22.08.2008 · Die bayerische Polizei hat ein internationales Pädophilen-Netzwerk aufgedeckt. Sie ermittelte Daten von Tausenden Internetnutzern aus 98 Staaten, die zwei Kinderpornos bei einem Provider im Bereich Konstanz heruntergeladen hatten.
In jahrelanger Ermittlungsarbeit hat die bayerische Polizei ein internationales Pädophilen-Netzwerk aufgedeckt. Sie ermittelte Daten von Tausenden Internetnutzern aus 98 Staaten, die zwei Kinderpornos bei einem Provider im Bereich Konstanz heruntergeladen hatten, wie das Landeskriminalamt Bayern am Freitag mitteilte. Alleine in Deutschland gebe es 987 Verdächtige. Die Betroffenen stammen aus allen Bevölkerungsschichten und allen Altersgruppen.
Die Ermittlungen hätten im Juni 2006 nach einem Hinweis aus Italien begonnen und seien weitgehend abgeschlossen, erklärte die Polizei. Es gebe bereits erste Verhaftungen und Urteile. Man habe sich aber erst jetzt dazu entschieden, mit Informationen zur großangelegten „Operation Smasher“ an die Öffentlichkeit zu gehen, erklärte ein Sprecher.
Tausend Computer beschlagnahmt
Im Zuge der Ermittlungen seien alleine in Deutschland 1000 PCs, 1800 Videos und fast 45.000 Datenträger sichergestellt worden. Mehrere hundert Verdächtige seien bereits überführt, erklärte die Polizei. Meist seien es Männer. Bei ersten Verurteilungen erhielten die Täter Haftstrafen von bis zu 15 Monaten wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften. In drei Fällen habe sich herausgestellt, dass sich die Verdächtigen auch an ihren Töchtern vergangen hätten. Ein 41-Jähriger aus Schleswig-Holstein sei deswegen zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er habe seine beiden Töchter und andere Mädchen fast täglich missbraucht.
Ausgangspunkt der Ermittlungen waren zwei Kinderpornos auf einer Internetplattform im Bereich der Staatsanwaltschaft Konstanz, auf die die Beamten durch einen Hinweis aus Italien gestoßen seien. Auf den Videos würden ein zehn- und ein zwölfjähriges Mädchen jeweils massiv missbraucht, erklärte die Polizei.
48.000 Download-Protokolle übergeben
Binnen eines Monats waren die Kinderpornos 48.000 mal heruntergeladen worden. Die Pädophilen hätten die Adressen der Filme über einschlägige Internetforen ausgetauscht. Der Betreiber, der laut Polizei nur den Speicherplatz für die Videos zur Verfügung gestellt hatte und nichts von den Inhalten wusste, übergab den Ermittlern die Download-Protokolle.
Rund 7500 Verbindungsdaten deuteten auf Nutzer aus Deutschland hin, allerdings konnten nur 987 Verdächtige ermittelt werden, da damals noch keine Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung existierte, wie die Polizei erklärte. 41.000 Daten wurden ins Ausland weitergeleitet. Auch dort hätten die Ermittlungen zu Verhaftungen geführt, erklärte die Polizei. In Österreich seien 80 Tatverdächtige ermittelt worden, in Polen 65, in der Türkei 53 und in Australien 38.
Undifferenzierte Berichterstattung
Stephan Doetsch (Stedo)
- 23.08.2008, 13:16 Uhr
Genau
Johanna Geisel (Jea.nne)
- 23.08.2008, 15:46 Uhr
'Bei einem Provider in Konstanz' - und dann komischerweise keine Spur !?
K. Peter Luecke (microplan2002)
- 24.08.2008, 17:48 Uhr