nürnberg befand den sogenannten Reichsbürger von Georgensgmünd wegen Mordes für schuldig. Er hatte im Oktober 2016 einen Polizisten erschossen, als SEK-Beamte Waffen in seinem Haus sicherstellen wollten.

          Topmeldungen

          AfD im Bundestag : Die fremde Fraktion

          Mit der AfD-Fraktion zieht keine Truppe „Nazis“ in den Bundestag ein, und sie besteht auch nicht nur aus den Dumpfbacken, zu denen sie gemacht werden. Vielleicht verfahren CDU und CSU mit ihrem Schmuddelkind eines Tages ähnlich wie die SPD mit ihrem, der Linkspartei. Ein Kommentar.
          Architekturgeschichte abzugeben: Neue Bewohner für das Haus „Brigitte IV“ von Richard Riemerschmid gesucht.

          Mobile Immobilien : Häuser zum Mitnehmen

          Von wegen immobil: Manche Gebäude wechseln ohne Grundstück den Besitzer. Und auf einmal wird ein hessisches Fachwerkhaus in der Nähe von Bonn wieder aufgebaut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.