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Geständnis des Stiefvaters : Junge soll mehr als 50 Mal missbraucht worden sein

Ein Junge wurde laut Polizei von seiner Mutter und deren Lebensgefährten Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen. Bei dem nun Angeklagten handelt es sich laut Anklage um einen „Kunden“. Bild: dpa

Der heute neun Jahre alte Junge ist mehr als zwei Jahre lang von mehreren Männern sexuell missbraucht worden. Das gesteht sein Stiefvater vor dem Landgericht Freiburg. Er selbst bot den Missbrauch gegen Bezahlung an – und wurde ebenfalls zum Vergewaltiger.

          Das Ausmaß des pädokriminellen Falls in Staufen ist offenbar wesentlich größer als bislang angenommen. Das Opfer, ein neun Jahre alter Junge, ist nach einer Aussage seines Stiefvaters Christian L. mindestens 50 Mal sexuell missbraucht worden. Etwa 20 Mal verging sich L. demnach selbst an dem Kind, mehr als 30 Mal wurde es anderen Männern, größtenteils gegen Bezahlung, ausgeliefert. Das sagte der 39 Jahre alte Christian L., der den pädokriminellen Ring über einen Zeitraum von drei Jahren über das Darknet organisiert haben soll, am Mittwoch als Zeuge im Strafverfahren gegen Markus K. aus.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Dem aus Südbaden stammenden, 41 Jahre alten Hilfsarbeiter werden schwere Vergewaltigung, sexueller Missbrauch sowie der Besitz von Kinderpornographie vorgeworfen. Das Gericht will sein Urteil an diesem Donnerstag fällen.

          Christian L. zeigte bei seiner Aussage wenig Empathie oder Reue. Er legte dar, dass die sexuellen Handlungen auch zur eigenen sexuellen Erregung gefilmt worden seien. Auch die 47 Jahre alte Kindsmutter Berrin T. habe sich die Filme aus diesem Grund angeschaut. Für Markus K. habe sie in ihrer Wohnung auch Fesselwerkzeuge bereitgelegt. Der Angeklagte hatte das Kind zwei Mal getroffen und zwei Mal sexuell missbraucht.

          Von den Männern, die zum Missbrauch auch aus der Schweiz und Spanien anreisten, seien hohe Summen gezahlt worden. Ein Täter aus Spanien soll 10.000 Euro und dann bei weiteren Treffen 5.000 und 3.000 Euro bezahlt haben, um den Jungen missbrauchen zu können. Dem Kind gab er weitere 100 Euro.

          Christian L. und Markus K. hatten sich in der Justizvollzugsanstalt Freiburg kennengelernt und nach der Entlassung in einer psychiatrischen Praxis wiedergetroffen. Ein Kriminalpolizist, der ebenfalls als Zeuge aussagte, kritisierte die unzureichenden Kontrollmöglichkeiten von aus der Haft entlassenen Sexualstraftätern. Das Programm „Kurs“ zur Resozialisierung von Sexualstraftätern müsse verbessert werden, die Kontrolle von unter Führungsaufsicht stehenden Tätern müsse strenger ausfallen.

          Der Angeklagte Markus K. war nach seiner Haftentlassung unter Führungsaufsicht gestellt worden, aber nur nach der mildesten Kategorie überwacht worden.

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