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Schwerin Obduktion soll Todesursache bei unterernährtem Mädchen klären

22.11.2007 ·  In Schwerin gibt es allem Anschein nach einen weiteren Fall eines vernachlässigten Kindes. In einem Krankenhaus starb ein fünfjähriges Mädchen an Unterernährung. Die Eltern wurden festgenommen.

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Nach dem Tod eines unterernährten fünfjährigen Mädchens in Schwerin soll am Donnerstag mit der Obduktion der Leiche die genaue Todesursache geklärt werden. Das Mädchen war am Dienstagabend nach Angaben des Innenministeriums mit „erheblicher Unterernährung, starkem Flüssigkeitsverlust und Rötungen im vorderen Halsbereich“ ins Krankenhaus gebracht worden, wo es kurz danach starb. Die Eltern wurden am Mittwoch festgenommen. Sie sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen den 26-jährigen Vater und die 23-jährige Mutter wird wegen Tötung durch Unterlassen ermittelt.

Das Jugendamt soll Hinweise auf eine mögliche Vernachlässigung in der Familie gehabt haben. Nach Angaben des Vermieters hatte ein Mitarbeiter des Jugendamtes die Familie nach einem anonymen Hinweis aufgesucht, aber keine Auffälligkeiten festgestellt. Die Behörde wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Das zweite Kind der Familie, ein knapp zwei Monate alter Junge, wurde in einer Pflegefamilie untergebracht.

Ständig Streit um den Hund

Die Familie wohnt in einem sanierten Plattenbau im Stadtteil Lankow. In dem Haus gab es nach Angaben des Vermieters immer wieder Streit. Grund dafür seien die Hundehaltung der Familie und eine mangelnde Hausreinigung gewesen. Bei zwei Gesprächen mit der Familie über diese Probleme sei das Mädchen dabei gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Schweriner Wohnungsbaugesellschaft, Wilfried Wollmann. „Das Mädchen war brav und wohlerzogen.“ Es habe keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass etwas nicht in Ordnung gewesen sein könnte.

Bei einem Besuch der Familie hätten zwei Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft die Wohnung sauber und ordentlich vorgefunden. Weder die Eltern noch das Mädchen hätten einen verwahrlosten Eindruck gemacht. „Das Mädchen war ein schmächtiges Kind, aber die Familie machte einen ganz normalen Eindruck“, sagte eine Mitarbeiterin, die die Familie kannte. Vor etwa zwei Wochen habe sich dann das Jugendamt an den Vermieter gewandt, um einem anonymen Hinweis auf Vernachlässigung aus dem Haus nachzugehen.

„Unbegreiflich“

Mit großer Bestürzung reagierte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) auf den Tod des Mädchens. „Es ist für mich unbegreiflich, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder offensichtlich verhungern und verdursten lassen“, sagte er laut einer Pressemitteilung. Gerade in den Stadtteilen, wo das Miteinander und die Nachbarschaft eigentlich funktionieren sollten, erlebe die Gesellschaft häufig eine fehlende soziale Kontrolle.

Hinzu kämen Scham und falsch verstandene Rücksicht, bei Krisensituationen in der unmittelbaren Nachbarschaft die Polizei zu rufen. „Wenn jemand feststellt, dass Kinder geprügelt oder vernachlässigt werden, muss gehandelt werden“, forderte der Innenminister.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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