Der 220 Meter lange Schmuggeltunnel, den amerikanische Rauschgiftfahnder jetzt an der Grenze zwischen dem Bundesstaat Arizona und Mexiko entdeckten, war offenbar nach allen Regeln des Tunnelbaus gegraben und bestens ausgestattet. Der Nachrichtensender CNN meldete, die amerikanischen und mexikanischen Justizbehörden seien über die Professionalität des fast 17 Meter unter der Erdoberfläche verlaufenden und knapp zwei Meter hohen Schachts erstaunt gewesen. Neben holzverkleideten Wänden und einem mit Platten ausgelegten Boden fanden die Ermittler in dem „Narco-Tunnel“ auch ein Belüftungssystem. Zudem war der Tunnel perfekt beleuchtet.
Noch nicht lange in Betrieb
„Diese Ausstattung zeigt, mit welcher Energie die Kartelle den Rauschgifthandel betreiben und die Sicherheit unserer Bürger gefährden“, sagte Doug Coleman von der amerikanischen Behörde für Drogenbekämpfung (DEA) in Phoenix. Den Eingang des Tunnels fanden die Ermittler unter einer als Eisfabrik getarnten Rauschgiftfabrik in San Luis Rio Colorado im mexikanischen Bundesstaat Sonora. Der Ausgang lag kurz hinter der Grenze in einem einstöckigen Haus, versteckt unter einem Wassertank. Beide Gebäude waren seit Januar beobachtet worden, nachdem Anwohner „verdächtige Aktivitäten“ gemeldet hatten. Bei ihrem Zugriff nahmen die Fahnder drei Verdächtige fest.
Mehrere amerikanische und mexikanische Zeitungen spekulierten auf eine Verbindung zum weltumspannenden Sinaloa-Drogenkartell, das nach Angaben der „Los Angeles Times“ Mexikos „mächtigste organisierte Verbrecherbande“ ist. Der Tunnel war laut DEA noch nicht lange in Betrieb. Er dürfte die Schmuggler viel Zeit und Geld gekostet haben: Die Behörde schätzt die Kosten auf fast 1,5 Millionen Dollar (1,2 Millionen Euro) und die Bauzeit auf ein Jahr. In den vergangenen sieben Jahren haben Fahnder an der Grenze weit mehr als 100 Schmuggeltunnel entdeckt.