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F.A.Z. Woche : Die Schläger vom Freiheitsplatz

Ein Freitagabend auf dem Freiheitsplatz in Hanau: Die Polizei reagiert nun mit mehr Präsenz. Bild: Philip Eppelsheim

Immer wieder prügeln sich Jugendliche auf dem Hanauer Freiheitsplatz, zuletzt wurde bei einer Massenschlägerei ein Unbeteiligter schwer verletzt. Was ist da los? Eine Reportage über Alkohol und Gewalt.

          Im Hanauer Schlossgarten ist an diesem Freitagabend der Frühling angekommen. Jungs und Mädchen sitzen auf den Parkbänken in der Dunkelheit, trinken Whiskey-Cola und kichern. So weit, so normal. Wäre da nicht die Polizei. Die patrouilliert im Sechserteam. Der Grund: Anfang März wollten sich hier 150 Jugendliche und junge Männer eine Massenschlägerei liefern. Die Polizei formulierte das anschließend so: „Die Gruppe traf sich auf dem Schlossplatz in Hanau, um einen offensichtlichen Konflikt mit Fäusten zu lösen.“ Mehrere Stunden war die Polizei damit beschäftigt, „immer wieder aufflammende Aggressionen zwischen den Streithähnen zu unterbinden“. Die Streithähne: auf der einen Seite vor allem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan. Auf der anderen ortsansässige Jugendliche, viele mit Migrationshintergrund, vor allem aus der Türkei. Aber auch Kroaten, Deutsche, andere. Alter der Beteiligten: 17 bis 21 Jahre.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Eine Woche später konnte die Polizei eine Massenschlägerei nicht mehr verhindern. Hundert Jugendliche prügelten sich in Gelnhausen. Das liegt ebenfalls in Hessen, etwa 25 Kilometer von Hanau entfernt, 14 Minuten mit dem Regionalexpress. Diesmal waren keine afghanischen Flüchtlinge dabei. Jugendliche aus Hanau schlugen sich mit Jugendlichen aus Gelnhausen. Die Polizei schrieb: „Zur Tatzeit rotteten sich am Ziegelturm etwa 30 Jugendliche, die mit dem Zug aus Hanau angereist waren, und etwa 70 Halbwüchsige aus Gelnhausen zusammen. Diese beschimpften sich lautstark und schlugen im Bereich des Bahnhofs mit den umliegenden Parkplätzen und Straßen aufeinander ein.“

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

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          Über die Hintergründe der beiden Vorfälle konnte die Polizei in den Tagen danach nur mutmaßen. Die Jugendlichen seien nicht gerade kooperativ, hieß es. Die Auseinandersetzungen, so viel sei klar, hätten aber nichts mit ethnischen Konflikten zu tun, nichts mit politischen Einstellungen, auch nichts mit einschlägigen kriminellen Gruppierungen. Eher Langeweile, ein Freizeitvergnügen sozusagen. Oder auch ein hormonelles Problem – wie man es bei Jugendlichen und Heranwachsenden des Öfteren vorfindet. Klar ist: Es gab einen Zusammenhang. Jedenfalls personell. Denn die Jugendlichen aus Hanau waren zumindest zum Teil an beiden Vorfällen beteiligt, ein „Schlägertrupp“. Warum die „Hanauer Buben“ das waren? Vielleicht fragt man sie einfach selbst. Deshalb: Freitagabend, Hanauer Schlossgarten.

          „Ich war dabei, aber nur zum Gucken“

          Zwei Jungs mit Kindergesichtern, Jogginghosen und Sneakern stehen am Eingang zum Garten. Sie sagen, dass sie aus Bosnien stammen. Die Schlägerei im Schlossgarten? Der eine sagt: „Ich weiß von nichts.“ Der andere: „Es ist doch gar nichts passiert: Ich war dabei, aber nur zum Gucken. 20 bis 30 Leute auf jeder Seite und Zuschauer.“ Nichts passiert, bis auf den Verletzten, der sich später bei der Polizei meldete: „Wie inzwischen bekannt wurde, soll ein unbeteiligter Mann durch diese jungen Männer, bei denen es sich nach ersten Erkenntnissen überwiegend um Ausländer gehandelt habe, verletzt worden sein.“ Wo man diese jungen Männer finden kann? Hier nicht, wegen der Polizei, sagen die bosnischen Jungs. Vielleicht am Freiheitsplatz. „Aber alleine würde ich da nicht hingehen.“ Wieso? „Die haben Messer. Die sind gefährlich.“

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