07.08.2008 · Seit mehr als 15 Jahren hinterlässt eine mutmaßliche Mörderin ihre DNA-Spur an zahlreichen Tatorten: Jetzt ist ihr genetischer Fingerabdruck erneut aufgetaucht. Die „Frau ohne Gesicht“ soll im April 2007 am Mord an einer 22 Jahre alten Polizistin in Heilbronn beteiligt gewesen sein.
Seit mehr als 15 Jahren hinterlässt die mutmaßliche Mörderin ihre DNA-Spur an zahlreichen Tatorten: Rund 15 Monate nach dem mysteriösen Polizistinnenmord in Heilbronn ist ihr genetischer Fingerabdruck erneut aufgetaucht. DNA-Material des „Phantoms“ wurde nach einem gewalttätigen Überfall am 9. Mai im Vereinsheim eines Angelsportvereins in Mettlach im Saarland gesichert, wie die Polizei in Heilbronn am Donnerstag mitteilte. Damit wurde zum 33. Mal eine DNA-Spur der als gefährlich und aggressiv eingestuften Frau gefunden, die im Zusammenhang mit mindestens drei Morden und anderen Straftaten auch in Frankreich und Österreich gesucht wird.
Keine heiße Spur
Bei dem Überfall im Saarland war eine 57 Jahre alte Frau von einem Mann niedergeschlagen worden, als sie das Vereinsheim im Wald reinigen wollte. Nachdem sie vor dem Gebäude die Stimmen von mindestens zwei Personen gehört hatte, betrat ein Mann die Hütte und schlug ihr unvermittelt gegen den Kopf. Danach leerten die Täter ihren Geldbeutel und flüchteten. Am Tatort sicherten Kriminalbeamte die DNA-Spur der unbekannten Heilbronner Täterin.
Die „Frau ohne Gesicht“ soll im April 2007 am Mord an einer 22 Jahre alten Polizistin auf der Heilbronner Theresienwiese beteiligt gewesen sein. Auch ein junger Polizist war dabei durch Kopfschüsse schwer verletzt worden. Die Sonderkommission hat noch keine heiße Spur. Als Belohnung sind 150.000 Euro ausgesetzt. Soko-Leiter Frank Huber: „Jeder neue Treffer bietet uns neue Chancen, um einen entscheidenden Schritt voranzukommen. Wir werden dabei alle Möglichkeiten weiter konsequent verfolgen.“
Sieht aus wie ein Mann, ist genetisch aber eine Frau
In Baden-Württemberg wurde die DNA der Verdächtigen zuletzt nach einem Einbruch in Niederstetten und in Oberstenfeld bei Ludwigsburg gesichert. Im Saarland war die DNA-Spur im Oktober 2006 schon einmal aufgetaucht. Sie haftete nach einem versuchten Einbruch in ein Wohn- und Geschäftshaus an einem Stein, mit dem die Täter eine Terrassentür eingeschlagen hatten. Damals war ein Mann von Zeugen zur Tatzeit am Tatort beobachtet worden. Die Veröffentlichung eines Phantombildes dieses Unbekannten brachte bisher allerdings noch nicht den entscheidenden Hinweis. Die Polizei hatte es deswegen nicht ausgeschlossen, dass das Phantom äußerlich auch als Mann wahrgenommen werden könnte.
Die Ermittler waren auch im Zusammenhang mit dem Mord an drei Georgiern im Januar bei Heppenheim in Hessen auf eine Gen-Spur der „Frau ohne Gesicht“ gestoßen. Tatverdächtig in dem Fall sind zwei aus Somalia und dem Irak stammende Männer. Einer war V-Mann des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz. Die Spur der Frau wurde in dem von den mutmaßlichen Tätern benutzten Fahrzeug entdeckt.