27.11.2006 · Wochenlang zog sich die Cap-Anamur-Rettungskaktion für 37 Afrikaner vor zwei Jahren hin. Dann erst erlaubten die italienischen Behörden, die Menschen an Land zu bringen. Die Retter stehen nun vor Gericht - wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung.
Mehr als zwei Jahre nach einer umstrittenen Rettungsaktion im Mittelmeer hat am Montag in Agrigent auf Sizilien der Prozeß gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und zwei Mitangeklagten Beihilfe zur illegalen Einwanderung in einem besonders schweren Fall vor. Der Prozeß, der am 11. Dezember mit ersten Zeugenvernehmungen fortgesetzt wird, könnte mehrere Jahre dauern, hieß es nach dem ersten Verhandlungstag.
Die Aktion der „Cap Anamur“ hatte im Sommer 2004 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Bierdel sowie der mitangeklagte damalige Kapitän Stefan Schmidt und der erste Offizier Vladimir Daschkewitsch hatten 37 Afrikaner aus Seenot gerettet. Nach einer drei Wochen dauernden Irrfahrt vor der sizilianischen Küste setzte die „Cap Anamur“ in einem Tauziehen mit den italienischen Behörden durch, daß die Afrikaner in Sizilien an Land gehen konnten.
Bierdel: Absurder Vorwurf
„Der Vorwurf der Schlepperei ist absurd“, sagte Bierdel nach der ersten Verhandlung. „Unsere Organisation hat niemals Fernsehbilder für Geld verkauft.“ Bierdel war als einziger Angeklagter zum Auftakt des Hauptverfahrens vor Gericht erschienen.
Die italienischen Behörden hatten seinerzeit die Ansicht vertreten, die Afrikaner seien in maltesischen Gewässern gerettet worden und hätten daher auf Malta von Bord gehen müssen. Daher hatten sie der „Cap Anamur“ wochenlang die Einfahrt in den sizilianischen Hafen Porto Empedocle verweigert. Zeitweise drohte der Kapitän, auch ohne Genehmigung den Hafen anzusteuern, weil sich die Lage an Bord zugespitzt habe. Später wurde die „Cap Anamur“ zeitweise beschlagnahmt, Bierdel kam für kurze Zeit in Italien in Haft.
Medienwirksame Inszenierung?
Kritiker in Deutschland warfen Bierdel damals eine medienwirksame Inszenierung der Rettungsaktion vor. Kurz nach dem Eklat wurde er in der Führung der Kölner Organisation Cap Anamur abgelöst, die vor 27 Jahren vom Journalisten Rupert Neudeck gegründet worden war. Weltweite Schlagzeilen machte sie in den achtziger Jahren durch die Rettung Tausender Vietnam-Flüchtlinge im Südchinesischen Meer.
Rund 20 Menschenrechtsorganisationen in Deutschland forderten eine schnelles Ende des Prozesses. Die Eröffnung der Verhandlung sei ein Skandal, sagte der Europareferent von „Pro Asyl“, Karl Kopp, am Montag in Frankfurt am Main.
Cap Anamur: Beihilfe zur illegalen Einwanderung?
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 27.11.2006, 18:48 Uhr
Cap Anamur
Sarah Metzer (heartofasia)
- 27.11.2006, 21:04 Uhr
Beihilfe zur illegalenn Einwanderung
Manfred Erler (amorn)
- 28.11.2006, 08:14 Uhr
cap anamur
joerg kuper (j.kuper)
- 28.11.2006, 19:15 Uhr