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Tierquälerei : Wenn es warm wird, kommt der Ripper

Friedlich: Landschaft mit Pferden, in der das Pathologische keinen Platz zu haben scheint. Bild: ddp

Im Breisgau misshandelt ein Unbekannter Pferde. Die Angst bei Bauern und Reiterhöfen ist groß, die Polizei ist ratlos. Der Staatsanwalt warnt vor Selbstjustiz.

          Kurz vor dem Ortseingang von Vörstetten liegt die kleine Koppel des Mooswaldhofes. Auf dieser kaum ein Hektar großen Pferde-Koppel begann in der Nacht zum 2. August 2012 die Tatserie des Breisgauer Pferdeschänders. 14 Tatorte zählte die Polizei im vergangenen Jahr. Im Winter passierte nichts. Im Mai und Juni dieses Jahres gab es wieder zwei Vorfälle. Auch wenn nicht jeder Angriff mit völliger Sicherheit demselben Täter zugeschrieben werden kann, so hat sich doch im Freiburger Umland eine außergewöhnliche Serie von Tiermisshandlungen ereignet. Die im vergangenen Jahr gebildete Ermittlungsgruppe ist mittlerweile schon wieder aufgelöst. Vom Täter fehlt jede Spur.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Staatsanwalt warnt die Bürger vor Lynchjustiz und sieht sich genötigt, im Interview Nachhilfe über die Grundlagen des Rechtsstaates zu geben: „Zunächst muss ich davor warnen, Selbstjustiz zu üben“, wer eine gefährliche Körperverletzung begehe, müsse damit rechnen, dass ihm vorsätzliches Handeln unterstellt werde, so der Freiburger Staatsanwalt Wolfgang Maier. Über viele Wochen kochte die Stimmung in den Breisgau-Gemeinden. „Wenn Sie an einer Koppel vorbei gingen und das Pferd zu lange betrachteten, zogen sie schon böse Blicke auf sich“, berichtet ein Ermittler der Freiburger Polizei.

          Einige Reiterhöfe haben Nachtsichtgeräte angeschafft, andere schicken nachts Stallwachen über ihre Höfe, haben private Sicherheitsdienste beauftragt oder Videokameras installiert. Je länger der Täter sein Unwesen treibt, desto teurer wird es für die Reiterhof-Besitzer. Bei den Kosten sind, wenn es ein größerer Reiterhof ist, schnell 10.000 Euro erreicht. Beim Tannenzäpfle-Bier im „Reiterstüble“ wird manchmal grob auf die Polizei geschimpft. Nicht alles davon ist zitabel.

          Der Täter kennt sich im Freiburger Umland hervorragend aus, er weiß, wie er in Ställe hereinkommt, ohne aufzufallen. Mindestens 20 größere Reiterhöfe gibt es im Freiburger Umland. Viele Freiburger haben ihre kostbaren Reitpferde auf diesen Höfen untergebracht. Die meisten Reiterhofbesitzer wollen nicht mit Journalisten reden - sie haben Angst vor neuen Attacken des Pferdeschänders. Das Pferd auf der Koppel bei Vörstetten hätte der psychisch schwer gestörte Täter vermutlich an den Genitalien schwer verletzt, wenn er nicht von einem Passanten aufgeschreckt worden wäre. Es gelang ihm nur, das Tier zu fesseln, als er sich beobachtet fühlte, flüchtete er.

          „Die Angst ist riesengroß“

          Etwa 500 Meter von der Koppel entfernt sitzt Norbert Bühler auf dem Traktor und pflanzt Salatsetzlinge - für die gehobene Gastronomie im Schwarzwald, sagt er. Norbert Bühler ist Gemüsebauer, sein Sohn betreibt seit zehn Jahren den Mooswald-Reiterhof mit 70 Island-Pferden. An den Augustanfang des vergangenen Jahres kann sich der Bauer gut erinnern. „Zwei Tage später habe ich gesehen, dass da in der Wiese eine Fluchtschneise war, da habe ich meinen Sohn gefragt, ob ihm ein Pony abgehauen ist“, erzählt Bühler. Das war nicht der Fall, es habe sich später herausgestellt, dass die Spur vom Breisgauer Pferdeschänder stammte. „Die Angst ist riesengroß. Der muss viel wissen: Wann die Tiere reingeholt werden, wann der letzte Mitarbeiter vom Hof geht. Jetzt, wenn es warm wird, geht es wieder los“, sagt Bühler. Anfang Juni gab es den sechzehnten Fall. Stallburschen, Hufschmiede, Tierärzte und Futtermittellieferanten sind von der Polizei besonders stark unter die Lupe genommen worden.

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