21.03.2010 · Zwei Wochen nach dem Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin sind alle vier Verdächtigen festgenommen worden. Zwei Männer stellten sich nun am Berliner Flughafen Tegel, nachdem ihre beiden Komplizen bereits zuvor inhaftiert worden waren.
Der ganz große Coup sollte es werden - doch genau zwei Wochen nach dem spektakulären Überfall auf das deutschlandweit größte Poker-Turnier in Berlin ist es vorbei: Alle vier mutmaßlichen Räuber sind gefasst. Zwei der Verdächtigen hatten sich zwar ins Ausland abgesetzt. Doch am Samstag stellten sich beide: Am Vormittag klickten bei einem 20-Jährigen auf dem Flughafen Tegel nach seiner Landung aus Istanbul die Handschellen. Acht Stunden später landete ein 19-Jähriger aus Beirut im Libanon. Der Fahndungsdruck war wohl zu groß - nach den Männern war international mit Namen und Fotos gesucht worden.
Die Anwälte des 20-Jährigen aus Berlin-Neukölln und des 19-Jährigen aus Kreuzberg hatten der Polizei telefonisch angekündigt, die Männer wollten aufgeben und sich stellen. Polizeisprecher Frank Millert zeigte sich am Abend erleichtert über den Erfolg. Jetzt sollen die Männer vernommen werden. Denn wo die Beute von 242.000 Euro abgeblieben ist, war zunächst nicht klar. Der zuerst festgenommene 21-Jährige hatte angegeben, das Geld sei aufgeteilt worden. Er wolle seinen Anteil zurückzugeben, hieß es.
Die vier jungen Männer mit türkischen und arabischen Wurzeln sollen bei dem Überfall am Potsdamer Platz stümperhaft zu Werke gegangen sein. Sie hinterließen jede Menge Spuren, wurden von Überwachungskameras gefilmt und flüchteten in einem Auto, dessen Nummernschild sich ein Zeuge merken konnte. Der Wagen war auf den 21-Jährigen zugelassen.
Er hatte sich am Montagabend gestellt und die Namen seiner Komplizen verraten. Als Kronzeuge könnte er einen „Strafrabatt“ bekommen. Auch der zweite Verdächtige war noch in der Hauptstadt. Der 20-Jährige ließ sich am Mittwochabend widerstandslos festnehmen. Er war zufällig von einer Zivilstreife kontrolliert worden.
Am Mittwoch hatten Polizei und Staatsanwaltschaft über Details des Überfalls berichtet. Als die jungen Männer von dem vielen Bargeld in der Turnierkasse im Hyatt-Hotel erfuhren, habe der 21-Jährige die Sicherheitsvorkehrungen ausgekundschaftet. Als er sah, dass das Wachpersonal keine Schusswaffen hatte, habe die Bande den Überfall beschlossen.
Mit einem Revolver und einer Machete waren die Männer in das Hotel gestürmt. Von da an ging alles schief. Die Wachmänner wehrten sich, und als drei Mitglieder der Bande mit Jackentaschen voller Bargeld am Ausgang standen, fehlte der vierte. Die Räuber liefen zurück und befreiten ihren Kompagnon aus dem Schwitzkasten eines zwei Meter großen Sicherheitsmannes. Hunderttausende Euro der Beute blieben jedoch zurück.
Nach dem Überfall war sich Polizeipräsident Dieter Glietsch ziemlich sicher, dass die Vierer-Bande schnell gefasst wird. Doch dann verging eine Woche ohne sichtbare Fahndungserfolge. Ein erster Verdächtiger musste wieder freigelassen werden - von einer Verwechslung war zunächst die Rede. Der Mann soll 2004 ein Spielcasino am Alexanderplatz überfallen haben.
Die vier nun festgenommenen oder bereits in Haft sitzenden Verdächtigen sind für die Polizei auch keine unbeschriebenen Blätter: Sie standen unter anderem wegen Diebstahls oder Raubüberfällen vor Gericht.