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Stockholm Spektakulärer Geldraub aus der Luft

23.09.2009 ·  In einer spektakulären Aktion sind in Stockholm Räuber von einem Hubschrauber aus in das Depot einer Wertgesellschaft eingedrungen und haben Geldsäcke herausgehievt. Sie erbeuteten etwa 100 Millionen Euro.

Von Siegfried Thielbeer, Stockholm
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In einer spektakulären Aktion, die den britischen Postzugraub in den Schatten stellen dürfte, sind am Mittwoch früh in Stockholm Räuber von einem Hubschrauber aus in das Depot einer Wertgesellschaft eingedrungen und haben Geldsäcke herausgehievt. Der Wert der Beute soll nach Berichten einiger schwedischer Medien etwa eine Milliarde Kronen betragen, etwa 100 Millionen Euro.

Was die Sache für die Polizei überaus peinlich macht, ist die Hilflosigkeit, mit der sie reagierte. Besonders grotesk ist dabei, dass die zwei Hubschrauber der Stockholmer Polizei, mit denen man die Räuber wenigstens hätte verfolgen können, wegen einer neben ihnen auf ihrem Startplatz abgelegten Bombenattrappe für viele Stunden nicht eingesetzt wurden, sodass vom Reichspolizeichef erst zusätzliche Hubschrauber aus weit entfernten Landesteilen angefordert werden mussten, dieerst um 9.30 Uhr in Stockholm eintrafen.

Mehrere vermummte Personen drangen über ein Glasfenster ein

Gegen fünf Uhr früh, noch zu nachtdunkler Zeit, so berichteten Zeugen, landete ein weißfarbener Helikopter, den einige Beobachter zunächst für einen Hubschrauber der Polizei hielten, auf dem Dach des fünfstöckigen Wertdepots der Wachgesellschaft G4S im Stockholmer Stadtteil Värsterberga. Mehrere vermummte Personen drangen über ein Glasfenster, das sie zertrümmerten, von oben in das Depot ein. Mehrere Explosionen im Inneren des Gebäudes waren später zu hören. Andere Zeugen wollen gesehen haben, dass die Räuber von dem Hubschrauber auf das Dach abgeseilt worden waren.

Um 5.19 Uhr gingen bei der Polizei die ersten Alarmanrufe ein - von Mitarbeitern des Wertdepots und Anwohnern, die durch die Geräusche des in niedriger Höhe um das Gebäude fliegenden Hubschraubers und durch die Explosionsgeräusche geweckt worden waren. Als die ersten Streifenwagen der Polizei schliesslich eintrafen, konnten die hilflosen Beamten zunächst nur abwarten und, wie es später von der Polizei ebenso hilflos hieß, sicherstellen, dass kein Räuber das Gebäude zur Strasse hin verlassen konnte.

Geldsäcke wurden nach oben gereicht

Ihre Pistolen hätten den Hubschrauber nicht erreichen können, hieß es, auch schien anfangs die Lage chaotisch. Nach langen Minuten kam der Hubschrauber wieder, landete oder schwebte dicht über dem Dach. Geldsäcke wurden nach oben gereicht. Schließlich kamen auch die vermummten Gestalten nach oben und stiegen in aller Ruhe, ohne jede Hast, wie einige Augenzeugen sagten, in den Hubschrauber, möglicherweise über Leitern, wie einige gesehen haben wollen, und flogen gegen sechs Uhr im Tieflug erst nach Süden und dann nach Norden davon.

Erst zu diesem Zeitpunkt traf Verstärkung der Polizei bei dem Gebäude ein, obwohl die Polizeistation Västberga nur 500 Meter von dem Wertdepot entfernt liegt. Während dann ab 6.30 Uhr immer umfangreichere Absperrungen um das Wertdepot herum vorgenommen wurden, durchsuchten Beamte das Gebäude. Personal, das dort arbeitete, wurde verhört. Zugleich lief eine umfangreiche Fahndung im Norden Stockholms an.

Gegen 8.30 wurde der gelandete Hubschrauber nördlich von Stockholm bei Täby in einer Waldlichtung gefunden. Die Polizei erklärte später, man sichere Fahrzeugspuren in der Nähe und hoffe auch auf Spuren im unbeschädigten Hubschrauber. Mittlerweile war bekannt geworden, dass der Hubschrauber vom Typ Bell 206B in der Nacht zum Mittwoch aus dem Hangar der Firma Roslagens Flyg auf dem Flugplatz Bromma gestohlen worden war. Der Tiefflug des Hubschrauberpiloten und die Landemanöver auf dem Dach und in der winzigen Lichtung nötigten Polizeipiloten Respekt ab. Kein Ambulanzflug oder Polizeipilot würde hier landen, sagte einer von ihnen. Auch der Flug während der Nacht gab Anlass zu Spekulationen, dass es sich um einen Piloten mit militärischer Spezialausbildung gehandelt haben müsse, der über eine Nachtflugausrüstung verfügt habe. Andere Mutmaßungen der Polizei gehen dahin, dass es Insiderinformationen über die Wertzentrale gegeben haben müsse.

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