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Terror in London : Plötzlich im Krieg

  • Aktualisiert am

Polizisten kümmern sich nach dem Anschlag um eine Gruppe junger Frauen. Bild: AFP

Gerade hatten sie noch in Kneipen Fußball geschaut, plötzlich mussten sie mit Stühlen, Gläsern und Flaschen gegen Terroristen kämpfen. Augenzeugenberichte von einer grauenhaften Nacht in London.

          Gerard Vowls kam gerade vom Fußballschauen aus dem „Ship pub“, als er auf der Südseite der London Bridge plötzlich mit ansehen musste, wie drei Männer auf eine Frau einstachen. „Sie rief um Hilfe, ich konnte nichts machen“, sagte der 47 Jahre alte Vowls dem britischen „Guardian“, der in der Nacht nach dem Anschlag in London mit Augenzeugen sprechen konnte.

          Dem Bericht zufolge sagte Vowls, dass er versucht habe, die Angreifer zu stoppen, indem er Stühle, Gläser und Stühle auf sie geworfen habe. „Dann haben sie versucht, auf mich einzustechen. Sie haben auf jeden eingestochen.“ Es hätte mehrere Minuten gedauert, bis Sicherheitskräfte gekommen seien.

          1) Lieferwagen überfährt Passanten auf der London Bridge 2) Lieferwagen hält 3) Angreifer erstechen Menschen auf dem Borough Market 4) Angreifer werden von der Polizei beschossen und getötet
          1) Lieferwagen überfährt Passanten auf der London Bridge 2) Lieferwagen hält 3) Angreifer erstechen Menschen auf dem Borough Market 4) Angreifer werden von der Polizei beschossen und getötet : Bild: F.A.Z. / Google Maps

          Insgesamt wurden bei dem Anschlag in London mindestens sieben Menschen von den Angreifern getötet und 48 weitere verletzt. Im Zentrum der britischen Hauptstadt waren sie vorher mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast. BBC-Reporterin Holly Jones berichtete, der Wagen sei rund 80 Stundenkilometer schnell gewesen. Dem Radiosender „BBC Radio 5 Live“ sagte ein Augenzeuge: „Eine Person ist bestimmt sechs Meter in die Höhe geschleudert worden. Danach lagen fünf bis sechs Personen am Boden.“

          Die Angreifer stürmten aus dem Wagen und fingen an, wahllos auf die Nachtschwärmer einzustechen. Der Anschlag ereignete sich wenige Minuten nach dem Ende des Champions-League-Finales zwischen Real Madrid und Juventus Turin. Zahlreiche Fußballfans hatten das Endspiel am Samstagabend in den Bars rund um den Borough Market verfolgt.

          Die Polizei bringt nach der Terrorattacke Menschen in Sicherheit.
          Die Polizei bringt nach der Terrorattacke Menschen in Sicherheit. : Bild: dpa

          Das Ehepaar Ben und Natalie stand vor der Markthalle Borough Market im Ausgehviertel nahe der Brücke. „Wir haben Leute wegrennen sehen, und dann habe ich einen rot gekleideten Mann mit einer langen Klinge – schätzungsweise 30 Zentimeter lang – gesehen, der mehrmals auf einen Mann eingestochen hat", schilderte Ben dem Sender BBC. Das Opfer sei zu Boden gesunken. „Dann haben wir drei Schüsse gehört und sind gerannt.“ Ein anderer Augenzeuge sagte der BBC, die Angreifer hätten wahllos auf Menschen eingestochen und gerufen: „Das ist für Allah.“

          London : Polizei erschießt Attentäter

          Stühle und Flaschen auf Angreifer geworfen

          Bethany Atkin, die für den „Guardian“ arbeitet, saß in einem kleinen Restaurant etwa hundert Meter entfernt von der London Bridge. „Wir saßen draußen unter Schirmen, als der Bus plötzlich in die Brücke krachte“, sagte sie ihrem Arbeitgeber. „Wir sind aufgesprungen, alles war plötzlich in Bewegung, ich sah einen blutenden Mann.“ Sie sei in das Restaurant gerannt, hätte dort aber keinen sicheren Platz gefunden, zurück auf der Straße habe sie eine blutüberströmte Frau am Boden liegen sehen.

          In vielen Kneipen spielten sich dramatische Szenen ab: Ein Augenzeuge sagte in einem BBC-Interview: „Sie sind von Bar zu Bar gerannt und haben überall auf die Leute eingestochen.“ Ein Mann namens James Yates twitterte eine Video, in dem zu sehen ist, wie die Polizei in eine Bar stürmt und alle Menschen auffordert, sich auf den Boden zu legen. In das Tapas-Restaurant „El Pastor“ stürmte laut „Sky News“ einer der Angreifer mit einem 30 Zentimeter langen Messer und stach auf eine Frau ein. Auch dort sollen andere Gäste Stühle und Flaschen auf den Angreifer geworfen haben. Eine blutende Frau versuchte sich unterdessen ins „Mudlark Pub“ unter der London Bridge zu retten. „Es sah aus, als habe jemand versucht, ihr die Kehle durchzuschneiden“, sagte Augenzeuge Alex Shellum zu „Fairfax Media“.

          Acht Minuten, nachdem die ersten Notrufe eingegangen waren, erschossen Polizisten schließlich die drei Angreifer. Laut dem Chef der Terrorabwehr von Scotland Yard, Mark Rowley, trugen die Männer Sprengstoffwesten-Attrappen am Körper. Gerard Vowls, der dem „Guardian“ von den Kampfszenen auf der Brücke erzählt hatte, sagte dem Blatt später: „Seit eineinhalb Stunden laufe ich weinend durch die Stadt. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“

          Quelle: sede./AFP

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