Home
http://www.faz.net/-gus-159d5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Polizeitaktik und Notfallpläne „Frau Koma kommt“

 ·  Bei einem Amoklauf zählt jede Sekunde - das weiß die Polizei spätestens seit 2002, als 17 Menschen im Erfurter Gutenberg-Gymnasium starben. Seitdem hat die Polizei ihre Notfalltaktik in solchen Fällen geändert. Nun lautet der Grundsatz: Offensiv statt defensiv.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Der Amoklauf eines Schülers am Erfurter Gutenberg-Gymnasium hat 2002 schlagartig ins Bewusstsein gerückt, dass bei einem solchen Verbrechen weit mehr noch als etwa bei einem Banküberfall oder einer Geiselnahme jede Sekunde zählt. Auch in Baden-Württemberg ist die Polizei daraufhin von ihrem Grundsatz abgerückt, defensiv vorzugehen, das heißt: die Lage am Tatort zunächst zu stabilisieren und auf Verstärkung zu warten. Fortan galt die Devise, den Täter so schnell wie möglich ausfindig und handlungsunfähig zu machen.

In der Praxis bedeutet das, dass auch Streifenpolizisten in die Lage kommen können, sich ohne weitere Unterstützung sofort in das Gebäude mit dem Amokläufer begeben zu müssen – so wie jetzt in Winnenden, wo zwei Beamte zwei Minuten nach dem ersten Notruf, ohne zu zögern, in die Schule gegangen sind.

Codewort „Koma“

Danach hat der Täter die Flucht ergriffen – und ließ dabei große Mengen Munition zurück. Wie die ersten Polizisten am Winnender Tatort haben nach Angaben des Innenministeriums inzwischen alle baden-württembergischen Polizeibeamte ein Spezialtraining absolviert, in dem in verschiedenen Szenarien der Ernstfall simuliert wurde.

Darüber hinaus müssen nach einer Verwaltungsvorschrift aus dem Juni 2006 alle Schulen Baden-Württembergs über einen Krisenplan verfügen, zu dem etwa eine Telefonliste mit den Nummern von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz sowie ein Gebäudeplan gehören. In der Folge eines angedrohten Amoklaufs am Nikolaustag 2006 haben dann auch alle Schulen die Vorschrift ernst genommen und ins Werk gesetzt. Zum Notfallplan in Winnenden gehörte angeblich auch das Codewort „Koma“ für Amok. Als der Täter in das Gebäude eingedrungen war, machte der Schulleiter nach Zeugenaussagen eine Durchsage: „Frau Koma kommt.“

  Weitersagen Kommentieren (0) Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
Weitere Empfehlungen
Inklusion Henri will aufs Gymnasium - trotz Down-Syndrom

Körperlich behinderte Kinder am Gymnasium sind keine Seltenheit mehr. Aber was ist mit geistig Behinderten? Hier scheiden sich die Geister, wie ein Fall aus Baden-Württemberg zeigt. Mehr

08.04.2014, 10:58 Uhr | Gesellschaft
Amoklauf Junge verletzt zahlreiche Mitschüler mit Messern

Erst vor einer Woche erschütterte der Amoklauf von Fort Hood Amerika, jetzt ging in Pennsylvania ein 16 Jahre alter Junge mit einem Messer auf Mitschüler los. Und wieder wird die Frage laut: Warum konnte der Junge nicht gestoppt werden? Mehr

10.04.2014, 04:03 Uhr | Gesellschaft
Tatverdächtiger vor Haftrichter Nackt geflüchtet: Ermittler stehen vor Rätsel

In Herborn ist ein Sicherheitsmitarbeiter einer Firma erschlagen und ein Tatverdächtiger wenige Stunden später festgenommen worden. Nun rätseln Ermittler, weshalb der Mann nackt war. Mehr

07.04.2014, 12:01 Uhr | Rhein-Main

13.03.2009, 08:25 Uhr

Weitersagen
 

Herzogin von Cambridge Alle wollen Kates Kleid

Alles, was Kate auf ihrer Australienreise mit Prinz William trägt, wird zum Verkaufsschlager. Jetzt besuchte die Herzogin einen Armeestützpunkt. Warum sie dabei ein Kleid mit blauen Mohnblüten wählte, lesen Sie im Smalltalk. Mehr 26

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden