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Tödliche Vatertagsschlägerei Täter muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis

Der 25-Jährige, der am vergangenen Vatertag einen 44-jährigen Familienvater zu Tode geprügelt hatte, ist vor dem Rostocker Landgericht verurteilt worden. Der Richter sprach von einem Racheakt.

© dapd Vergrößern Der 25-jährige Haupttäter wurde der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen.

Nach einer Vatertagsschlägerei mit tödlichem Ausgang in Rostock-Warnemünde im vergangenen Jahr hat das Rostocker Landgericht den 25-jährigen Haupttäter zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Die Kammer sprach den Mann am Dienstag der Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig und nicht des Totschlags – wie es ursprünglich in der Anklage hieß. Die Faustschläge mit ihrer verheerenden Wirkung auf einen 44-jährigen Familienvater seien zielgerichtet und von Rache getrieben ausgeführt worden, hieß es in der Urteilsbegründung.

Der 25-Jährige hatte zwar gestanden, seinem Kontrahenten gezielte Faustschläge versetzt zu haben, jedoch eine Tötungsabsicht bestritten. Auch das Gericht konnte keinen Vorsatz erkennen. Dennoch habe der durchtrainierte Angeklagte um die lebensgefährlichen Folgen von Schlägen gegen Kopf und Hals wissen müssen. Auch sei der Alkohol gewöhnte Mann zwar angetrunken, jedoch nicht steuerungsunfähig gewesen.

Gericht folgt Forderung der Staatsanwaltschaft

Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte ebenfalls eine Haftstrafe für angemessen empfunden, jedoch auf drei Jahre und acht Monate Gefängnis plädiert. Man wolle das Urteil noch mit dem Mandanten besprechen und gemeinsam entscheiden, ob Revision eingelegt werden soll, sagte einer der Verteidiger nach der Urteilsverkündung. Die Vertreter der Hinterbliebenen äußerten eine „gewisse Zufriedenheit“ mit dem Urteil.

Die Schlägerei am 3. Juni 2011 auf Bahnsteig drei des Bahnhofs Warnemünde war von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden. Zwei Männergruppen waren an einem haltenden Zug aneinandergeraten, hatten sich erst beschimpft und dann mit Fäusten bekämpft. Der Angeklagte war einer der Antreiber der Schlägerei. „Er griff immer wieder ins Geschehen ein. Zeugen beschrieben ihn als durchgedreht“, sagte der Richter. Keinesfalls habe er beschwichtigen wollen, wie er in der Verhandlung gesagt habe. Das sei auf dem Video deutlich zu sehen.

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Das spätere Opfer hatte den Angeklagten mehrmals zu Fall gebracht, sich dann aber zurückgezogen. „Obwohl die Auseinandersetzung schon beendet war, hatten Sie sich noch einmal rächen wollen“, warf der Richter dem 25-Jährigen vor. Er habe sich von hinten dem entspannt gegen einen Pfeiler gelehnten 44-Jährigen genähert und ihm - weit ausholend - zwei Schläge gegen Hals und Kopf versetzt. Der Mann ging sofort zu Boden und verlor das Bewusstsein. Wenig später starb er an einer massiven Einblutung in das Gehirn. „Es war reine Rache und es war feige“, sagte der Richter.

Der 25-Jährige hat die Tat laut Gericht ehrlich bereut. Er sei zwar nicht vorbestraft, dennoch kein unbeschriebenes Blatt. So gab es schon vier Verfahren wegen Körperverletzung und Nötigung, an denen der Angeklagte beteiligt gewesen sein soll. Sie wurden alle eingestellt.

Quelle: AP

 
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