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Schweiz Amokläufer in stillen Gassen

Ein betrunkener Mann tötet in einem malerischen Bergdorf im Wallis drei Menschen. Erst eine Sondereinheit stoppt den Täter.

© REUTERS, reuters Dallion: Drama in den Alpen

In Daillon nordwestlich von Sion (Sitten) präsentiert sich das Wallis besonders malerisch. Auf 1000 Metern schmiegt sich der Weiler an einen Südhang, der sogar den Anbau von Wein erlaubt. Aber in der Nacht zum Donnerstag zerstörten Schüsse die Idylle der 360 Einwohner. Kurz nach 20.30 Uhr eröffnete ein Mann in den Dreißigern das Feuer aus einer Schrotflinte und einem alten Armeekarabiner und gab ungefähr 20 Schüsse ab. Zunächst aus seiner Wohnung in einem heruntergekommenen Haus und danach in der Dorfgasse feuerte er auf die Bewohner. Die schreckliche Bilanz: Drei Frauen im Alter von 32, 54 und 79 Jahren tot, zwei Personen, unter ihnen der 33 Jahre alte Partner des jüngsten Opfers, schwer verletzt. Die junge Frau hinterlässt kleine Kinder. Bei den Toten und Verletzten soll es sich zum Teil um Bekannte des Täters handeln.

Jürgen  Dunsch Folgen:

Bei der Polizei ging die Nachricht über den Amoklauf nach deren Aussagen gegen 20.50 Uhr ein. Polizisten und eine Spezialeinheit überwältigten den Schützen, ehe er weiteres Unheil anrichten konnte. Er wurde dabei schwer verletzt. Die Motive des Täters blieben zunächst im Dunkeln. Unbekannt ist auch, woher der Amokschütze die nicht angemeldeten Waffen hatte. Aber die Behörden gaben am Donnerstag bekannt, dass der Täter 2005 in eine psychiatrische Klinik gebracht worden war. Damals wurden bei ihm mehrere Waffen eingezogen. Die Beschlagnahmeaktion stand offenbar im Zusammenhang mit chronischen Alkohol- und Drogenproblemen des Mannes, der Leistungen aus der Invalidenversicherung bezog und unter Vormundschaft stand. Drohungen soll der zur Tatzeit angeblich angetrunkene Mann aber nie ausgestoßen haben, sagte der Gemeindepräsident der Gemeinde Conthey, zu welcher der Weiler gehört.

22664489 © AFP Vergrößern Daillon im Wallis: Die Motive des Täters blieben zunächst im Dunkeln.

Die Tat im Wallis wirft ein Schlaglicht auf den Waffenbesitz in der Alpenrepublik. Die Schweiz weist eine der höchsten Raten international auf. Im Waffenbesitz bezogen auf die Einwohnerzahl liegt sie nur drei Plätze hinter den Vereinigten Staaten. Sehr viel niedriger ist der tatsächliche Einsatz von Waffen. Während in Amerika nach UN-Angaben aus dem Jahr 2010 fünf Tötungen je 100000 Einwohner zu beklagen waren, betrug der Vergleichswert für die Schweiz 0,5 Gewaltakte. Der weit verbreitete Waffenbesitz in der Schweiz rührt vor allem aus der Tatsache, dass die Bürger ihre Armeewaffen zu Hause lagern, sofern sie nicht in einem Zeughaus abgegeben werden. Eine Initiative, die den Waffenbesitz stark einschränken wollte, war im Februar 2011 in einer Volksabstimmung abgelehnt worden.

Am Donnerstag erläuterte hierzu der ehemalige Parlamentsabgeordnete Heiner Studer als eine der treibenden Kräfte des Antrags „Für den Schutz vor Waffengewalt“ in einem Interview, das private Aufbewahren von Armeewaffen werde als fester Bestandteil der eidgenössischen Tradition empfunden. Wörtlich sagte Studer: „Meine Generation, die Nachkriegsgeneration, ist groß geworden mit dem Gedanken, dass die Armeewaffe zur Verteidigung unseres Landes dient. Sie ist ein Zeichen unserer erhaltenen Neutralität.“

Quelle: F.A.Z.

 
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