Michelle Martin kommt vorzeitig auf freien Fuß. Im Jahr 2004 war sie als Komplizin ihres früheren Ehemanns, des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux, zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht im wallonischen Mons stimmte nun am Dienstag ihrer vorzeitigen Freilassung unter Auflagen und auf Bewährung zu. Die 52 Jahre alte Mutter von zwei Kindern hatte viermal einen entsprechenden Antrag gestellt. Sie soll jetzt im Klarissenkloster Malonne unweit von Namur unterkommen.
Angehörige der Opfer reagierten empört auf die Freilassung. Fürsprecher verweisen darauf, dass vor dem Recht alle Menschen Anspruch auf Gleichbehandlung hätten. Dem Beschluss war eine heftige öffentliche Diskussion vorausgegangen. Sie verdeutlicht, wie stark die Verbrechen von Dutroux und seinen Mittätern im Bewusstsein von Flamen und Wallonen verwurzelt sind. Nicht nur in Belgien waren einst Gerüchte über Mädchenhändlerringe ins Kraut geschossen, die weit in die Politik hineinreichen. Daher hatten sich im Oktober 1996 rund 300000 Menschen zu einem „Weißen Marsch“ in Brüssel zusammengefunden.
Kloster hat nach „reichlich Überlegung“ zugestimmt
Nach belgischem Recht ist eine Freilassung nach Verbüßung eines Drittels der Haftstrafe möglich. Martin war im August 1996 nach der Entdeckung eines Verlieses für die Entführungsopfer im gemeinsam mit Dutroux bewohnten Haus in Charleroi festgenommen worden. Wenige Tage später entdeckten Ermittler die körperlichen Überreste mehrerer Mädchen, unter anderem der im Juni 1995 entführten und letztlich verhungerten acht Jahre alten Schulfreundinnen Julie Lejeune und Mélissa Russo. Die Richter hatten es 2004 als erwiesen angesehen, dass Martin die Kinder ihrem Schicksal überlassen hatte. Gefunden wurden auch die verscharrten Leichname der 19 Jahre alten Eefje Lambrecks und der zwei Jahre jüngeren An Marchal, die ebenfalls aus Flandern stammte.
Ihr Vater Pol Marchal äußert sich nun verbittert über die Freilassung Michelle Martins: „Ich hatte auf einen besseren Opferschutz gehofft, aber man verbessert nur das System für die Kriminellen. Wenn die Politiker nicht für Veränderungen sorgen, wird man in Kürze wohl auch noch Dutroux freilassen“, sagte er dem Rundfunksender VRT. Auch auf den Online-Seiten belgischer Medien fanden sich am Dienstag vor allem kritische Reaktionen: „Wenn ich mich richtig erinnere, hätte sie dafür sorgen können, auch Julie und Mélissa vorzeitig freizulassen.“
In einem Kommuniqué des Klarissenklosters hieß es, die Entscheidung, Michelle Martin eine Bleibe zu geben, sei nach reichlicher Überlegung gefallen - und auch erst, nachdem es keine andere Möglichkeit ergeben habe. Bei allem Verständnis für „die schrecklichen Leiden der Opfer und ihrer Familien“ sei für die Klostergemeinschaft aber auch klar gewesen: Straffällige ihrer kriminellen Vergangenheit und damit der Hoffnungslosigkeit zu überlassen, diene niemandem wäre darüber hinaus ein Rückschritt für die Gesellschaft.
Traurig
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Angelika Oetken (Ceska)
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Willi Wiberg (Wiberg)
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Maja Langfelder (BieneMajaBerlin)
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