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Übergriffe auf Frauen : Debatte über Sexverbrechen an Universitäten

  • -Aktualisiert am

Mildes Urteil für Brock Turner: sechs Monate Freiheitsstrafe wegen Vergewaltigung Bild: AP

Die Verurteilung des Studenten Brock Turner wegen Vergewaltigung hat in den Amerika eine hitzige Debatte entfacht. Mindestens jede vierte Studentin wird Opfer sexueller Übergriffe. Noch immer werden viele Fälle von Hochschulen aus Rücksicht auf die Reputation verschwiegen.

          Das Urteil gegen einen Studenten der kalifornischen Stanford Universität, der eine 23 Jahre alte bewusstlose Frau nach einer Feier sexuell missbraucht hatte, hat in den Vereinigten Staaten die Debatte über Vergewaltigungen an Universitäten weiter befeuert. Nach Appellen von Dan Turner, dem Vater des verurteilten Brock Turner, den Studenten nicht für den Rest seines Lebens als Vergewaltiger abzustempeln, forderte unter anderen der Pastor John Pavlovitz ein Ende der traditionellen Schönfärberei sexueller Übergriffe auf dem Campus. „Brock ist in diesem Fall nicht das Opfer. Das Opfer ist das Opfer“, ließ der Geistliche aus dem Bundesstaat North Carolina in einem offenen Brief wissen.

          Trotz des Schuldspruchs wegen versuchter Vergewaltigung und sexueller Penetration mit einem Gegenstand hatte das Oberste Gericht des Bezirks Santa Clara den 20 Jahre alten Schwimmer der Hochschulmannschaft in der vergangenen Woche zu vergleichsweise milden sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

          „20minutes of action“

          Laut amerikanischem Justizministerium verbringen verurteilte Vergewaltiger in den Vereinigten Staaten durchschnittlich elf Jahre im Gefängnis. Nach dem Urteil hatten Hunderttausende Amerikaner bei der Petitions-Plattform „change.org“ und auf der Website des Weißen Hauses den Rücktritt des Vorsitzenden Richters Aaron Persky verlangt. Der Jurist, der ebenfalls an der Stanford Universität studierte und auch das Lacrosse-Team der Hochschule trainierte, begründete das Urteil mit Turners übermäßigem Alkoholkonsum vor den Übergriffen.

          Dan Turner, der Vater des Sexualstraftäters, hatte zuvor an den Richter appelliert, seinen Sohn nicht für „20minutes of action“ mit Gefängnis büßen zu lassen, und damit der noch immer weitverbreiteten Ansicht beigepflichtet, es handele sich bei solchen Verbrechen um eine Art studentisches Männlichkeitsritual oder ein Kavaliersdelikt. Nach einer Studie des Justizministeriums in Washington wird mindestens jede vierte Studentin Opfer sexueller Übergriffe.

          Während viele amerikanische Universitäten Missbrauch und Vergewaltigungen mit Rücksicht auf die eigene Reputation traditionell verschweigen, hatte die Universität von Stanford Brock Turners Tat im Januar 2015 umgehend angezeigt. Der Schwimmer musste die Universität verlassen. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis in voraussichtlich drei bis vier Monaten wird Turners Name für den Rest seines Lebens in die nationale Kartei für Sexualstraftäter aufgenommen.

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