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In mehreren Bundesländern : Razzia gegen Rockergruppe „Osmanen“

Polizeirazzia am Dienstag: Dutzende Wohnungen und Geschäftsräume von Mitgliedern der Rockergruppe „Osmanen Germania“ werden durchsucht. Bild: dpa

Mehrfache Körperverletzungs- und versuchte Tötungsdelikte gehen bereits auf das Konto der türkischstämmigen Rockergruppe „Osmanen Germania“. Die Polizei beginnt nun aktiv gegen die Rocker vorzugehen.

          Im Rahmen einer bundesweiten Razzia haben rund 1000 Polizisten am Dienstag Wohnungen und Geschäftsräume von Mitgliedern der türkischstämmigen Rockergruppe „Osmanen Germania“ durchsucht. Der erst 2015 in Hessen gegründete Club hat nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden derzeit 22 Ortsgruppen mit insgesamt rund 300 Mitgliedern. „Bund und Länder zeigen mit den heutigen Maßnahmen, dass wir kriminelle Aktivitäten, egal vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund, nicht dulden“, sagte der geschäftsführende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). In der Vergangenheit sei es mehrfach zu schweren Körperverletzungs- und versuchten Tötungsdelikten gekommen. Die Durchsuchungen sollten der Aufklärung von Vereinsstrukturen und Tätigkeitsfeldern dienen. Um die Durchsetzung eines Vereinsverbots gehe es nicht. Der Schwerpunkt der Razzia lag in Nordrhein-Westfalen. „Wir beobachten die Szene sehr genau und lassen uns von diesen Organisationen nicht blenden“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU).

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Auch in Baden-Württemberg gab es am Dienstag zahlreiche Durchsuchungen. Dem dortigen Landeskriminalamt war es 2017 gelungen, die Führungs- und Organisationsstruktur der „Osmanen Germania BC“ im Südwesten durch eine Reihe von Ermittlungsverfahren und Verhaftungen so gut wie vollständig zu zerschlagen. Daraufhin hatten die größtenteils gewalttätigen Osmanen-Mitglieder angekündigt, sich konspirativ neu zu organisieren. Offenbar gelingt es den im vergangenen Jahr verhafteten „Weltpräsidenten“ und „Weltvizepräsidenten“ der Osmanen nun aber, aus der Haft heraus Einfluss auf Osmanen-Mitglieder zu nehmen. Aus diesem Grund durchsuchten die Polizisten auch Haftzellen ehemaliger Osmanen in den Justizvollzugsanstalten Stuttgart-Stammheim sowie Offenburg.

          Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte, die Landespolizei begegne allen „kriminellen Rockern und rockerähnlichen Gruppierungen mit einer Null-Toleranz-Strategie“. Am Landgericht Stuttgart werden demnächst mehrere Strafverfahren gegen ranghohe Osmanen-Führungskader eröffnet. Eine Frage in diesen Verfahren dürfte sein, inwiefern die Osmanen als Handlanger der türkischen Partei AKP in Deutschland aufgetreten sind. Die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden sehen Anhaltspunkte dafür, dass die Kontakte bis zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan reichen. Vor einiger Zeit hatte Innenminister Reul dem NRW-Landtag berichtet, die Aktivitäten der Osmanen richteten sich auch gegen die PKK, linksextremistische Türken und die Gülen-Bewegung und würden von türkischen Behörden als „Terrorbekämpfung“ befürwortet.

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