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Mord im U-Boot? : Dänische Polizei: Identität des Frauentorsos noch nicht geklärt

  • Aktualisiert am

Peter Madsen 2008 in Kopenhagen in seinem U-Boot Bild: dpa

Ein gesunkenes U-Boot, ein schillernder Erfinder und eine bewusst zerstückelte Frauenleiche – was wie ein Krimi klingt, ist für die dänische Polizei ein realer Fall. Das Ende ist immer noch offen.

          Freitag, 11. August. Vier Freunde schippern mit ihrem Motorboot in der Køge-Bucht vor der Südküste Dänemarks. Die Angeln sind ausgeworfen. Es ist ein schöner Tag, die Stimmung gut. Plötzlich sehen die Männer etwas Ungewöhnliches. Ein U-Boot, im Ausguck steht ein Mann: Peter Madsen, Ingenieur, Erfinder und U-Boot-Bauer.

          „Bist du ok?“ fragt John, einer der Freunde, einem Bericht der Zeitung „Helsingør Dagblad“ zufolge. Und Madsen soll geantwortet haben: „Ja, aber seid so nett und wartet einen Moment. Ich muss versuchen, was zu reparieren und das könnte gefährlich sein.“ Daraufhin sei Madsen im U-Boot verschwunden, doch schon nach nicht mal einer Minute wieder nach oben gekommen. Die „Nautilus“ sank und die vier Freunde retteten nach eigenen Angaben Madsen aus dem Wasser.

          Ein Ventil am Ballasttank sei kaputt gegangen und bei dem Versuch, es zu reparieren, sei der Griff abgebrochen, erklärte Madsen seinen verwunderten Rettern, wie es in dem Zeitungsbericht weiter hieß. Über Funk habe Madsen der Polizei gesagt, er sei allein an Bord gewesen. Die schwedische Journalistin Kim Wall habe er am Donnerstagabend abgesetzt.

          Eines der größten selbstgebauten U-Boote der Welt

          Zeugen hatten gesehen, wie die 30-Jährige zuvor in Kopenhagen an Bord der „Nautilus“ gegangen war. Sie wollte eine Reportage über den Ingenieur schreiben, der 46-Jährige ist in Dänemark als schillernde Persönlichkeit bekannt.

          Er hat zusammen mit anderen drei U-Boote gebaut, die „Nautilus“ ist seiner Homepage zufolge mit knapp 18 Metern eines der größten selbstgebauten U-Boote der Welt. Sein anderes Steckenpferd ist die Raumfahrt. Seit Jahren arbeitet er an der Entwicklung von Raketen, weshalb ihn dänische Medien auch „Raketen-Madsen“ nennen. Er und seine Mitstreiter testeten 2011 und 2012 unbemannte Raketen vor Bornholm. Sein Ziel soll ein bemannter Flug ins All sein.

          Rettungskräfte der Schwedischen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger suchen Mitte August in der Lundakra-Bucht nach der vermissten Journalistin Kim Wall.

          Als sich Kim Wall in der Nacht immer noch nicht zurückgemeldet hatte, war ihr Freund der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge unruhig geworden und alarmierte die Seenotrettung. Die versuchte demnach per Funk Kontakt zu Madsens Boot aufzunehmen, doch ohne Erfolg. Erst am nächsten Morgen, am Freitag, um 10.30 Uhr habe Madsen geantwortet und von technischen Problemen gesprochen. Eine halbe Stunde später sei sein U-Boot gesunken.

          Für die Polizei war schnell klar, dass das Verschwinden von Kim Wall keinen natürlichen Grund hat. Madsen wurde festgenommen und am nächsten Tag einem Haftrichter vorgeführt. Der Vorwurf lautete: fahrlässige Tötung. Alles andere blieb der Öffentlichkeit verborgen. Der Fall wurde hinter verschlossenen Türen behandelt – aus Rücksicht auf die Familie der Journalistin, lautete die Begründung.

          Schnell war klar: Man sucht nach einer Leiche

          Am 12. August wurde das U-Boot aus sieben Metern Wassertiefe in der Køge-Bucht südlich von Kopenhagen gehoben und in den Hafen gebracht. Einen Tag später gingen Techniker mit Schutzkleidung und Gasmasken an Bord, ein Mensch wurde nicht gefunden. „Nicht lebend und nicht tot“, sagte Polizeisprecher Jens Møller Jensen anschließend. Es gebe Anzeichen, dass die „Nautilus“ absichtlich versenkt wurde.

          Dann begann die Suche – mit Tauchern und Helikoptern. Die dänischen und schwedischen Seefahrtsbehörden versuchten, die Route der „Nautilus“ nachzuvollziehen. Andere Skipper wurden aufgefordert, die Augen offen zu halten. Schnell war klar: Man sucht nach einer Leiche. Die Polizei selbst sagte, sie glaube nicht, dass Kim Wall noch am Leben sei.

          Tot geborgen: die schwedische Journalistin Kim Wall

          Wann Madsen ausgesagt hat, dass die Journalistin an Bord seines U-Bootes starb, ist unklar. Die Öffentlichkeit erfuhr davon erst elf Tage nach Verschwinden der Schwedin. Sie sei durch ein Unglück gestorben, hatte Madsen im Polizeiverhör gesagt. Ihre Leiche habe er unterwegs ins Wasser gelassen, „bestattet“ nannte Madsen es. Zeitungen schrieben: „Über Bord geworfen“. Was genau auf der „Nautilus“ geschah, bleibt für die Öffentlichkeit ein Rätsel.

          Am Montagabend schließlich bekommt der Krimi eine neue Wendung: Ein Radfahrer findet am Ufer der Insel Amager bei Kopenhagen eine Leiche, beziehungsweise Teile einer Leiche: einen Torso ohne Kopf, ohne Beine, ohne Arme. Die Polizei in Kopenhagen erwartet erst am Mittwoch weitere Erkenntnisse darüber, ob es sich bei dem gefundenen Frauentorso um die vermisste Kim Wall handelt. Polizeisprecher Jens Møller Jensen sagte am Dienstag in einer Videoaufzeichnung auf Twitter, die DNA des Torsos müsse mit der der schwedischen Journalistin abgeglichen werden. „Das Ergebnis erwarten wir frühestens morgen.“

          Es sei festgestellt worden, dass der Kopf sowie Arme und Beine vom Körper bewusst abgetrennt wurden. Taucher hätten den Tag über die Gewässer südwestlich der Insel Amager abgesucht, aber keinen weiteren Fund gemeldet.

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