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Todesfall in Köthen : Zwei Tatverdächtige in Untersuchungshaft

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Es soll kein „zweites Chemnitz“ werden: In Sachsen-Anhalt starb ein junger Mann an Herzversagen. Dem vorausgegangen war ein Streit mit zwei Afghanen. Rechte Gruppierungen versammelten sich zu einem „Trauermarsch“.

          Nach einem Streit zwischen zwei Männergruppen in Köthen in Sachsen-Anhalt ist ein 22 Jahre alter Mann gestorben. Zwei Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren wurden festgenommen und befinden sich in Untersuchungshaft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag mitteilten. Gegen sie war am Sonntag Haftbefehl wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge erlassen worden. Bei dem Toten handelte es sich um einen deutschen Staatsbürger.

          Am Sonntagabend beteiligten sich rund 2500 Menschen an einer Kundgebung, zu dem rechte Gruppierungen in sozialen Netzwerken aufgerufen hatten – und bei der auch einschlägige Neonazis erschienen, darunter das ehemalige NPD-Mitglied David Köckert. Angesichts der Erfahrungen von Chemnitz hatte sich die Polizei auf Proteste eingestellt und Verstärkung unter anderem aus Niedersachsen und Berlin erhalten.

          Nach stillem Beginn wurde die Stimmung bei der Kundgebung zwischenzeitlich aggressiver, berichtete die dpa. „Dies ist ein Tag der Trauer. Aber wir werden die Trauer in Wut verwandeln“, sagte ein Redner. „Widerstand“, „Auge um Auge“, „Zahn um Zahn“ und „Wir sind das Volk“ erschallte es aus dem Kreis der Teilnehmer. Andere skandierten „Lügenpresse“. Als ein „taz“-Journalist die Szenerie mit einem Handy filmte, wurde er geschubst. Die Polizei griff schnell ein.

          Befragungen der Polizei dauern an

          Der 22 Jahre alte Mann war nach Angaben der Polizei am späten Samstagabend an akutem Herzversagen gestorben. Ein Zusammenhang zu Verletzungen konnte nicht hergestellt werden, wie die Polizei mit Blick auf das vorläufige Ergebnis der Obduktion mitteilte. Nach Angaben der „Mitteldeutschen Zeitung“ und Informationen der dpa hatte der 22-Jährige eine kardiologische Vorerkrankung.

          Zu den Hintergründen des Geschehens in der Stadt, die gut 26.000 Einwohner hat, und zu den Abläufen während des Streits nannten die Ermittler keine Details und verwiesen auf die andauernden Befragungen.

          Streit auf dem Spielplatz

          Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war es auf einem Spielplatz zu einem Streit zwischen mehreren Männern gekommen. Drei aus Afghanistan stammende Männer sollen zunächst mit einer Frau dort darüber gestritten haben, von wem sie schwanger ist. Dann sollen der 22 Jahre alte Deutsche und ein Begleiter hinzugekommen sein, bei dem es sich um einen in Köthen bekannten Rechtsextremen handeln soll. Am Ende war der 22-Jährige tot. Gegen den dritten aus Afghanistan stammenden Mann gibt es keinen Verdacht, er wurde nicht festgenommen.

          Teilnehmer einer rechten Kundgebung in Folge des Todesfalls eines 22 Jahre alten Deutschen in Köthen.

          Nach dpa-Informationen waren die beiden Afghanen polizeibekannt, einer wegen mehrerer kleinerer Delikte und Körperverletzung. Einer hatte eine Duldung. Der zweite sollte eigentlich abgeschoben werden, was aber wegen laufender Ermittlungen auf Eis lag. Zuvor hatte die „Mitteldeutschen Zeitung“ darüber berichtet.

          Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnte vor einer Instrumentalisierung des Falls. „Bei aller Emotionalität ist jeder Versuch zurückzuweisen, aus Köthen, wie es im Internet heißt, ein zweites Chemnitz machen zu wollen“, sagte er der dpa.

          Evangelische Kirche sammelt Spenden für Opfer

          Am frühen Abend hatten zunächst rund 200 Menschen gegen rechte Hetze demonstriert. Sie waren dem Aufruf der Linken-Politikerin Henriette Quade gefolgt und hatten sich am Bahnhof der Stadt versammelt. „Wo sich der Mob formiert, funken wir dazwischen“, war auf Spruchbändern zu lesen.

          Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht rief zur Besonnenheit auf. Er habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit der Bürger, sagte der CDU-Politiker der dpa. Der Rechtsstaat werde alle Mittel konsequent einsetzen, Justiz und Polizei ermittelten in enger Abstimmung. „Der tragische Tod des jungen Mannes geht mir sehr nahe, und ich bedaure das Geschehene zutiefst.“

          Die Evangelische Landeskirche Anhalts will in Köthen Spenden für die Bestattung des Opfers sammeln. Die Sammlung begann mit einer Trauerandacht am Sonntagnachmittag und sollte noch einige Tage dauern. Zu der Andacht kamen etwa 300 Menschen, darunter auch mehrere Politiker. „Der Tod eines Menschen ist der schlechteste Anlass für eine Instrumentalisierung“, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig.

          In Chemnitz war vor zwei Wochen ein 35 Jahre alter Deutscher getötet worden. Zwei junge Männer sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Sie stammen nach eigenen Angaben aus Syrien und dem Irak. Ein weiterer Verdächtiger wird gesucht. Seitdem gibt es in Chemnitz immer wieder fremdenfeindliche und aggressive Proteste. Tausende Menschen demonstrieren seither auch gegen rechte Hetze und für Toleranz.

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