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Prozess um Todesschüsse in Dachau Das Bett bleibt leer

Nach wochenlangem Hin und Her beginnt der Prozess um die Todesschüsse am Dachauer Amtsgericht ohne den schwer kranken Angeklagten. Er möchte nicht mehr leben und verweigert die Medizin. Er will nur Morphium, Chips und Schokolade.

© dapd Sogar ein Bett für den Angeklagten wurde aufgestellt – er kam dann aber doch nicht.

Das extra aufgestellte Krankenbett neben der Richterbank bleibt zum Prozessauftakt leer. Die Verhandlung gegen den Todesschützen von Dachau beginnt am Montag vor dem Münchner Landgericht ohne den Mann, der im Januar einen jungen Staatsanwalt im Amtsgericht erschoss. Der 55 Jahre alte Mann ist schwer krank und muss am Montag kurzfristig nochmals operiert werden. In den vergangenen Monaten waren dem wegen Mordes angeklagten Diabetiker schon beide Beine abgenommen worden.

„Ich will nicht mehr leben, begehe aber keinen Suizid“, erklärte der Angeklagte in einer Patientenverfügung. Seit seiner Verhaftung habe er im Gefängnis trotz schwerer Krankheit die meisten Medikamente und normale Nahrung abgelehnt, sagt der medizinische Gutachter Malte Ludwig. Der Mann ernähre sich lediglich von Chips, Erdnussflips, Schokolade und Milch. Zudem lehne der Kranke den Wechsel seines Verbands im Gefängnis ab und auch, dass das Bett in seiner Zelle neu bezogen wird.

Der Angeklagte habe seine Tat in Anhörungen größtenteils gestanden, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch in einer Verhandlungspause. „Er hat aus Sicht der Staatsanwaltschaft die wesentlichen Tat-Teile eingeräumt.“ Als Motiv des Mannes nennt der Jurist den „Hass auf die Justiz“ nach einigen verlorenen Prozessen.

Prozess um Bluttat im Dachauer Amtsgericht droht zu platzen © dapd Vergrößern Nach der Bluttat wird der Mann vor dem Dachauer Amtsgericht festgenommen.

Am 11. Januar hatte der insolvente Speditionsunternehmer bei der Urteilsverkündung im Amtsgericht Dachau eine Waffe gezogen und sechs Schüsse abgefeuert. Er tötete dabei einen 31 Jahre alten Staatsanwalt und schoss auch in Richtung der Richterbank.

Die Frau des jungen Opfers tritt am Montag als Nebenklägerin auf – genauso wie die ehemalige Rechtsanwältin des Fünfundfünfzigjährigen, deren Tod der Angeklagte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch in Kauf nahm.

Ursprünglich sollte die Verhandlung schon am 23. Oktober beginnen. Der Termin platzte aber wegen des schlechten Zustands des Angeklagten. Nach der Amputation seines zweiten Beines änderte sich die Situation und ein neuer Termin wurde angesetzt.

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Die Operation veranlasste Wahlverteidiger Maximilian Kaiser zu heftigen Vorwürfen gegen die Justiz. Laut Kaiser wurde sein Mandant gegen seinen Willen operiert. Die OP erfolgte einen Tag, nachdem der Mann für verhandlungsunfähig erklärt worden war. Kaiser, der sich in den vergangenen Wochen mit seinen Vorwürfen mehrfach an die Medien gewandt hatte, wurde vom Vorsitzenden Richter Martin Rieder zurechtgewiesen: Die „Komödie der letzten Wochen“ wolle er vor Gericht nicht wiederholt sehen. „Wir machen hier kein Spielchen.“

Der Prozess wurde am Montag am frühen Nachmittag unterbrochen. Das Oberlandesgericht muss nun entscheiden, ob weiter ohne den Angeklagten verhandelt werden darf. Grundsätzlich sei der Angeklagte verhandlungsfähig, sagte Gutachter Ludwig. Nach der Operation solle man ihm aber zumindest einen Tag Zeit geben. Am Mittwoch könnte dann dort gegen den 55 Jahre alten verhandelt werden, wo vor fast drei Jahren auch schon das Bett des NS-Verbrechers John Demjanjuk stand.

Quelle: DPA

 
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