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Prozess gegen Transplantationsarzt Leidenschaftlich, charmant, höflich

Der Angeklagte im Göttinger Prozess um den Transplantationsskandal verbreitet Zuversicht. Mit dem, was passiert sein soll, will er nichts zu tun haben.

© dpa Ein Opfer maß- und ziellos wütender Staatsanwälte? So sieht sich der angeklagte Arzt Aiman O.

Irgendjemand muss ihm gesagt haben, dass es nicht gut ankommt, mit erhobenem Daumen den Gerichtssaal zu betreten. Dass dann viele gleich an Josef Ackermann denken, der mit seinem Victory-Zeichen vor Gericht das prototypische Bild des arroganten Wirtschaftsbosses abgab.

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Vielleicht ist Aiman O. aber auch selbst aufgefallen, dass das Bild, das viele Zeitungen sogleich druckten, nicht so recht zu der Figur passt, die er sonst vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen abgibt. Schon zum Prozessauftakt wirkte der Daumen zwar nicht wie eine Demonstration von Arroganz, eher von der Zuversicht, auf der richtigen Seite zu stehen - und wie ein Signal an die Familie, die hinter der Glasscheibe saß, dass schon alles gut gehen wird. Aber Bilder entfalten eben ihre eigene Wirkung.

Jedenfalls zuckt Aiman O. am zweiten Verhandlungstag nur einmal kurz mit dem Siegerdaumen, als sein Anwalt mit dem Vorsitzenden Richter spricht. Dann scheint er sich sofort eines besseren zu besinnen. Am Freitag setzt das Gericht seine Vernehmung fort. Unter anderem ist der Arzt wegen versuchten Totschlags in elf Fällen angeklagt, weil er die Daten seiner Patienten so manipuliert haben soll, dass sie schneller an ein Spenderorgan kamen, obwohl andere Patienten das Organ dringender gebraucht hätten.

Eine Koryphäe der Transplantationschirurgie

Der Angeklagte tritt abermals auf wie ein Arzt, den zu haben sich Patienten vermutlich glücklich schätzen können: sehr leidenschaftlich, sehr charmant, sehr höflich. Einer, der Hildegard Wolff „Frau Oberstaatsanwältin“ nennt, selbst wenn er sie kritisiert, der Richter Ralf Günther für seine guten Fragen lobt und ihn grundsätzlich mit „Herr Vorsitzender“ anspricht. Ganz der Musterknabe, der er war, bevor die Koryphäe der Transplantationschirurgie zum Untersuchungshäftling und Angeklagten in einem der größten deutschen Medizinskandale wurde.

Aiman O.s Karriere ist bis zu seiner Verhaftung eine beeindruckende Einwanderergeschichte. Der in Israel geborene Palästinenser kam gleich nach seinem Abitur nach Deutschland, lernte in kürzester Zeit und studierte, gefördert durch die Friedrich-Naumann-Stiftung, Medizin in Münster. Er machte an der Göttinger Uniklinik seinen Facharzt und wechselte als Oberarzt nach Regensburg, wo er sich bei Hans Schlitt habilitierte. Mit ihm führte er die erste sogenannte Split-Leber-Transplantation mit Leber-Lebendspende in Deutschland durch. 2008 ging er dann als Leiter der Transplantationschirurgie zurück nach Göttingen.

Die Uniklinik hat aktiv um Aiman O. geworben. Er vergrößerte das Einzugsgebiet, erhöhte die Transplantationszahlen, halbierte die Operationszeit, verringerte den Einsatz von Blutkonservern, entließ die Patienten nach zwei Wochen statt nach zwei Monaten. So stellte es Aiman O. beim Prozessauftakt dar: „Meine Aufgabe war es, ein Transplantationszentrum, das klein und bescheiden war, auf Vordermann zu bringen.“

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