http://www.faz.net/-gum-771j0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.02.2013, 11:15 Uhr

Südafrika Pistorius wird des Mordes angeklagt

Das Magistratsgericht in Pretoria hat entschieden, Oscar Pistorius wegen „vorsätzlichen Mordes“ anzuklagen. Damit sinken die Chancen, dass der Sportler gegen Kaution freikommt. Seine Anwälte hatten eine Anklage wegen Totschlags gefordert.

© REUTERS Oscar Pistorius im Magistratsgericht Pretoria

Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius wird wegen „vorsätzlichen Mordes“ angeklagt. Dies entschied das Magistratsgericht in Pretoria am Dienstag. Damit sinken die Chancen, dass der 26 Jahre alte Sportler gegen Kaution freikommt. Er soll seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, erschossen haben.

Pistorius habe eine „unschuldige und unbewaffnete Frau“ erschossen und außerdem ein Mordmotiv, sagte der Staatsanwalt am Dienstag in seinem Eröffnungsplädoyer vor dem Magistratsgericht. Es gebe keine Hinweise, die Pistorius’ Darstellung unterstützten, er habe einen Einbrecher vermutet.

Die Anwälte des Profisportlers streben eine Freilassung gegen Kaution an. Sie plädieren für eine Anklage wegen Mordes in einem minder schweren Fall, was im deutschen Recht Totschlag entspräche. Die Anklagebehörde möchte, dass der Beschuldigte bis zum Prozess in Untersuchungshaft bleibt.

Pistorius selbst bestritt den Mord. „Ich widerspreche den Anschuldigungen aufs Schärfste.“ Nichts sei von der Wahrheit weiter entfernt, den Anklagener in einer Stellungnahme, die sein Anwalt am vorlas. „Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten.“ Er habe gedacht, auf einen vermeintlichen Einbrecher geschossen zu haben.

© reuters, Reuters Südafrika: Pistorius vor Gericht

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte der beinamputierte Pistorius in der Tatnacht erst im Schlafzimmer seine Prothesen angezogen, bevor er mit einer Pistole bewaffnet zum Badezimmer ging. Dort habe sich seine Freundin, die bereits am Vorabend in das Haus gekommen sei, befunden. Pistorius habe vier Schüsse durch die verschlossene Badezimmertür abgefeuert, drei von ihnen sollen die 29-Jährige demnach getroffen und tödlich verletzt haben.

„Wenn ich mich bewaffne, einen Weg zurücklege und einen Menschen ermorde, dann ist das Vorsatz“, sagte der Staatsanwalt . „Die Tür ist geschlossen. Daran besteht kein Zweifel. Ich gehe sieben Meter, und ich töte. Das Motiv ist: ’Ich will töten.’ So war es und nicht anders.“

Die Verteidigung argumentierte, dass es sich nicht um einen Mord handle, sondern um Totschlag. Nicht immer, wenn jemand zur Waffe greife, handele es sich um einen Mord, sagte der Anwalt Barry Roux. Pistorius habe keine Ahnung gehabt, dass es sich bei dem Menschen im Badezimmer um Reeva Steenkamp gehandelt habe. Sein Mandant werde vor Gericht die Vorgänge der dramatischen Nacht vollständig schildern, der Vorwurf des „vorsätzlichen Mordes“ sei eine „Ungerechtigkeit“.

Die auf zwei Tage angesetzten Verhandlungen begannen am Dienstagvormittag in einem völlig überfüllten Saal des Magistratsgerichts. In dem Saal, der nur für etwa 40 Zuschauer eingerichtet ist, drängelten sich weit mehr als 100 Menschen, vor allem Journalisten. Anwesend waren auch der Vater des Beschuldigten, Henke Pistorius und die Geschwister des Athleten, Aimee und Carl.

Mehr zum Thema

Pistorius, der bereits vor 7  Uhr morgens aus seiner Polizeihaft ins Gerichtsgebäude gebracht worden war, wird von renommierten Juristen und Experten unterstützt. Zu ihnen zählen der Star-Anwalt Kenny Oldwage, der britische Medienberater Stuart Higgins und der südafrikanische Forensiker Reggie Perumal.

In Port Elizabeth an der Südküste Südafrikas fand am Dienstag währenddessen ein Gedenkgottesdienst für Reeva Steenkamp statt. Nur etwa 90 Menschen durften auf Einladung der Familie an der Gedenkfeier in der Kirche des Victoria Park Friedhofs teilnehmen. Nach dem Gottesdienst sollte Steenkamp, die nach einer juristischen Ausbildung vor allem als Model und Moderatorin ihr Geld verdiente, in Anwesenheit weniger Familienmitglieder beerdigt werden.

Quelle: DPA/Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fall Niklas P. Der Tötungsvorsatz reicht

Nicht jedes Gewaltverbrechen muss im Tod des Opfers enden. Doch wie weit sind die Folgen von den Tätern beabsichtigt, wenn es um ein Tötungsdelikt geht? Im Fall Niklas P. gibt es nun neue Erkenntnisse. Mehr Von Reinhard Müller

22.08.2016, 19:27 Uhr | Gesellschaft
Wegen falscher Beschuldigung Gina-Lisa Lohfink verurteilt

Der Prozess rund um das Model Gina-Lisa Lohfink hat mit einer Verurteilung wegen falscher Beschuldigung geendet. Lohfink wurde vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Model beschuldigte zwei Männer, sie nach einer Party in Berlin gegen ihren Willen zum Sex gezwungen zu haben. Mehr

22.08.2016, 16:38 Uhr | Gesellschaft
Sportgericht Cas entscheidet Scharfe Kritik an Russlands Paralympics-Ausschluss

An Olympia 2016 nahmen russische Sportler doch noch teil, bei den Paralympics in Rio wird es anders sein. Der Sportgerichtshof bestätigt die Sperre. Die Reaktion aus Moskau folgt sogleich. Mehr

23.08.2016, 12:02 Uhr | Sport
Im Südwesten Polens Halbzeit auf der Suche nach dem Nazi-Gold

Noch haben die Schatzsucher in der Nähe der Stadt Walbrzych keine Spur vom angeblichen Zug voller Gold entdeckt. Aufgeben wollen sie deshalb aber nicht. Mehr

21.08.2016, 17:27 Uhr | Gesellschaft
Vorwurf des Staats-Dopings Russische Ermittler wollen Wada-Führung vernehmen

Der McLaren-Report führt zum Teilausschluss Russlands von Olympia – und zum Komplett-Aus bei den Paralympics. Nach den Vorwürfen von Staats-Doping drehen die russische Ermittler den Spieß nun um. Mehr

24.08.2016, 10:37 Uhr | Sport

Rapper DMX wird zum 15. Mal Vater

Das 15. Kind von Rapper DMX heißt Exodus, Blake Lively bedauert die negative Sicht auf Frauenkörper nach der Geburt, und Prince soll Medikamente genommen haben, die stärker waren als angegeben – der Smalltalk. Mehr 4

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden