http://www.faz.net/-gum-746w4

Prozess um Dachauer Todesschüsse : Anwalt sorgt für Eklat

  • Aktualisiert am

Maximilian Kaiser wird nicht zum Pflichtverteidiger des Angeklagten Rudolf U. Bild: dpa

Nach einem verbalen Schlagabtauch mit dem Richter verlässt der Wahlverteidiger Maximilian Kaiser im Prozess um den Dachauer Todesschüssen den Gerichtssaal und wird nicht als Pflichtverteidiger zugelassen. Der Angeklagte spricht von einer „Sauerei“.

          Der Wahlverteidiger des Todesschützen von Dachau wird nicht zum Pflichtverteidiger ernannt und hat aus Protest gegen diese Entscheidung den Gerichtssaal verlassen. Es gebe keine Gründe für die Ernennung, sagte der Vorsitzende Richter Martin Rieder am
          Mittwoch im Münchner Landgericht. Verteidiger Maximilian Kaiser bekommt damit kein Geld vom Staat für seine Arbeit.

          Kaiser verließ nach einem verbalen Schlagabtausch mit dem Richter den Raum. Der Anwalt warf den Richtern, die seine Vorgehensweise vor Gericht bereits mehrfach kritisiert hatten, „Wortklauberei“, „Diffamierung“ und „Schikane“ vor. „Dass das Gericht was gegen mich hat wie alle anderen, ist auch klar“, sagte Kaiser erregt. Rieder warf Kaiser „Geltungsdrang“ vor und entgegnete, er habe in seiner Zeit als Richter schwierige Anwälte gehabt, „aber so was habe ich in meiner ganzen Laufbahn nicht erlebt. Alles, was Sie hier sagen, ist doch nur noch peinlich.“ Rieder entzog Kaiser schließlich das Wort, woraufhin dieser seine Robe ablegte und den Saal verließ.

          Unklar blieb, wie oft Kaiser künftig am Prozess teilnehmen wird. Als Pflichtverteidiger steht dem Angeklagten weiter Wilfried Eysell zur Seite. Der 55 Jahre alte Angeklagte muss sich unter anderem wegen Mordes an einem jungen Staatsanwalt im Dachauer Amtsgericht verantworten.

          Der Angeklagte mischte sich von seinem Krankenbett neben dem Richtertisch aus in den Streit ein. Es sei eine „Sauerei“, wenn das Gericht seinen Wahlverteidiger Kaiser nicht als Pflichtverteidiger zulasse. „Sonst geh ich heim“, drohte der schwer kranke Angeklagte. Der Richter entgegnete: „Sie fahren gar nicht heim.“ Der Angeklagte ist seit Januar in Haft. Rudolf U. steht wegen Mordes an Staatsanwalt Tilman T. sowie dreifachen Mordversuchs vor Gericht.

          Quelle: AP/dpa

          Weitere Themen

          Vergewaltiger zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt Video-Seite öffnen

          Junges Paar überfallen : Vergewaltiger zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt

          Das Bonner Landgericht hat den Angeklagten im Prozess um die Vergewaltigung einer Camperin in den Bonner Siegauen wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit besonders schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Angeklagte hat die Tat bis zum Schluss bestritten.

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Die Zentralregierung greift härter als erwartet durch, aus Protest gehen hunderttausende Katalanen auf die Straße. Regionalpräsident Puigdemont bezeichnet Madrids Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens als „schlimmste Attacke“ gegen die Region seit der Franco-Diktatur.
          Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

          Mayers Weltwirtschaft : Griechenlands Bankrott

          Es ist nicht zu erwarten, dass Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen wird. Europa muss aufhören, sich etwas vorzumachen.

          Parlamentswahl in Tschechien : Populist Babis klarer Sieger

          Nichts scheint Andrej Babis aufzuhalten. Trotz zahlreicher Affären gewinnt der umstrittene Milliardär die Wahl in Tschechien klar. Wohin steuert der „tschechische Donald Trump“ das Land in der Mitte Europas nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.

          Folgende Karrierechanchen könnten Sie interessieren: