25.06.2008 · Nach dem Piratenüberfall vor der somalischen Küste hat das Auswärtige Amt bestätigt, dass sich unter den verschleppten Urlaubern zwei deutsche Staatsangehörige befinden. Ein Stammesältester der Region Puntland sagte derweil, zu den Entführten gehöre auch ein krankes Kind.
Das deutsche Außenministerium hat bestätigt, dass es sich bei den von Piraten vor der somalischen Küste verschleppten Urlaubern um zwei deutsche Staatsangehörige handelt. „Wir müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Entführung ausgehen“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin. Die Jacht sei am Montag vor der Küste Somalias gekapert worden. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass sich auch ein deutsches Kind an Bord des Schiffes befunden habe, sagte Jäger weiter. Es sei von einem kriminellen Hintergrund der Tat auszugehen.
Die somalischen Behörden hatten am Mittwoch noch keine neuen Hinweise auf den Aufenthaltsort der Entführten im Bergland der halbautonomen Region Puntland. Truppen der Region hatten nach Angaben eines Behördensprechers nach dem Fund der Jacht der Segler bei Laasgoray die Suche nach den Entführern aufgenommen.
Ein krankes Kind?
Ein Stammesältester in der Region Puntland hatte am Dienstag gesagt, unter den in Somalia verschleppten Deutschen befinde sich ein krankes Kind. Der Junge habe Fieber und benötige medizinische Hilfe. Es solle dafür gesorgt werden, dass eine Krankenschwester den Jungen besuchen dürfe. Er habe sich mit der Familie und dem ebenfalls verschleppten Franzosen getroffen. Ebenfalls am Dienstag hatte ein Sprecher der Piraten mitgeteilt, die Entführer wollten ein Lösegeld für die Freilassung der Segler fordern. „Die Ausländer sind in unsere Gewässer eingedrungen“, hieß es zur Begründung der Entführung des angeblich aus Süddeutschland stammenden Paares, das mit seinem Segelboot von Ägypten unterwegs nach Thailand war. Nach Angaben der Piraten geht es den Deutschen gut, sie sorgten sich jedoch um ihre Freilassung.
Zur Identität der „mutmaßlich Entführten“ wollte sich der Sprecher des Auswärtigen Amtes nicht äußern. Unklar sei, ob auch Staatsangehörige anderer Nationen an Bord gewesen seien. In ersten Berichten von somalischen Behörden war von der Entführung einer dreiköpfigen deutsch-französischen Familie sowie des französischen Kapitäns der Jacht die Rede gewesen. Der Sprecher versicherte, die Bundesregierung und alle relevanten Stellen bemühten sich um eine Klärung des Falles. Auch auf die Frage, ob es Kontakt zu den Entführern gebe, wollte er keine Angaben machten. Operative Details würden nicht öffentlich diskutiert.
Gefährliche Küste
Die Küste vor Somalia ist wegen zahlreicher Piratenüberfälle berüchtigt und gilt als eines der gefährlichsten Gewässer der Welt. Unterdessen teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit, dass die deutsche Marine am Horn von Afrika der Besatzung eines Frachters Hilfe geleistet hat, der mehrere Wochen in den Händen von Piraten gewesen sein soll. Die Fregatte „Emden“ habe am Mittwoch ein Notsignal des Schiffes erhalten, das nach Angaben der Besatzung 31 Tage von Piraten besetzt war. Die deutschen Marinesoldaten hätten Lebensmittel und Wasser an Bord gebracht. Möglicherweise werde noch Treibstoff geliefert, damit der Frachter weiterfahren könne.
Bereits am Dienstagabend hatten Piraten die Besatzung eines im Mai gekaperten Schiffes aus der Türkei freigelassen. Nach Angaben von Stammesältesten der Region, die bei den Verhandlungen vermittelt hatten, war der Frachter am gegen ein Lösegeld in Höhe von einer Million Dollar freigegeben worden.
Die Verhandlungen über die Freilassung des ebenfalls vor einem Monat von Piraten gekaperten deutschen Frachters „Lehmann Timber“ sollen dagegen in einer Sackgasse stecken. Einige der Besatzungsmitglieder aus Russland, der Ukraine und Estland seien inzwischen in der Gefangenschaft erkrankt, hieß es weiter.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, forderte angesichts des jüngsten Piratenüberfalls eine Änderung des Grundgesetzes. Der CDU-Politiker verwies am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“ darauf, dass die deutsche Fregatte „Emden“, die vor der Küste von Somalia kreuzt, aufgrund der Rechtslage nach einem Überfall ein Piratenschiff nicht verfolgen dürfe.