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Suche nach Vergewaltiger Massengentest in Sachsen

15.07.2006 ·  Nach der Vergewaltigung zwei kleiner Mädchen versucht die Polizei im Raum Dresden mit einem DNA-Test den Sexualstraftäter aufzuspüren. Im Extremfall könnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft bis zu 100.000 Proben fällig werden.

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In Sachsen läuft seit Samstag ein Massengentest, um einen Sexualstraftäter aufzuspüren. Im Extremfall könnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden bis zu 100.000 Proben fällig werden, um den Vergewaltiger von zwei kleinen Mädchen im Raum Dresden ausfindig zu machen. Die einzige eindeutige Spur ist bislang eine übereinstimmende DNA an beiden Tatorten.

Bis zum Sonntag sind 3108 Männer zwischen 25 und 45 Jahren in Coswig bei Dresden aufgerufen, eine Speichelprobe abzugeben. Eine Woche später sind in Dresden weitere 3129 Männer zum Test gebeten. Schon vor dem offiziellen Testbeginn hatten sich zahlreiche Freiwillige für die Untersuchung eingefunden.

Großer Andrang

„Wir sind beeindruckt vom Andrang und vom Verständnis der Bürger für die Maßnahme“, sagte Tom Jährig vom Landeskriminalamt. Laut Jährig haben sich rund 500 Männer vorab gemeldet, die an diesem Wochenende aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Test kommen können. Etwa 500 Briefe mit der Bitte, zum Test zu erscheinen, hätten nicht zugestellt werden können. Zu Gründen konnte der Sprecher keine Auskunft geben. Der Test in Coswig läuft zunächst bis Sonntagabend. 50 Beamte sind dafür im Einsatz.

Der gesuchte Mann hatte im September 2005 und im Januar 2006 im Raum Dresden ein neun- und ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt. Bei den bisherigen Ermittlungen wurden die Alibis von rund 3500 Personen überprüft und mehr als 1000 Männer durch einen DNA-Vergleich als Täter ausgeschlossen. Die Ermittler der Sonderkommission „Heller“ wollen den Kreis der zu testenden Personen nach und nach erweitern, falls sich kein schneller Erfolg einstellt.

„Es besteht konkrete Wiederholungsgefahr“

„Es besteht konkrete Wiederholungsgefahr, daher haben wir uns für das Verfahren entschieden“, begründete Oberstaatsanwalt Christian Avenarius das Vorgehen. Der Massen-Gentest sei „keine Panikmache.“ Selbst wenn der Gentest Millionen kosten würde, wäre das nicht zu viel, wenn dadurch ein Sexualstraftäter gefunden werde, sagte der Oberstaatsanwalt. Der innenpolitische Sprechers der FDP-Landtagsfaktion, Jürgen Martens, hatte im Vorfeld den Gentest kritisiert und von einem kostenintensiven und nicht sehr erfolgreichen Irrweg gesprochen.

Nach den Worten von LKA-Sprecherin Silke Specht nehmen die Spezialisten im Landeskriminalamt an, daß der gesuchte Sexualstraftäter kein pädophiler Mensch sei. Er habe vielmehr höchstwahrscheinlich Angst vor Frauen und suche deshalb kleine Mädchen. Der Unbekannte hatte seine Opfer nach der Tat wieder ausgesetzt.

Die betroffenen Männer hätten vor der eigentlichen Speichelprobe eine Einwilligungserklärung unterschreiben müssen, sagte Specht. Jede Probe koste zwischen 15 und 16 Euro. Die Einsendungen würden vor der Untersuchung im Labor anonymisiert, so daß die Daten der Männer dort nicht zu erkennen seien. Der Oberstaatsanwalt sagte, der Gentest sei absolut freiwillig. Niemand werde zum Beschuldigten, wenn er sich solch einem Test verweigere oder „definitiv nicht mit uns reden will“. In solchen Fällen würde man sich aber die Person genauer ansehen und auch das Umfeld des Betreffenden überprüfen. Ergebe sich daraus kein Anfangsverdacht, werde auch nicht ermittelt, sagte er.

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