16.04.2008 · Aus Paris hatte Präsident Sarkozy persönlich die Rettungsaktion der gekaperten Lusxusjacht geleitet. Dem „Figaro“ wurden die Details des Sondereinsatzes berichtet. Eine Geschichte wie aus der Feder von Tom Clancy.
Von Michaela Wiegel, ParisNach den Crewmitgliedern der Luxusjacht „Le Ponant“ sind am Mittwoch sechs der somalischen Piraten in Paris eingetroffen. Die sechs Männer wurden in einem gepanzerten Fahrzeug vom Militärflughafen in die Innenstadt gebracht, wo sie in einem Gebäude der Gendarmerie in Sicherheitsverwahrung genommen wurden. Präsident Sarkozy wünscht einen Strafprozess in Frankreich und bislang ist er in diesem Bestreben nicht auf Widerstand bei den somalischen Behörden gestoßen.
„Schafft mir diese Typen vom Halse“, soll der somalische Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed Präsident Sarkozy gesagt haben. Entführung mit Erpressung von Lösegeld kann nach französischem Recht mit lebenslänglicher Haftstrafe geahndet werden. Die Männer, die weder Englisch noch Französisch sprechen, wurden in Paris als „verarmte Fischer“ vorgestellt, die sich auf das weitaus lukrativere Geschäft der Seeräuberei eingelassen hatten. Einer der Männer soll bei der Festnahme leicht am Fuß verletzt worden sein.
Gegenüber den Geiseln „korrekt verhalten“
Unklar ist, ob das französische Spezialkommando, das in einem spektakulären Hubschraubereinsatz die flüchtigen Seeräuber gefangen nahm, tatsächlich die führenden Köpfe der 20 Mann zählenden Piratenbande zu fassen bekam. Die mit Kalaschnikows bewaffneten Seeräuber sollen zwar die Jacht verwüstet haben, sich gegenüber den 30 Geiseln aber „korrekt“ verhalten haben.
In jedem Fall will Präsident Sarkozy nach dem glimpflichen Ausgang des Piraterie-Stücks bei den Vereinten Nationen für einen verstärkten Kampf gegen die zunehmende Seeräuberei werben. Geplant ist die Bildung multinationaler Hochsee-Patrouillen unter UN-Mandat in besonders gefährdeten Seezonen. Staaten ohne funktionsfähige Küstenwache sollen gezwungen werden, in ihren Hoheitsgewässern die Überwachung durch Schiffe der UN-Patrouille zuzulassen. Der somalische Präsident etwa hatte der französischen Armee in den somalischen Hoheitsgewässern „volle Aktionsfreiheit“ eingeräumt, hieß es in Paris.
Rettungsaktion von Sarkozy persönlich geleitet
Die französische Armee blickt mit einigem Stolz auf die gelungene Operation, die sich von den angekündigten Kasernenschließungen, Personaleinsparungen und Klagen über Ausrüstungsengpässe abhebt. Während die Details von Sondereinsätzen in der Vergangenheit gern geheim gehalten wurden, bekam der Reporter des „Le Figaro“ dieses Mal alle Einzelheiten berichtet. Die französischen Fernsehsender belieferte ein Kamerateam der Armee mit Bildern von den befreiten Crew-Mitgliedern und einem Interview mit dem Kommandanten der „Le Ponant“.
Die Rettungsaktion wurde im Elysée-Palast von Sarkozy persönlich geleitet. Seit er als junger Bürgermeister in Neuilly-sur-Seine ein Geiseldrama an einer Grundschule erfolgreich beendete, fühlt sich Sarkozy als Krisenmanager in engem Kontakt mit den Sicherheitskräften sicher. Die Armee mobilisierte innerhalb kürzester Zeit die Kriegschiffe „Commandant Bouan“, „Var“, „Jean Bart“ und „Jeanne d'Arc“. Das Aufklärungsflugzeug Atlantique II. überwachte die Jacht in der Gewalt der Piraten von der Luft aus.
Vom ständigen Militärstützpunkt Djibouti aus wurden Kampfhubschrauber der Typen Gazelle, Alouette III. und Panther ins Einsatzgebiet verlegt. In Transall-Flugzeugen wurden 18 Marine-Kommandos herangebracht, die mit dem Fallschirm über hoher See absprangen und die Männer an Bord der Kriegsschiffe verstärkten.
„Die Gazelle ist in ihrem Element“
Nach der Einigung auf ein Lösegeld in Höhe von mehr als zwei Millionen Dollar, das vom Reeder bereit gestellt wurde, konnte die Rettungsaktion beginnen: Kaum waren die 30 Crewmitglieder in Sicherheit gebracht, enterten die Marine-Kommandos die Jacht. Die Seeräuber waren mit dem Lösegeld schon geflüchtet. Aber dank des Aufklärungsflugzeuges Atlantique II. gelang es, den Geländewagen der Piraten aufzuspüren.
„Die Gazelle ist in ihrem Element. Nachdem er über die smaragdgrünen Wellen des Indischen Ozean geschossen ist, fliegt der Kampfhubschrauber einige Meter über den Sandbüscheln der somalischen Wüste. Eine Staubwolke weist die Spur des Geländewagens (...) Ein Eliteschütze rückt seine Brille zurecht. In seinen Händen ein MacMillan-Gewehr, das mit einer unglaublichen Präzision die 12,7 Millimeter Munition auf einer Reichweite von 2000 Metern schießen kann. Ziel getroffen, der Geländewagen der Banditen des Meeres wird nicht mehr weiter fahren“, heißt es im Bericht des „Figaro-Reporters“. Das Szenario hätte von Tom Clancy geschrieben worden sein, meint der Reporter, aber „es stammte aus der Feder französischer Offiziere“.
Schiffe versenken
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 17.04.2008, 12:06 Uhr