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Entgleisung und Explosion : Sechs Deutsche nach Zugunglück in Viareggio verurteilt

  • -Aktualisiert am

T-Shirts mit Fotografien der 32 Opfer des Zugunglücks in Viareggio liegen am Tag der Urteilsverkündung gegen ehemalige Bahnmanager auf Stühlen im Gerichtssaal. Bild: AFP

2009 war ein mit Flüssiggas beladener Zug mitten in einer Stadt entgleist. Das Gas explodierte, 32 Menschen starben. Jetzt wurden auch sechs Deutsche verurteilt.

          Zu hohen Haftstrafen wegen mehrfachen Totschlags nach einem Zugunglück mit mehr als 30 Todesopfern in Viareggio 2009 sind am Dienstag in Lucca in der Toskana unter anderen sechs Deutsche verurteilt worden. Das Gericht in Lucca verkündete sein Urteil am Dienstag in erster Instanz. Die sechs deutschen Mitarbeiter des Güterwagenunternehmens GATX Rail Europe erhielten Haftstrafen zwischen acht und neun Jahren, wie das Unternehmen mit Hauptstandort in Hamburg mitteilte. Zwei Deutsche wurden freigesprochen. Die Anklage reichte von Herbeiführen eines Zugunglücks bis hin zu mehrfacher fahrlässiger Tötung. 

          Das Unternehmen GATX Rail Europe kündigte an, gegen das Urteil für seine Mitarbeiter in Berufung zu gehen. Zu der Firma gehört auch das Unternehmen Jungenthal, das in Hannover Güterwagen baut und wartet. Drei Verurteilte und zwei Freigesprochene arbeiteten für Jungenthal. „Wir sind überzeugt, dass die Beweislage der Entscheidung des Gerichtes widerspricht und im Gegenteil klar zeigt, dass unsere Mitarbeiter immer korrekt, sorgfältig und gemäß den höchsten beruflichen Standards gehandelt haben“, heißt es in einer GATX-Mitteilung.

          32 Tote nach explodiertem Gas

          Auch der ehemalige Manager der italienischen Staatsbahn Rete Ferroviaria Italiana, Mauro Moretti, sowie Michele Mario Elia, der für die Instandhaltung zuständig war, erhielten je sieben Jahre Haft; der damals für die Logistik verantwortliche Vincenzo Soprano sogar sieben Jahre und sechs Monate. Die Staatsanwaltschaft hatte noch weit höhere Strafen verlangt. So traf das Urteil im Gerichtssaal auf nur wenig Zustimmung.

          Am späten Abend des 29. Juni 2009 war ein mit Flüssiggas beladener Zug mitten in der Stadt Viareggio entgleist. Dabei kippten einige Tankwagen um, einer der Wagen brach sogar auf. Das dabei explodierende Gas setzte fast das gesamte Viertel in der Nähe des Bahnhofs in Brand. 32 Menschen kamen in ihren zusammenstürzenden Häusern und in brennenden Autos ums Leben. Viele Einwohner verloren ihre Wohnung.

          Im Jahr 2013 begann der Prozess gegen 33 Angeklagte, auch von deutschen Firmen, der nun in erster Instanz endete. Daher werden diese Urteile noch nicht vollstreckt. Auf 32 leeren Stühlen im Gerichtssaal in Lucca waren T-Shirts mit den Gesichtern der Toten ausgelegt. Auf einem Transparent stand: „Viareggio 29-6-2009, nichts wird wieder so werden wie es davor war.“

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