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Service Schlechte Karten für Kartendiebe

19.12.2005 ·  Am sichersten ist es mit Eingabe der Pin: Einkaufen mit der EC-Karte. Weil die EC-Betrugsfälle ohne Pin jedoch stetig steigen, hat die Polizei in Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel jetzt eine zentrale Sperrdatei für gestohlene Karten eingerichtet.

Von Axel Wermelskirchen
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Erwin Hetger, der baden-württembergische Landespolizeidirektor, kann zum Jahresende vermelden, was nicht jeder vermelden kann: Er hat ein seit Jahren angestrebtes Ziel erreicht. Das Ziel hieß: Verringerung der Betrugsfälle mit gestohlenen Debit-Karten (etwa EC-Karten) ohne Pin. Praktisches Beispiel: Ein Täter stiehlt jemandem die EC-Karte, geht damit in Geschäfte seiner Wahl, kauft ein, was immer ihm gefällt, reicht an der Kasse die gestohlene Karte hin, kritzelt eine falsche Unterschrift auf den Beleg und zieht mit der Beute ab. Im Lastschriftverfahren wird derweil das Konto des Diebstahlopfers geplündert. In den Jahren 2002 bis 2004, so Hetger, stieg die Zahl dieser Betrugsdelikte um nicht weniger als 67 Prozent, die Schadenssumme erreichte schließlich zwanzig Millionen Euro im Jahr.

Der Polizei, die den Bürger schließlich vor Verbrechen zu schützen hat, war dies ein Dorn im Auge. Sie hätte es gern gesehen, wenn in den Geschäften die Debit-Karten nicht mehr zum Lastschriftverfahren verwendet worden wären, sondern nur noch mit der einzig sicheren Methode, der Eingabe der Pin-Nummer. Dagegen aber hatte der deutsche Einzelhandel etwas. Sein Verbandssprecher Hubertus Pellengahr argumentierte: „Viele Kunden haben ihre Pin-Nummer gerade nicht parat, oder es ist ihnen unangenehm, sie in der öffentlichen Situation an der Kasse einzugeben.“ Das führe zu Stauungen an den Kassen, und außerdem sei das Verfahren zu teuer, weil der Einzelhandel bei den Verkäufen mit Pin-Nummer jeweils 0,3 Prozent Bankgebühr zahlen müsse.

Zahl der Betrugsfälle gesunken

Landespolizeidirektor Hetger brachte die Debatte auf den polizeilichen Punkt: Der Einzelhandel mache aus rein wirtschaftlichen Erwägungen mögliche Erfolge der Polizei beim Schutz vor Debit-Kartenbetrug zunichte. Der Einzelhandel wiederum wies das scharf zurück. Immerhin, man setzte sich zusammen und überlegte, was noch getan werden könnte. Der Einzelhandel sagte schließlich zu, beim Lastschriftverfahren viel häufiger Stichprobenkontrollen zu machen. Das führte im Jahr 2004 auch sofort dazu, daß die Zahl der Betrugsfälle mit gestohlenen Debit-Karten ohne Pin nur mehr um 4,8 Prozent stieg.

Dem baden-württembergischen Landespolizeidirektor war das noch nicht genug. Mittlerweile war in einigen Bundesländern ein neues Verfahren zur Eindämmung der Betrugsfälle erprobt worden. Dort hatten die Einzelhändler Sperrdateien für die Debit-Karten aufgebaut, bis zu zwanzig unterschiedliche. Die Polizei meldete gestohlene Karten an diese Dateien, und die Einzelhändler sorgten dafür, daß diese Karten für das Lastschriftverfahren gesperrt wurden - und nicht nur für die Geldautomaten der Banken. So wurde vermieden, daß der Kartendieb in den Geschäften tagelang auf Raubzug zu Lasten des Kontos seines Opfers gehen konnte.

Zentrale Sperrdatei für gestohlene Karten

Erwin Hetger hatte nun eine ebenso einfache wie durchschlagende Idee: Warum sollte das Verfahren nicht in ganz Deutschland gelten? Und warum sollte es nicht einfacher gehen? Der Landespolizeidirektor forderte den Einzelhandelsverband auf, eine zentrale Sperrdatei für gestohlene Karten aufzubauen. Die Polizei müßte dann die Kartenverluste nicht mehr an eine Vielzahl von Sperrdateien der Einzelhändler melden. Nach längeren Verhandlungen sagte der Einzelhandel jetzt den Aufbau einer solchen zentralen Sperrdatei zu. Die Übereinkunft mit der Polizei wurde bei der letzten Innenministerkonferenz so beschlossen und tritt in Kraft.

Hetger sagt: „Das Verfahren ist zwar immer noch nicht so sicher wie die Eingabe des Pins, aber damit werden wir die Zahl der Betrugsfälle sicher senken können. Für die Polizei ist das System jetzt nicht mehr sehr aufwendig.“ Die Beamten können die Diebstahlsfälle per Mail an die zentrale Sperrdatei des Einzelhandels senden, und von dort werden sie an die verschiedenen Sperrdateien der Händler weitergeleitet. Hetger: „Damit machen wir den Tätern das Leben so schwer wie möglich.“

Quelle: FAZ vom 20.12.2005, Deutschland und die Welt
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Jahrgang 1951, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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