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Urteil : Autobahnraser zu 18 Monaten Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Kreuze erinnern an der A5 an Mutter und Tochter Bild: REUTERS

Das Amtsgericht Karlsruhe verurteilte den Autobahndrängler, der am 14. Juli 2003 den Tod einer 21jährigen Mutter und ihrer zweijährigen Tochter verursachte, zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

          Das Amtsgericht Karlsruhe hat am Mittwoch den Autobahndrängler, der am 14. Juli 2003 den Tod einer 21jährigen Mutter und ihrer zweijährigen Tochter verursacht hat, zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Der 34jährige muß außerdem ab dem Tag der Urteilsverkündung für 18 Monate den Führerschein abgeben. Das Schöffengericht hielt den angeklagten Versuchsingenieur von Daimler-Chrysler der fahrlässigen Tötung für schuldig. Die Verteidigung will gegen das Urteil in Berufung gehen. Es könne davon ausgegangen werden, daß er Rechtsmittel einlege, sagte Anwalt Ulrich Schweizer am Mittwoch in Karslruhe.

          Die Staatsanwaltschaft hatte für den Beschuldigten ein Jahr und neun Monate Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch. Der Versuchsingenieur hatte eine Beteiligung an dem Unfall von Anfang an bestritten. Die Vertreter der Nebenkläger hatten sich dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft angeschlossen.

          Kontrolle über den Wagen verloren

          Der Versuchsingenieur war nach Überzeugung des Gerichts am 14. Juli gegen 6.00 Uhr mit seinem 476 PS starken Mercedes Benz CL 600 Coupé bis auf wenige Meter auf den vor ihm fahrenden Wagen der 21jährigen Frau zugerast. Die junge Mutter soll deshalb das Steuer unvermittelt nach rechts gerissen und so die Kontrolle über ihr Auto verloren haben. Sie geriet ins Schleudern und prallte mit ihrem Wagen gegen mehrere Bäume. Die Mutter und ihre Tochter waren sofort tot.

          Vor der Urteilsverkündung hatte es in dem Amtsgericht massive Personenkontrollen gegeben. Nach offiziellen Angaben war dem eine Morddrohung gegen die Richterin Brigitte Hecking vorausgegangen. In dem Prozeß hatten vier Unfallzeugen übereinstimmend ausgesagt, sie hätten am Tag des Unfalls einen schweren schwarzen Mercedes gesehen, der mit weit über 200 Stundenkilometern auf den Kleinwagen Kia zufuhr. Weitere von ihnen genannte Merkmale des Autos trafen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ebenfalls nur auf den Firmenwagen des Angeklagten zu, der an diesem Morgen von Sindelfingen zur Teststrecke nach Papenburg ins Emsland unterwegs war.

          Zu früh

          Der Verteidiger beantragte dagegen Freispruch. Sein Mandant sei erst nach dem Unfallzeitpunkt an der fraglichen Stelle zwischen Karlsruhe und Bruchsal vorbeigefahren. Es sei ausgeschlossen, die Strecke zwischen Sindelfingen und dem Unglücksort in weniger als einer halben Stunde zu schaffen. Ausweislich des Tankbelegs und nach Zeugenaussagen sei der Angeklagte erst um 05.30 Uhr in Sindelfingen losgefahren. Der Unfall habe sich aber schon etwa um 05.58 Uhr ereignet.

          Der ADAC hält das Urteil für gerechtfertigt. Wenn jemand mit haarsträubendem rowdyhaften Fahrverhalten einen Unfall mit zwei Toten verursache, „ist gegen ein solches Urteil sicherlich nichts einzuwenden“, sagte ADAC-Chefjurist Eckhart Jung in München am Mittwoch. Das Urteil bewege sich im harten Rahmen einer Rechtsprechung, von der auch eine gewisse Abschreckung ausgehen solle. „Wenn jemand durch seine Fahrweise zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat, ist sicher auch eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung zu rechtfertigen“, sagte der ADAC-Jurist.

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