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Südkorea Klonforscher Hwang wird angeklagt

12.05.2006 ·  Wegen seiner betrügerischen Forschungsergebnisse muß der frühere Vorzeigeforscher Hwang nun vor Gericht. Seine treuen Anhänger trugen indes 50 Millionen Euro zusammen, damit er seine Arbeit fortsetzen kann.

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Die Staatsanwaltschaft in Seoul hat am Freitag gegen den diskreditierten Stammzellenforscher Hwang Woo-suk Anklage erhoben. Nach fast fünf Monate dauernden Untersuchungen sind die Ermittler davon überzeugt, daß der südkoreanische Wissenschaftler der führende Kopf hinter den Forschungsmanipulationen war, mit denen er vorgab, einen menschlichen Embryo geklont und elf maßgeschneiderte Stammzelllinien entwickelt zu haben. Diese vermeintlichen Erfolge seiner Arbeit waren in dem amerikanischen Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht und in aller Welt als Sensation gefeiert worden.

Hwang muß sich nun vor Gericht der Betrugs- und Unterschlagungsvorwürfe erwehren. Außerdem hat er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gegen das im Januar 2005 in Kraft getretene Bioethik-Gesetz verstoßen, da Frauen für ihre Eizellspenden Geld bezahlt worden sei. Mit Berichten über solche bezahlten Spenden in einem südkoreanischen Fernsehmagazin hatte der Skandal um Koreas einstigen Nationalhelden im vergangenen November seinen Anfang genommen, dabei kam auch heraus, daß Mitarbeiterinnen seines Labors genötigt worden waren.

Ein gezielter Betrug

Die Seouler Staatsanwaltschaft kommt zu dem Schluß, daß Hwangs vermeintlicher Durchbruch ein gezielter Betrug war. Er habe sein Team zur Fälschung verschiedener Daten und Dokumente angewiesen, zum Beispiel Fotos oder DNA-Tests. „Es hat sich bestätigt, daß die sogenannten patientenspezifischen Stammzellen von Anfang an nicht existiert haben“, sagte der leitende Staatsanwalt Lee In-kyu am Freitag in Seoul. Er bezog sich dabei auf den in „Science“ veröffentlichten Aufsatz aus dem Jahr 2005. Auch für den ein Jahr zuvor veröffentlichten Aufsatz, in dem Hwang und sein Forscherteam vorgaben, erstmals einen menschlichen Embryo geklont zu haben, sei Material manipuliert worden. Überdies habe Hwang seinen Mitarbeitern befohlen, die falschen Ergebnisse zu publizieren. Gegen Hwang ist kein Haftbefehl beantragt worden.

Im Zusammenhang mit dem Fälschungsskandal müssen sich noch weitere Wissenschaftler seines Teams verantworten. Nach einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap schmuggelte einer der Assistenten in-vitro-befruchtete Zellen in Hwangs Labor, um Erfolge vorzutäuschen. Dieser Mitarbeiter habe unter enormem Streß gestanden, weil er die von seinem Professor eingeforderten Resultate nicht vorlegen konnte.

Protegiert von ganz oben

Hwang wird vorgeworfen, 2,8 Milliarden Won - rund 2,3 Millionen Euro - aus staatlichen und privaten Zuwendungen veruntreut zu haben. Mit dem Geld seien unter anderem die Eizellspenden bezahlt worden, auch bedachte er führende Politiker und Unternehmer mit größeren Summen als Vergeltung für deren Spenden oder Einsatz für seine Forschung. Bislang ist nicht bekannt, welche Personen Hwang finanziell unterstützt haben soll und ob gegen sie schon Ermittlungen eingeleitet sind. Eine ehemals in Hwangs Umfeld arbeitende Wissenschaftlerin, die im Zuge seiner Erfolge zur wissenschaftlichen Beraterin des Präsidenten aufstieg, mußte ihr Amt niederlegen. Der Klonforscher war von der hohen Politik hofiert und mit Privilegien überschüttet worden. Entsprechend interessant könnte die Offenlegung seines Netzwerkes in der koreanischen Gesellschaft werden.

Teile der veruntreuten Mittel soll Hwang auch für persönliche Zwecke abgezweigt haben. Von 1995 bis Ende 2005 erhielt er aus staatlichen Quellen 41,7 Milliarden Won und von privaten Institutionen etwa 4,3 Milliarden Won für seine Forschungsarbeit. Diese Summen nannte der staatliche Rechnungshof, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Finanzen von Hwang und seinem Institut untersuchte. Die Prüfer können nach eigenen Angaben den Verbleib von 2,5 Milliarden Won nicht erklären. Die Veruntreuung öffentlicher Gelder kann in Südkorea mit maximal zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden, ein Verstoß gegen das Bioethikgesetz mit bis zu drei Jahren.

Unterstützt von Buddhisten

Hwangs vermeintliche Forschungserfolge weckten in Korea und in aller Welt Hoffnungen, daß Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer möglicherweise schon bald besiegt werden könnten. Die südkoreanische Regierung nutzte die Ikone Hwang, um das Land zum globalen Zentrum der Stammzellenforschung zu erklären und machte immense Forschungsgelder locker. Die Entzauberung der Kultfigur Hwang setzte entsprechende Emotionen frei: Über Monate erinnerten Hwang-Fans mit Lichterketten an seine Verdienste, in Seoul verbrannte sich sogar ein Mann nach der Verteilung von Flugblättern. Es ist nicht auszuschließen, daß sich angesichts der patriotisch hochgepeitschten Atmosphäre die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen und der Anklageerhebung besonders viel Zeit ließ.

Hwang ist indessen seiner Ämter beraubt, darf an der Seouler National-Universität nicht mehr lehren oder forschen, die staatliche Zulassung für die Stammzellenforschung ist ihm entzogen. Dies hinderte einen buddhistischen Priester und zwei buddhistische Unternehmer dieser Tage nicht daran, umgerechnet 50 Millionen Euro zusammenzutragen, um Hwang ein neues Labor zu finanzieren, in dem er seine Arbeit fortsetzen soll. Die Buddhisten in Südkorea zeigten sich gegenüber Hwang, der sich zum Buddhismus bekannte und zeitweise auch in einem Tempel Zuflucht suchte, tolerant, seine Stammzellenforschung beurteilten sie, im Gegensatz zur katholischen Kirche, positiv. Der einst so mediengewandte 52 Jahre alte Professor hat sich in den vergangenen Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Zuvor hatte er sich für die falschen Publikationen entschuldigt, dabei aber stets behauptet, er sei Opfer von Täuschungen, Intrigen und Neid geworden.

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