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Lieferwagen rast in Menschen : Polizei: Todesfahrt in Toronto war vorsätzlich

  • Aktualisiert am

Feuerwehrleute und Polizisten am Tatort in Toronto Bild: Reuters

Trümmer, Blutspuren, Tote und Verletzte – es ist ein Bild des Grauens, dass sich den Menschen in Toronto bietet. Ein 25-Jähriger ist mit einem Lieferwagen gezielt in eine Menschenmenge gerast. Sein Motiv gibt bislang Rätsel auf.

          Die von Trümmern und Blutspuren gesäumte Strecke zieht sich über fast drei Kilometer, vorbei an Geschäften, Restaurants, Wohnhäusern. Mitten in einem belebten Geschäftsviertel Torontos hat der Fahrer eines Lieferwagens seinen offenbar gemieteten Transporter in eine Waffe verwandelt und zehn Menschen getötet. 17 weitere wurden bei der Zickzackfahrt über Gehwege verletzt, wie Polizeisprecher Peter Yuen sagte. Mindestens fünf von ihnen schwebten nach dem Vorfall vom Montag in Lebensgefahr. Der 25 Jahre alte Fahrer wurde festgenommen, weitere Verdächtige gab es nach Polizeiangaben nicht.

          Der Lieferwagenfahrer habe sein Fahrzeug vorsätzlich in eine Menschenmenge gesteuert, sagte Polizeichef Mark Saunders am Montag (Ortszeit). Die Tat bedrohe aber nicht „die nationale Sicherheit“ Kanadas, ergänzte der Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale. Er deutete damit an, dass es sich um einen Einzelfall handelte.

          Zu Motiven oder einem möglichen terroristischen Hintergrund machten die Behörden zunächst keine Angaben. Die zuvor geltende mittlere Terror-Warnstufe in der kanadischen Stadt, wo bis Montag die Außenminister der G7-Staaten getagt hatten, bleibe unverändert, sagte Ralph Goodale, Minister für öffentliche Sicherheit. Für eine erhöhte Terrorgefahr gebe es keine Hinweise. Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach von einem „schrecklichen Vorfall“ und dankte den Rettern vor Ort.

          Auch Bundesaußenminister Heiko Maas sprach in einer ersten Reaktion von einem „schrecklichen Verbrechen“. „Wir sind tief getroffen und stehen an der Seite unserer kanadischen Freunde“, schrieb Maas am Montagabend auf Twitter. „Unser ganzes Mitgefühl gilt den Familien der Opfer.“ Maas hatte sich bis zum frühen Nachmittag (Ortszeit) selbst in der kanadischen Metropole aufgehalten und dort am G7-Außenministertreffen teilgenommen.

          Innerhalb von Minuten verwandelte sich die Geschäftsgegend im Bezirk North York, der etwa 30 Minuten nördlich von der Innenstadt liegt, in einen blutigen Tatort. Mit 60 bis 70 Stundenkilometern erfasste der weiße Wagen Fußgänger, als er um die Mittagszeit von der Straße auf den Bürgersteig fuhr und über rund 15 Straßenblocks hinweg immer wieder zwischen Straße und Geweg wechselte.

          In Schlangenlinien durch die Menschen

          Der Täter sei in Schlangenlinien gefahren, sagte Augenzeuge Amir Bahmeyeh gegenüber der Zeitung „Toronto Star“. Er habe beobachtet, wie das Auto fünf oder sechs Menschen erfasste. „Ich sah einen alten Mann durch die Luft fliegen“, sagte Bahmeyeh. Die Menschen hätten um Hilfe geschrien und versucht, die Polizei in Richtung des Fahrers zu lotsen.

          Polizisten am Tatort in der kanadischen Stadt Toronto

          Michele Kelman, die in der Gegend bei einer IT-Firma arbeitet, wurde auf dem Rückweg vom Mittagessen fast von dem Auto erfasst. Sie und ihre Freundin hätten hinter sich Schreie gehört und durch die Luft wirbelnde Gegenstände gesehen, sagte sie der Zeitung „Globe and Mail“. Der Wagen sei auf sie zugerast und habe dann ihre Freundin tödlich getroffen. „Überall waren Körper“, sagte Kelman.

          Täter war polizeibekannt

          Informationen des Fernsehsenders CTV zufolge handelt es sich beim Fahrer um den 25 Jahre alten Alek Minassian. Der Polizeichef von Toronto sagte laut „Toronto Star“, der Mann sei vorher nicht polizeibekannt gewesen. Sein Wagen kam mit völlig demolierter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen, ehe die Polizei ihn umstellte. Im Video eines Augenzeugen ist zu sehen, wie der Fahrer mit einem Gegenstand in Richtung eines Polizisten zeigt und dabei „Töte mich!“ sowie „Schieß’ mir in den Kopf!“ ruft. Zu einem Schusswechsel kam es vor seiner Festnahme aber nicht.

          „Er hat die Leben so vieler Menschen zerstört“, sagte Augenzeuge Alex Shaker dem Sender CTV. „Alles, was ihm in den Weg kam.“ Auch jemand mit einem Kinderwagen sei vom Auto erfasst worden. Kurz nach dem Schock versuchten Augenzeugen, verletzten Opfern zu helfen. Auf dem Gehweg waren Blutspuren zu sehen, Fotos zeigten mit orangefarbenen Planen bedeckte, offenbar leblose Körper.

          „Die Stadt ist momentan in sicheren Händen“

          Torontos Bürgermeister John Tory sprach den Bürgern Mut zu. „Die Stadt ist momentan in sicheren Händen“, sagte Tory. Er bat Anwohner, nach Hause zu gehen und Ruhe zu bewahren. „Es ist eine Zeit, in der wir so ruhig wie nur möglich sein sollten.“ Die Polizei sperrte die Gegend ab, auch der U-Bahnverkehr wurde unterbrochen.

          In Kanada war es schon mehrmals zu Attacken mit Fahrzeugen gekommen. In Edmonton im Westen des Landes griff ein Angreifer im September einen Polizisten mit einem Messer an und rammte dann vier Menschen mit einem gemieteten Lieferwagen. 2014 fuhr ein Mann in Québec zwei Soldaten an, einer von ihnen kam ums Leben.

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