30.11.2005 · Der Amokläufer von Stuttgart hat seine Bluttat in einer Kirche als das Ergebnis direkter Einflußnahme durch Jesus Christus dargestellt. „In diesem Moment hat Jesus Christus meine Hand ergriffen“, sagte der 25 Jahre alte Tamile beim Prozeßauftakt.
Der Amokläufer von Stuttgart hat seine Bluttat in einer Kirche als das Ergebnis direkter Einflußnahme durch Jesus Christus dargestellt. „In diesem Moment hat Jesus Christus meine Hand ergriffen“, sagte der 25 Jahre alte Tamile zum Prozeßauftakt am Mittwoch vor dem Landgericht Stuttgart. „Er war es, der geschnitten hat.“
Der Tamile war am ersten Aprilsonntag mit einem Samurai-Schwert in einen Gottesdienst einer evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in Stuttgart-Zuffenhausen eingedrungen. Mit Schwerthieben und -stichen tötete er eine Frau und verletzte drei weitere Gläubige zum Teil lebensgefährlich. Wegen religiöser Wahnvorstellungen beantragte die Staatswanwaltschaft seine unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Der Täter habe in schuldunfähigem Zustand gehandelt. Das Urteil wird voraussichtlich am 14. Dezember verkündet.
Täter leidet an einer paranoiden Schizophrenie
Bis dahin sollen in vier weiteren Verhandlungen Zeugen aussagen und Gutachter zum Gesundheitszustand des Tamilen gehört werden. „Objektiv gesehen hat er sich des Totschlags und des versuchten Totschlags in drei Fällen schuldig gemacht“, sagte Staatsanwalt Thomas Schek. Der Mann sei in die Kirche eingedrungen und habe während des von 70 Menschen besuchten Gottesdienstes auf einige Gläubige eingeschlagen und eingestochen. Eine 43 Jahre alte Frau verblutete. Sie hatte sich laut Anklage über ihren 52 Jahre alten Mann gebeugt, dem der Tamile das Schwert zuvor in den Unterleib gestoßen hatte. Einem jungen Mann wurde die linke Hand abgetrennt, die in einer 16-stündigen Operation wieder angenäht wurde.
Staatsanwalt Schek sagte, der Tamile habe sich zur Tatzeit in einem religiösen Wahn befunden. Er habe angegeben, daß er verschiedene Stimmen gehört hat, darunter die Stimme von Jesus. „Es war sehr früh klar, daß er an einer paranoiden Schizophrenie leidet“, sagte Schek. Daher habe sich die Anklagebehörde entschlossen, den Täter bis auf weiteres in eine geschlossene Klinik einzuweisen.
„Ich habe eine Hand gesehen und Blut“
Der geständige Tamile erläuterte, er könne sich an den eigentlichen Tatverlauf nicht mehr erinnern. „Ich habe anschließend eine Hand gesehen und Blut“, sagte der in Deutschland geduldete Mann. Er räumte ein, bereits früher in Gottesdienste der Gemeinde eingedrungen zu sein, unter anderem mit einer Gaspistole. Am Vortag des Amoklaufs hatte eine junge Frau geheiratet, in die der Täter eigenen Angaben zufolge verliebt war. Noch in Sri Lanka war er vom Hinduismus zum Christentum übergetreten.