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Reaktionen Staatstrauer in Finnland nach Amoklauf an Schule

08.11.2007 ·  Ein 18-jähriger Schüler hat in seiner Schule acht Menschen und sich selbst getötet. Ministerpräsident Vanhanen, der wegen der geringen Kriminalitätsrate in Finnland eine Verschärfung der Waffengesetze bisher ablehnte, schwenkt nun um.

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Er ging durch die Schule, klopfte an die Türen, öffnete - und schoss. So berichtete es der Lehrer Kim Kiuru, der sich retten konnte. Der Schütze sei systematisch vorgegangen und habe sich Klassenzimmer für Klassenzimmer vorgenommen. „Ich konnte es nicht glauben: Ein Schüler, den ich selbst unterrichtet habe, kommt auf mich zu, schreiend, mit einer Waffe in der Hand.“

Bei dem Amoklauf am Mittwoch hatte der 18-jährige Abiturient Pekka-Eric Auvinen sechs Mitschüler, die Rektorin und die Krankenschwester des Jokela-Schulzentrums während der Unterrichtszeit erschossen. Die Polizei bestätigte knapp 24 Stunden nach der Bluttat die Identität des toten Attentäters. Auvinen war am Mittwochabend in einem Krankenhaus in Helsinki den schweren Kopfverletzungen erlegen, die er sich mit seiner Pistole beigebracht hatte.

Überprüfung der Waffengesetze

Nach dem Schulmassaker wird in Finnland am heutigen Donnerstag an allen öffentlichen Gebäude auf Halbmast geflaggt. Ministerpräsident Matti Vanhanen hat eine Überprüfung der Waffengesetze angekündigt. Der Amoklauf werde mit Sicherheit die Meinungen über Handfeuerwaffen beeinflussen, sagte Vanhanen auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Bisher hatte er erklärt, wegen der niedrigen Kriminalitätsrate in Finnland gebe es keinen Bedarf für schärfere Waffengesetze.

Der 18 Jahre alte Schüler hatte den Waffenschein für seine Pistole im vergangenen Monat von einem Schützenverein erhalten. Das Mindestalter zur Beantragung liegt in Finnland bei 15 Jahren. Ein Vorschlag der Europäischen Union, die Altersgrenze auf 18 Jahre anzuheben, war auf Protest der Regierung in Helsinki gestoßen. Etwa 56 Prozent der Finnen besitzen einer Analyse des Genfer Hochschulinstituts für internationale Studien zufolge eine Feuerwaffe. Diese Quote ist die weltweit dritthöchste nach der der Vereinigten Staaten und des Jemens.

Ankündigung bei Youtube

Von Bekannten wurde der 18-jährige Täter als Waffennarr beschrieben, der Hitler und Stalin verehrt und sich in den vergangenen Wochen zunehmend seltsam benommen habe. Kurz vor dem Massaker war in das Internet-Videoportal Youtube ein Video eingestellt worden über ein „Jokela High School Massacre“. In einem Youtube-Forum behauptet der Verfasser, „nicht zur selben Rasse wie die miserable, arrogante und selbstsüchtige menschliche Rasse zu gehören“. Der Autor, mutmaßlich der Attentäter, gibt sich den Namen „Sturmgeist 89“ und nennt sich einen „zynischen Existentialisten, antihumanen Humanisten, antisozialen Sozialdarwinisten, realistischen Idealisten und gottähnlichen Atheisten“.

In seinen Gesellschaftsbetrachtungen spricht er von kommenden Revolutionen, zusammenbrechenden Regierungen, manipulativen Medien. Seine Utopie bestehe darin, dass schwache Menschen als Sklaven gehalten würden, intelligente Menschen die Herrscher und frei seien. „Die Verbrecher, die jetzt die Gesellschaften regieren, werden das bekommen, was sie verdienen.“ Was er liebe, sei der Hass – und diesen Hass auf politische Korrektheit, Gleichheit und Demokratie lässt er in seiner Selbstdarstellung freien Lauf: Die westlichen Demokratien hätten nichts mit Freiheit oder Gerechtigkeit zu tun – sie seien totalitär und korrupt.

„Diktator meines eigenen Lebens“

In seinen Betrachtungen über das Leben im allgemeinen nennt sich der Attentäter einen „Diktator meines eigenen Lebens“. Das beste am Leben sei, dass es ende. Es sei an der Zeit, die natürliche Selektion und das Überleben der Stärksten wieder wertzuschätzen. Und im weiteren Verlauf der Überlegungen bezeichnet er sich als „Gott und Teufel meines eigenen Lebens“. Das menschliche Leben sei nicht heilig. Der Mensch sei nur eine Art unter anderen Tieren.

„Tod ist keine Tragödie, er geschieht dauernd in der Natur unter allen Arten. Nicht alles menschliche Leben ist wichtig oder wert, dass es gerettet wird. Manchmal glaube ich, dass niemand des Lebens wirklich würdig ist.“ Nach langem Nachdenken sei er zu dem Punkt gekommen, an dem er nichts mehr fühle außer dem Hass gegen die Menschlichkeit und den Menschen an sich. Es gebe keine anderen universellen Gesetze als die der Natur und der Physik. „Ich bin das Gesetz, der Richter und der Henker. es gibt keine höhere Autorität als mich.“

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