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Spektakulärer Entführungsfall Geraubtes Baby aus Aussig in Neuwied gefunden

 ·  In der Tschechischen Republik wird ein Kind vor den Augen der Mutter aus dem Kinderwagen geraubt. Die Spur führt nach Deutschland, das Kind wird gerettet – doch das Motiv der Tat bleibt weiter unklar.

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Der Fall des vor den Augen seiner Mutter geraubten Babys klang so unglaublich, dass in manchen Medien schon von einer womöglich erfundenen Geschichte die Rede war. Doch nun ist die drei Wochen alte Michala aus der Tschechischen Republik gesund und wohlbehalten wieder da. Ein Mobiles Einsatzkommando der Polizei befreite das Mädchen am Montagabend im rheinland-pfälzischen Neuwied aus den Händen ihrer mutmaßlichen Entführer und gab es in ärztliche Obhut. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es um das am 4. Juli in Usti nad Labem (Aussig) verschwundene kleine Mädchen“, teilten die zuständige Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen mit. Ein DNA-Abgleich soll bald Gewissheit bringen.

Die Familie des Mädchens aus der rund 90000 Einwohner zählenden Stadt in Böhmen kommt nun nach Deutschland, um ihre Tochter zu identifizieren und nach Hause zu bringen. Bei dem Einsatz seien mehrere Tatverdächtige vorläufig festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Ob es sich bei den Verdächtigen, wie es in Medienberichten hieß, um einen Mann und zwei oder drei Frauen handelt, wollte die Polizei nicht sagen. Gegen zwei Personen sei jedoch Haftbefehl beantragt worden wegen des Verdachts der Entziehung Minderjähriger. Der zuständige tschechische Polizeidirektor sagte in Aussig, dass es sich bei den Festgenommenen um vier deutsche Staatsbürger handelt.

Der Säugling war am Mittwochnachmittag von einem unbekannten Mann im Beisein der Mutter aus seinem Kinderwagen gerissen und verschleppt worden. Nach Aussage der Mutter sprach der Tatverdächtige einige Sätze auf tschechisch mit einem starken deutschen Akzent und trug ein Hawaii-Hemd. Danach raste der Mann zusammen mit einer Mittäterin in einem schwarzen Geländewagen der Marke VW Tiguan mit amtlichem tschechischen Kennzeichen über die Autobahn D8 von Prag nach Dresden in Richtung Deutschland davon. Etliche Zeugen, die den Wagen sahen, meldeten sich bei der Polizei.

In einer länderübergreifenden Fahndungsaktion der Polizei führte ein Foto des Autos, das von einer Radarkontrolle aufgenommen wurde, zum Erfolg. Dem Vernehmen nach verlor der Entführer bei seiner Flucht eines der tschechischen Autokennzeichen, die gefälscht waren. Zum Vorschein kam dadurch ein deutsches Nummernschild. Nach dem Hinweis eines Zeugen auf dieses Kennzeichen führte die Spur zu einer Autovermietung. Wenig später konnte die Polizei über die dort gespeicherte Adresse des Kunden die Entführer finden und festnehmen. Über die Hintergründe der Entführung und ein mögliches Motiv lasse sich noch nichts sagen, hieß es beim Landeskriminalamt Sachsen, das zur Aufklärung der Tat die Sonderkommission „Globus“ gebildet hatte. Bei der tschechischen Polizei arbeitet man mit drei Ermittlungsansätzen. Entweder handelt es sich demnach um eine spontane Entführung, oder das Baby wurde auf Bestellung verschleppt. Möglicherweise liegt das Motiv im familiären Umfeld.

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Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

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