07.12.2006 · Der jugendliche Selbstmörder aus Offenburg ist vermutlich nicht der Verfasser der Amok-Drohung im Internet, die seit Mittwoch Polizeieinsätze vor Schulen in Baden-Württemberg verursacht hat. Wegen neuerlicher Drohungen sind drei Männer festgenommen worden.
Einen Tag nach dem Selbstmord eines achtzehnjährigen Schülers in Offenburg sieht die Polizei keine Verbindung mit dem für den Nikolaustag angedrohten Amoklauf an einer Schule in Baden- Württemberg. Der Jugendliche sei vermutlich nicht der Verfasser der Amoklauf-Drohung im Internet, sagte ein Polizeisprecher in Offenburg am Donnerstag. Die Auswertung des Computers des Schülers habe keine Hinweise auf eine mögliche Gewalttat ergeben. So genannte „Killerspiele“ seien auch nicht gefunden worden.
Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wird die Leiche des Schülers obduziert, der sich am Mittwoch mit der Waffe seines Vaters unweit des Elternhauses erschossen hat. Rund 300 Polizisten hatten am Mittwoch nach dem jungen Mann gefahndet, weil sie einen möglichen Amoklauf befürchteten. Seine Leiche war am Mittwochnachmittag gefunden worden. Am Technischen Gymnasium in Offenburg, das der von einem Polizeisprecher als Einzelgänger beschriebene Schüler seit Sommer vergangenen Jahres besucht hatte, fiel der Unterricht am Donnerstag aus.
Mutmaßliche „Trittbrettfahrer“ festgenommen
Im Zusammenhang mit Amoklauf-Drohungen im Internet sind am Donnerstag in Baden-Württemberg drei Personen festgenommen worden. Nach Angaben der Polizei in Offenburg handelt es sich dabei um drei 19, 23 und 35 Jahre alte Männer aus einer Wohngemeinschaft im Achertal. Hintergrund war eine E-Mail, mit der am Mittwochabend ein „Überfall“ auf eine Schule angekündigt wurde. Nach Polizeiangaben gestand einer der drei am Männer die Tat. Als Motiv gab der Neunzehnjährige an, er habe seiner Freundin einen schulfreien Tag verschaffen wollen. Offenbar sei beim Verhalten des Mannes „Imponiergehabe“ im Spiel gewesen, sagte ein Polizeisprecher in Offenburg. Das Trio ist aber offenbar nicht für die anonyme, für den Nikolaustag angekündigte Amoklauf-Drohung gegen eine Schule in Baden-Württemberg verantwortlich.
Die E-Mail mit der neuerlichen Überfall-Drohung stamme von einem der Computer, die das Trio in der Wohnung stehen hatte. Den Ermittlern zufolge war am Vorabend auf der Homepage der Polizei Baden-Württemberg ein Internet-Formular ausgefüllt worden, auf dem ein Unbekannter unter dem Namen „Dirk Bach“ auf die Großfahndung am Mittwoch nach dem achtzehnjährigen Offenburger Schüler Bezug nahm. In der E-Mail heißt es, die Polizei solle nicht glauben, daß sie den Urheber der am Dienstag bekannt gewordenen Amoklauf-Drohung gegen eine Schule im Südwesten des Bundeslandes gefunden habe. Vielmehr werde er am Donnerstag die Berufliche Schule in Achern überfallen, kündigte der Verfasser der E-Mail an.
Polizei weiter vor den Schulen
Die Polizei kam bei ihren Ermittlungen am Donnerstagmorgen über die so genannte IP-Adresse auf die Spur des 23-Jährigen aus dem Achertal, dessen Netzwerk-PC auf der Internetseite der Polizei eingeloggt war. Die Polizei wollte nach eigenen Angaben bei ihren Ermittlungen auch prüfen, ob ein Zusammenhang mit den Amoklauf-Drohungen vor dem Nikolaustag besteht. „Natürlich gibt es jetzt Trittbrettfahrer“, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums am Donnerstag in Stuttgart.
Nach dem für Mittwoch angekündigten Amoklauf eines unbekannten Schülers in Baden-Württemberg zeigt die Polizei auch an diesem Donnerstag vor den Schulen weiter starke Präsenz. „Wir können keine Entwarnung geben“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Wie lange die Polizei die Schulen noch überwachen werde, stehe noch nicht fest.
Alarm in Sachsen und Nordrhein-Westfalen
Ein Teilnehmer des Internet-Killerspiels „Counterstrike“ hatte Mitspielern geschrieben, daß er an seiner Schule am Mittwoch in Baden-Württemberg ein Blutbad anrichten wolle. Bei der Hotline für besorgte Eltern, die das Kultusministerium daraufhin an allen vier Regierungspräsidien eingerichtet hatte, gingen am Mittwoch 2.500 Anrufe ein.
Im Laufe des Vormittags gab es aus Sorge vor Amokläufen in Nordrhein-Westfalen und Sachsen Alarm. Um einen möglichen Amoklauf eines Schülers an einer Schule im Sauerland zu verhindern, nahm die Polizei am
Donnerstag einen 16-Jährigen in Marsberg vorläufig fest. Er habe zuvor im Internet angedeutet, daß er
zwar keinen konkreten Amoklauf starten wolle, sich aber manchmal aus Haß dazu fähig fühle, teilte die Polizei mit. Ein Schüler einer Hauptschule in Freudenberg in Nordrhein-Westfalen bedrohte am Donnerstag an seiner Schule Lehrer und Schüler. Er habe jedoch keine Waffen bei sich gehabt, sagte eine Sprecherin der Kreispolizei Siegen.
Ein 20-Jähriger hat nach einem Schulverweis die Sprengung seiner Berufsschule in Döbeln (Sachsen) angedroht und wird seitdem vermißt. „Das Gebäude wurde gründlich durchsucht und wir
haben nichts gefunden“, sagte ein Polizeisprecher.
Ach was? Kann es sein...
Christian Kakerow (el_karacho)
- 07.12.2006, 15:51 Uhr
Was suchen oder versuchen die da wirklich?
Maik Bode (MaikBode)
- 07.12.2006, 18:00 Uhr