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Prozess um Dachauer Todesschüsse : Anwalt sorgt für Eklat

  • Aktualisiert am

Maximilian Kaiser wird nicht zum Pflichtverteidiger des Angeklagten Rudolf U. Bild: dpa

Nach einem verbalen Schlagabtauch mit dem Richter verlässt der Wahlverteidiger Maximilian Kaiser im Prozess um den Dachauer Todesschüssen den Gerichtssaal und wird nicht als Pflichtverteidiger zugelassen. Der Angeklagte spricht von einer „Sauerei“.

          Der Wahlverteidiger des Todesschützen von Dachau wird nicht zum Pflichtverteidiger ernannt und hat aus Protest gegen diese Entscheidung den Gerichtssaal verlassen. Es gebe keine Gründe für die Ernennung, sagte der Vorsitzende Richter Martin Rieder am
          Mittwoch im Münchner Landgericht. Verteidiger Maximilian Kaiser bekommt damit kein Geld vom Staat für seine Arbeit.

          Kaiser verließ nach einem verbalen Schlagabtausch mit dem Richter den Raum. Der Anwalt warf den Richtern, die seine Vorgehensweise vor Gericht bereits mehrfach kritisiert hatten, „Wortklauberei“, „Diffamierung“ und „Schikane“ vor. „Dass das Gericht was gegen mich hat wie alle anderen, ist auch klar“, sagte Kaiser erregt. Rieder warf Kaiser „Geltungsdrang“ vor und entgegnete, er habe in seiner Zeit als Richter schwierige Anwälte gehabt, „aber so was habe ich in meiner ganzen Laufbahn nicht erlebt. Alles, was Sie hier sagen, ist doch nur noch peinlich.“ Rieder entzog Kaiser schließlich das Wort, woraufhin dieser seine Robe ablegte und den Saal verließ.

          Unklar blieb, wie oft Kaiser künftig am Prozess teilnehmen wird. Als Pflichtverteidiger steht dem Angeklagten weiter Wilfried Eysell zur Seite. Der 55 Jahre alte Angeklagte muss sich unter anderem wegen Mordes an einem jungen Staatsanwalt im Dachauer Amtsgericht verantworten.

          Der Angeklagte mischte sich von seinem Krankenbett neben dem Richtertisch aus in den Streit ein. Es sei eine „Sauerei“, wenn das Gericht seinen Wahlverteidiger Kaiser nicht als Pflichtverteidiger zulasse. „Sonst geh ich heim“, drohte der schwer kranke Angeklagte. Der Richter entgegnete: „Sie fahren gar nicht heim.“ Der Angeklagte ist seit Januar in Haft. Rudolf U. steht wegen Mordes an Staatsanwalt Tilman T. sowie dreifachen Mordversuchs vor Gericht.

          Quelle: AP/dpa

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