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Sternekoch vor Gericht : Millionenklage gegen Ferran Adrià

  • -Aktualisiert am

Zuversichtlich: Adrià grüßt die Prozessberichterstatter im Saal Bild: dpa

Der „beste Koch der Welt“ steht vor Gericht. Ferran Adrià wird vorgeworfen, die psychische Erkrankung seines ehemaligen Mitgesellschafters ausgenutzt zu haben, um dessen Anteile unter Wert zu übernehmen.

          Über dem Ende von „el Bulli“ lag immer der Schatten der unbeantworteten Frage: warum eigentlich? Als Ferran Adrià, der „beste Koch der Welt“, am 30. Juli des vergangenen Jahres zum letzten Mal in dem „besten Restaurant der Welt“ Freunde und Mitarbeiter mit 50 Gängen bekochte, war die geläufige Erklärung des Molekularküchenmeisters, dass er nach vielen Jahren intensiver Arbeit einfach eine Auszeit nehmen wolle. Im Jahr 2014 solle das Lokal an der Costa Brava - dann in eine Stiftung verwandelt - als internationale Experimentalküche und „Kreativitätszentrum“ neu eröffnet werden.

          Das ist offenkundig noch immer sein Plan. Jetzt fand sich Adrià indes in Barcelona auf der Anklagebank wieder. Die Familie seines ehemaligen Mitgesellschafters Miquel Horta wirft ihm und seinem Partner Juli Soler Betrug vor. Adrià und Soler sollen die Geisteskrankheit Hortas - dieser wurde inzwischen offiziell für nicht zurechnungsfähig erklärt - ausgenutzt haben, um seine Anteile weit unter Wert zu übernehmen. Sie fordern daher von Adrià - Soler, der ebenfalls an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, nahm an dem Prozess nicht teil - Schadensersatz von mehr als zehn Millionen Euro.

          Schon im vergangenen Jahr, als Adrià seinen Gourmettempel, in welchem das Menü durchschnittlich 250 Euro kostete, schloss, gab es Spekulationen, dass der schon schwelende Rechtsstreit seinen vorübergehenden Rückzugsentscheid beeinflusst haben könnte. Vor Gericht, wo möglicherweise noch in dieser Woche das Urteil verkündet wird, wurden nun die Einzelheiten einer langen Partnerschaft mit bitterem Ende ausgebreitet.

          „Kein Mäzen, sondern eine Bank“

          Adrià und Horta freundeten sich danach Anfang der neunziger Jahre an, als el Bulli noch ein bescheidenes Lokal mit einem ehrgeizigen Chef war. Horta lieh dem Koch damals für den Ausbau umgerechnet 300.000 Euro zu elf Prozent Zinsen und wurde später Mitgesellschafter. Vor einem Jahrzehnt, als in Spanien außer den Immobiliengeschäften auch die Gastronomie eine beispiellose Blüte erlebte und der Katalane zum ersten Mal ausgerechnet in Frankreich zum besten Koch der Welt proklamiert wurde, begann die große Erfolgsgeschichte von el Bulli.

          Während die Berühmtheit des Küchenmagiers und seines Dreisternelokals stieg und Adrià sich ein Jahresgehalt von 240.000 Euro gestattete, gingen die Geschäfte des Gesellschafters Horta offenbar schlecht. Um ihm zu helfen, so Adrià jetzt vor Gericht, hätten er und Soler ihm damals im Jahr 2005 seine Aktien zum Preis von 1,2 Millionen Euro abgekauft. Das sei das Vierfache seines Einsatzes gewesen und mit Horta und seinen Finanzberatern so ausgemacht worden.

          Die Familie argumentiert nun aber, dass die Partner von el Bulli zum einen von Hortas Geistesschwäche gewusst hätten und die Anteile in Wirklichkeit mindestens acht Mal so viel wert gewesen seien. Der Koch wies diese Anschuldigungen jetzt zurück. Er habe das eine weder gewusst noch ausgenutzt und sich bei dem anderen fair und marktgerecht verhalten. Im Übrigen sei es verwunderlich, dass Hortas Familie erst drei Jahre nach der Transaktion Ansprüche gestellt habe. Horta, so sagte er mit Zuneigung für den ehemaligen Gesellschafter, sei ihm immer ein väterlicher Freund gewesen, aber „kein Mäzen, sondern eine Bank“.

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