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Sexsklavinnen in Osttimor Es geschah nachts im „Flamboyan Hotel“

In Osttimor mussten viele Frauen dem indonesischen Militär als „Sexsklavinnen“ dienen. Gerechtigkeit für die Opfer gibt es nicht.

© Till Fähnders Vergrößern Am Ort des Schreckens: Maria Fatima mit einem Neffen.

Maria Fatima musste sich säubern, bevor sich die Soldaten abwechselnd über sie hermachten. „Wasch dich, wasch dich“, sagten sie. Dann machten sie das Licht aus oder verbanden ihr mit einem Tuch die Augen. Heute steht sie in dem Nebengebäude des Hotels, in dem ihr das angetan wurde, und zeigt mit den Fingern auf den nackten Stein. Dort zwangen sie die Militärs zu Boden. Direkt neben zwei Duschkabinen, in denen das Wasser im Laufe der Jahre braune Flecken auf die Kacheln gemalt hat.

Till  Fähnders Folgen:  

„Schlaf jetzt“, sagten die Männer und hielten sie fest. „Sei still!“ Sie wusste nicht, wer wann an der Reihe war. Es waren drei, vier Männer nacheinander. Dann nur noch ein dunkler Raum. Übelkeit. Am Morgen ein Stück Seife, das Erlebte von sich abwaschen. Anziehen, der Weg nach Hause im Morgengrauen. Die Fragen der Mutter. Überstanden war es nicht. Es geschah immer wieder, über Jahre, meistens nachts.

Die Brüder kämpften für die Unabhängigkeit

So berichtet Maria Fatima es heute. Wie ihr erging es vielen, die während der Besatzung Osttimors von 1975 bis 1999 durch das indonesische Militär den fremden Herren als „Sexsklavinnen“ dienen mussten. Die systematischen Vergewaltigungen waren laut Bericht der nationalen Wahrheitskommission, die sich um die Aufklärung der Greueltaten in Osttimor bemüht hat, ein Mittel der Kriegsführung gegen die widerspenstige Bevölkerung.

Maria hatte fünf Brüder, die sich der osttimoresischen Unabhängigkeitsbewegung Fretilin angeschlossen hatten. Die Guerrillas versteckten sich im Dschungel vor den indonesischen Soldaten und kämpften für die Eigenständigkeit ihrer Heimat. Alle Brüder fanden dabei den Tod. Doch mit der Proklamation der Unabhängigkeit Osttimors im Jahr 2002 hat sich ihr Traum schließlich noch erfüllt. Und bis zum Jahresende werden nun auch die übrig gebliebenen UN-Friedenstruppen abgezogen, die erst von 1999 bis 2005 und dann wieder nach einer politischen Krise im Jahr 2006 in Osttimor für Stabilität sorgten.

Eine schier endlose Tortur

Die als Erfolg gefeierte Osttimor-Mission hat bis heute allerdings eines nicht erreicht: Gerechtigkeit für die Opfer. Maria gehörte damals zu den Frauen, die den Unabhängigkeitskämpfern heimlich Essen kochten. Eines Tages, sie sagt, es sei irgendwann im Jahr 1977 gewesen, tauchten aus diesem Grund indonesische Soldaten bei ihr auf. Sie bedrohten sie mit Gewehren. Sie nahmen sie mit in das Hotel Pousada im nahe gelegenen Baucau, der zweitgrößten Stadt östlich von der Hauptstadt Dili. Die indonesischen Soldaten nannten es „Flamboyan Hotel“ nach einer auch Flammenbaum genannten tropischen Baumart, die leuchtendrote Blüten trägt.

22546044 © Till Fähnders Vergrößern Im Pousada de Baucau herrscht heutzutage normaler Hotelbetrieb.

„Deine Brüder sind im Dschungel, nicht wahr? Kochst du für sie?“ Sie schlugen und traten sie, drohten, sie zu töten. Alles gab sie zu. Ja, ihre Brüder waren Fretilin. Ja, sie auch. Für Maria, 1955 geboren, begann eine schier endlose Tortur. Ging ein Bataillon nach Indonesien zurück, gaben die Rückkehrer ihren Namen an die Nachfolger weiter. Und wenn ein indonesischer Kommandeur in Baucau eintraf oder gerade eine wichtige Schlacht geschlagen wurde, musste Maria wieder ins Hotel.

Viele Insassen „verschwanden“ im Laufe der Jahre

Das Hotel Pousada de Baucau war einst von portugiesischen Geschäftsleuten eröffnet worden. In dem Nebengebäude, in dem Maria später vergewaltigt wurde, unterhielten sie zuerst eine Seifenfabrik. Nach dem Ende der Kolonialherrschaft und der Annexion Osttimors funktionierte die indonesische Armee das Hotel in eine Kaserne und die Fabrik in ein Gefängnis um. Es war ein besonders dunkler Ort der Internierung und Folter.

Die osttimoresische Wahrheitskommission widmet dem Hotel deshalb in ihrem Bericht einen eigenen Abschnitt. Demnach waren dort insbesondere zwischen 1975 und 1979 bis zu 80 Anhänger der Fretilin untergebracht, darunter auch schwangere Frauen und Kinder. Viele Insassen „verschwanden“ im Laufe der Jahre. Im Pool wurden Menschen zu Folterzwecken versenkt. 1989 wurde das Gefängnis verlegt, aber das Hotel wurde weiter vom Militär benutzt.

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Veröffentlicht: 17.12.2012, 10:48 Uhr