http://www.faz.net/-gum-7480a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 08.11.2012, 13:05 Uhr

Urteil 15 Jahre Haft für Vater der getöteten Kinder von Ilsede

Ein Vater tötet seine schlafenden Kinder in ihren Betten, weil er die Trennung von seiner Frau nicht verkraftet: Diese Bluttat in einem Reihenhaus im Kreis Peine sorgte im Sommer bundesweit für Fassungslosigkeit. Nun wurde der Vater verurteilt.

von , Hannover
© dpa Mit gesenktem Haupt: Der Mann muss die Strafe bis auf weiteres in der Psychiatrie absitzen.

Das Landgericht Hildesheim hat am Mittwoch Andreas S. wegen vierfachen Mordes zu fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Auf das Strafmaß „lebenslang“ verzichtete die Kammer, weil der Angeklagte unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet und eingeschränkt schuldfähig ist. Er kommt zunächst in eine psychiatrische Anstalt. Mit dem Urteil folgte das Gericht sowohl dem Staatsanwalt, der 15 Jahre Freiheitsstrafe gefordert hatte, als auch zu Teilen der Verteidigung, die den Angeklagten als vermindert schuldfähig in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen sehen wollte. Der 37 Jahre alte Angeklagte folgte dem Urteil mit gesenktem Kopf. Zum Prozessbeginn hatte er ausgesagt, was er getan habe, tue ihm sehr leid.

Der frühere Angestellte einer Autobahnmeisterei hatte bei den Vernehmungen im Juli gestanden, seine vier Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren getötet zu haben. Als Grund gab er an, er habe es nicht verwinden können, dass seine Frau sich von ihm trennen wollte, weil er gewalttätig war. Im Juni sollte er sich in dem Reihenhaus der Familie in Groß Ilsede bei Peine, aus dem er kurz zuvor hatte ausziehen müssen, um die Kinder kümmern, weil die Frau in Dänemark in Urlaub war. Eines nachts schnitt er den drei Söhnen im Schlaf mit einem Teppichmesser die Kehle durch.. Die Tochter wachte auf und wehrte sich, kam aber nicht dem Leben davon. Die Anklage wertete die Tötungsdelikte an den drei Söhnen wegen des Merkmals „Heimtücke“ als Mord, das an der Tochter als Totschlag.

Ein Selbstmordversuch des Täters missglückte, er lag mehrere Tage lang im Koma. In einem später zerrissenen Abschiedsbrief hatte er den Wunsch geäußert, neben den Kindern beigesetzt zu werden. Er wolle mit ihnen „auf ewig zusammen“ sein. Der psychiatrische Gutachter hatte die Morde nicht als Racheakt an der Frau eingestuft, sondern als Wunsch, mit den Kindern „vereint“ zu bleiben. Seiner Frau hatte der Täter eine SMS geschickt: „Fünf Herzen haben aufgehört zu schlagen.“ Sie alarmierte Verwandte, die Rettungskräfte kamen aber zu spät.

Mehr zum Thema

In der Gerichtsverhandlung wurde offenbar, dass der Angeklagte verschuldet war, unter Depressionen litt und unter Alkohol zur Gewalttätigkeit neigte. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr, als sein Vater starb, galt er als Einzelgänger. Nichtsdestotrotz beschrieben ihn Zeugen in dem Prozess auch als „vorbildlichen Vater“, der nie die Geduld verloren und mit seinen Kindern viel unternommen habe.

Der Staatsanwalt hatte die Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert, weil die Voraussetzung für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt nicht gegeben sei: die Wiederholungsgefahr. Weil der Angeklagte jedoch im Selbstmordwahn gehandelt habe und vermindert schuldfähig sei, können von der Höchststrafe abgesehen werden. Neben dem Verteidiger foderte auch die Frau des Angeklagten, die bei der Urteilsverkündung nicht anwesend war, als Nebenklägerin seine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt. Von ihm gehe wegen seiner Persönlichkeitsstruktur und seiner Depressionen weiter große Gefahr aus.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Osthessen Haftstrafe wegen schwerer Brandstiftung aus Liebeskummer

Er soll versucht haben, einen Wagen in die Luft zu jagen - aus Liebeskummer. Nun verurteile ihn das Gericht wegen versuchten Mordes zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Mehr

24.05.2016, 17:36 Uhr | Rhein-Main
Fernsehtrailer Neues aus dem Reihenhaus

Neues aus dem Reihenhaus läuft am Donnerstag, den 26. Mai 2016 um 20:15 Uhr im ZDF. Mehr

24.05.2016, 10:35 Uhr | Feuilleton
Prozess in Aachen Lebenslange Haft für Eltern wegen Mord nach Facebook-Kontakt

Mord aus falschem Verdacht: Eltern töten mit einem Bekannten einen Mann, der über Facebook Kontakt zu ihrer Tochter aufgenommen hat. Sie hielten ihn für einen Kinderschänder. Mehr Von Reiner Burger, Aachen

17.05.2016, 17:05 Uhr | Gesellschaft
Tortenwurf Riexinger verurteilt Angriff auf Sahra Wagenknecht

Während der Rede von Parteichef Bernd Riexinger auf dem Parteitag der Linken in Magdeburg hat ein Mann die Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht mit einer Torte angegriffen und sie im Gesicht getroffen. Diskret wurde sie aus dem Saal gebracht - ebenso wie der Angreifer und seine Begleiter, die die Veranstaltung zuvor mit offenbar unverständlichen Parolen gestört und Flugblätter verteilt hatten. Mehr

28.05.2016, 16:47 Uhr | Politik
Mord an 17-Jähriger Mädchenmörderin muss in die Psychiatrie

Eine Schülerin sticht fast 50 Mal auf ihre ehemalige Freundin ein, weil sie Schluss gemacht hat. Beim Urteilsspruch der Richter zeigt sie keinerlei Emotionen. Mehr

25.05.2016, 15:39 Uhr | Gesellschaft

Johnny Depp Seine ehemalige Frau nimmt ihn in Schutz

Vanessa Paradis glaubt nicht, dass Johnny Depp gewalttätig ist, Wayne Carpendale ist ein begeisterter Radfahrer, und Herbert Grönemeyer denkt, man entscheidet selbst, wie alt man wird – der Smalltalk. Mehr 0

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden