21.07.2010 · Sie wurden von älteren Kindern vergewaltigt, missbraucht und verletzt: In einem Ferienlager auf Ameland erlebten mehrere Dreizehnjährige einen Albtraum. Haben sich ihre Betreuer der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht?
Zu schweren sexuellen Übergriffen zwischen Jugendlichen und Kindern soll es bei einer Sommerfreizeit des Stadtsportbunds Osnabrück gekommen sein. Unter Berufung auf Polizei und Staatsanwaltschaft berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch) von mindestens sechs Fällen von Vergewaltigung, schwerem Missbrauch und gefährlicher Körperverletzung. Die Taten passierten demnach in einem Schlafsaal für Jungen. Das 14-tägige Camp mit rund 170 Teilnehmern sei von Ende Juni bis Anfang Juli auf der westfriesischen Insel Ameland gewesen.
Bei den acht mutmaßlichen Tätern handelt es sich nach Angaben der Polizei um zwei Dreizehnjährige, die selbst Opfer waren, und um sechs Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren. Opfer sind demnach ausnahmslos 13-jährige Jungen. Die Ermittler schlössen nicht aus, dass sich Betreuer der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht haben. Ihnen lägen Aussagen vor, wonach sich Kinder noch vor Ort hilfesuchend an Betreuer gewandt haben, diese aber nicht einschritten.
Verzweifelt an den Betten festgekrallt
Konkret sollen sechs 13-Jährige zum Teil mehrfach von einer Gruppe überwiegend älterer Ferienfreizeit-Teilnehmer in die Mitte des Schlafsaals gezerrt worden sein. Dort wurden den Jugendlichen Cola-Flaschen und Stiele von Besen und Kehrschaufeln in den After gestoßen. Weitere Versuche seien nur daran gescheitert, dass sich die Opfer „verzweifelt an ihren Betten festgekrallt haben, über Feuerleitern geflüchtet sind oder erheblichen Widerstand geleistet haben“, sagte der Leiter des Osnabrücker Jugendschutz-Kommissariats, Berndt Klose, der Zeitung. Eine Befragung von etwa 20 in dem Schlafsaal untergebrachten Kindern habe den Verdacht bestätigt. Derzeit laufe die Vernehmung weiterer Kinder und Betreuer.
Die niederländische Polizei hat bislang keine Erkenntnisse zu den mutmaßlichen sexuellen Gewalttaten auf der Insel Ameland. Allerdings habe es vor einigen Wochen auf der zur niederländischen Provinz Friesland gehörenden Ferieninsel „unklare Gerüchte über mögliche derartige Vorfälle“ gegeben, sagte Polizeisprecher Wouter de Fries am Mittwoch in der Provinzhauptstadt Leeuwarden.
Kein Eintrag im System
Zwei Beamte seien den Gerüchten nachgegangen. Sie hätten aber offenkundig nichts Verdächtiges feststellen können. „Es ist jedenfalls dazu kein Eintrag in unserem System erfolgt“, sagte de Fries. Leider könnten die beiden Polizisten vorerst nicht befragt werden, da sie im Urlaub und erst in zwei Wochen wieder im Dienst seien.
Sollte die Polizei in Osnabrück Anzeigen über sexuelle Straftaten weiterleiten, würden die niederländischen Ermittler selbstverständlich alles tun, um zur Aufklärung beizutragen. Ohne eine Anzeige gebe es aber bis auf weiteres keinen Anlass für neue Nachforschungen auf Ameland.
Zahl der Opfer könnte sich weiter erhöhen
Am 9. Juli, einen Tag nach Ende der Ferienfreizeit, erstattete eine Mutter eines mutmaßlichen Opfers Anzeige. Dass die Misshandlungen angeblich in der Gruppe stattgefunden hatten, verschlimmert gemäß dem Oberstaatsanwalt den Tatbestand der Ermittlungen.
Retemeyer kann nicht ausschließen, dass sich die Zahl der Opfer weiter erhöhen wird: „In Niedersachsen sind zur Zeit Schulferien. Nicht wenige der Kinder, die auf dieser Ferienfreizeit waren, sind anschließend mit ihren Eltern auch in den Urlaub gefahren, so dass wir noch nicht alle möglichen Opfer vernehmen konnten.“ Die Polizei Osnabrück führt derzeit täglich Befragungen von Zeugen durch, deren Ende sich aber durch die Dauer der Schulferien noch herauszögern könnte.
„Es war kein Trainingslager“
Bei dem Feriencamp handelte es sich nach Darstellung des Stadtsportbundes Osnabrück um eine Ferienfreizeit, an der 170 Jungen und Mädchen zwischen 8 und 16 Jahren von Ende Juni bis Anfang Juli in Buren auf Ameland teilgenommen hatten. Die Kinder hätten dabei Aktivitäten wie Kutschfahrten, Strandwanderungen oder Strandspiele und auch das Deutsche Sportabzeichen machen können. „Es war kein Trainingslager“, betonte ein Sprecher des Sportbundes.
Nach Angaben des Vorsitzenden des Stadtsportbundes Osnabrück, Wolfgang Wellmann, hat es sich bei den Betreuern um qualifiziertes Personal gehandelt. Von daher könne man eigentlich voraussetzen, dass die Betreuer wüssten, wie sie sich beim Verdacht auf Missbrauchsfällen zu verhalten hätten.
Das Tragische ist keine Eigenheit der Kirche...
Andreas Breuer (IUSTINUS)
- 21.07.2010, 11:50 Uhr
Grosse Traurigkeit uberfallt mich da, aussergerechnend der OSB
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 21.07.2010, 11:58 Uhr
Täter und Opfer, Gewalt erzeugt Gewalt
Ronald Bach (onlyhuman)
- 21.07.2010, 12:09 Uhr
Grenzen setzen!
Werner Herzog (Freica)
- 21.07.2010, 12:36 Uhr
Die Verantwortlichen in IOK und NOK vertuschen und schweigen ...
Ogdan Ücgür (Ogdan)
- 21.07.2010, 13:22 Uhr