Ein Jahr nach der Entwendung aus der Kathedrale von Santiago de Compostela ist das „Jakobsbuch“ am Mittwoch von der Polizei gefunden und in gutem Zustand sichergestellt worden. Ein ehemaliger Elektriker des Gotteshauses war kurz zuvor als Hauptverdächtiger festgenommen worden. Die Beamten setzten zugleich auch die Frau und den Sohn des Mannes sowie dessen Lebensgefährtin als mögliche Komplizen fest.
Bei der Durchsuchung mehrerer Wohnungen der Familie waren zunächst 1,2 Millionen Euro Bargeld und verschiedene Wertsachen aus der Kathedrale gefunden worden. Der Codex Calixtinus, von dem schon befürchtet worden war, dass er ins Ausland verkauft worden sei, wurde wenig später unversehrt in einer Garage entdeckt.
Bei dem Jakobsbuch handelt es sich um eine Handschriftensammlung aus dem 12. Jahrhundert, deren Wert auf bis zu sechs Millionen Euro geschätzt wurde. Außer Messgesängen, Gebetstexten und Erzählungen über Wunder, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wurden - sein Leichnam wurde angeblich nach Spanien überführt und ruht in der Kathedrale von Santiago -, umfasst der Kodex praktische Hinweise für Pilger. Mit seiner Beschreibung verschiedener Routen des Jakobswegs sowie der Kirchen und Unterkünfte am Wege gilt das Buch als erster mittelalterlicher „Reiseführer“.
Der Schlüssel steckte
Am 5. Juli 2011 wurde bekannt, dass der Kodex, der zunächst Papst Calixt II. als Autor zugeschrieben, wahrscheinlich aber von einem französischen Gelehrten verfasst wurde, aus einem Panzerschrank im Archiv der Kathedrale verschwunden sei. Wie die Polizei nun mitteilte, stand der Elektriker José Manuel Fernández Castiñeiras, der jahrelang Hilfsarbeiten in der Kirche verrichtete, dann aber entlassen wurde, von Anfang an im Mittelpunkt der Ermittlungen.
Der Handwerker, der angeblich behauptet, dass die Geistlichen bei ihm noch 40.000 Euro Schulden haben, soll das Buch sogar zu diesem Preis feilgeboten haben. Die Handschriften waren nicht versichert und wurden unter unzulänglichen Sicherheitsvorkehrungen aufbewahrt. So steckte etwa der Schlüssel zu dem Archivschrank.