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Skandal im Kosovo Aussicht auf einen Job in Deutschland – gegen Geld

 ·  180 Studenten kommen jährlich aus Prishtina, Kosovo, nach Deutschland. Eigentlich wollen sie Geld verdienen, doch ein Unternehmen hat daraus ein Geschäft gemacht. Und verdient nun selbst.

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© AFP Vergrößern Straßenszene in Prishtina: Ein Graffito fordert die Republik Kosovo

Wer Glück hat, kellnert in einer Gaststätte oder macht in einem Hotel die Betten. Andere schuften auf dem Feld, in Fabriken oder Putzkolonnen. Schwere Arbeit, heißt es schon in der Stellenausschreibung, begrenzt auf drei Monate, Ortswünsche nicht möglich. Doch hier in Prishtina, der Hauptstadt des Nachkriegs-Landes Kosovo, zählt nur eins: Arbeiten in Deutschland.

Jedes Jahr vermittelt die Bundesagentur für Arbeit Ferienjobs an etwa 180 Studenten aus Prishtina. Das ist Aufgabe der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), einer Abteilung der Arbeitsagentur, die auch Informatiker und Ärzte aus dem Ausland anwirbt. In diesem Fall vergibt sie Stellen, für die sich in Deutschland kaum ein Interessent fände. Im Kosovo dagegen bewerben sich jedes Jahr Hunderte Studenten. Wenn sie denn können.

Hohe Gebühr ist eine Katastrophe

Denn der Kooperationspartner der ZAV im Kosovo hat aus dem Bewerbungsprozess ein Geschäft gemacht. 105 Euro verlangte die „Arbeitsförderung Kosovo“ (AFK) in diesem Jahr für die Vermittlung. Das berichten Studenten, und es geht aus Dokumenten des kosovarischen Arbeitsministeriums hervor. Bei rund 180 Vermittlungen kämen auf diese Weise fast 20.000 Euro zusammen. Die ZAV teilt auf Anfrage mit, dass der Kooperationspartner von den kosovarischen Studenten gar keine Gebühren erheben soll. Aber die deutsche Behörde hat in den vergangenen fünf Jahren die Arbeit der AFK nicht einmal an Ort und Stelle überprüft.

Für die Studenten in Prishtina ist die Gebühr eine Katastrophe. „Das ist richtig viel Geld. Wer hier überhaupt einen Job hat, verdient als Student zwischen 100 und 150 Euro im Monat“, sagt Fisnik. Er studiert im sechsten Semester Germanistik. Das Studium finanziert er sich durch die Ferienarbeit in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat er in Wiesbaden Pakete geschleppt und Briefe ausgetragen. Ein Verwandter hatte ihm das Geld für die Bewerbung geliehen. Nach dem Sommer will Fisnik es zurückzahlen. „Ich habe keine andere Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen.“ Deshalb habe er sich auch nicht über die hohe Summe beschwert. „Ich bin davon abhängig, dass es klappt.“

Niemand bleibt

In den Bewerbungsgesprächen bei der AFK wagte keiner der Studenten, die Prozedur in Frage zu stellen. „Wir sind immer zu zweit in das Büro“, erzählt Fisnik. Das Gespräch mit dem deutschen Mitarbeiter habe rund fünf Minuten gedauert. „Er hat gefragt, woher wir kommen, wieso wir nach Deutschland wollen. Dann hat er auf einem Formular angekreuzt, was für Arbeit wir machen können.“ Gegen zehn Euro Zusatzgebühr stellte der AFK-Mitarbeiter ein Sprachzertifikat aus. „Dann haben wir ihm das Geld gegeben.“

Die Bewerbungsgespräche finden in einem Büro des Arbeitsministeriums statt. Ein Germanistikstudent zeigt den Weg zu dem Flachbau am Rand des Stadtzentrums. Das „Migrations-Service-Center“ des Arbeitsministeriums ist im selben Gebäude. Auf einem ovalen Konferenztisch stehen mehrere Wimpel, Kosovo, Italien, Deutschland, das europäische Sternenbanner. Hafiz Leka, Chef der Abteilung für Beschäftigung im Arbeitsministerium, berichtet, bevor die erste Frage gestellt ist, über den langjährigen Erfolg der Kooperation mit der ZAV. Allerdings wird schnell klar, dass er damit zunächst nicht den Nutzen für die Studenten meint: „Bislang sind alle aus Deutschland zurückgekommen, immer pünktlich, immer freiwillig.“ Niemand habe versucht zu bleiben.

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