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Pascal-Prozeß Gericht steht vor schwieriger Aufarbeitung

23.09.2004 ·  Die Aussagen der Mitangeklagten und Zeugin im Pascal-Prozeß, Erika K., widersprechen denen vorangegangener Vernehmungen. Die 51jährige will ein Video gedreht haben, welches die Vergewaltigungen an Pascal zeigt.

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Eine Kneipe im Saarbrücker Vorort Burbach: Draußen schlendern die Passanten vorbei, andere warten auf den Bus. Dann kommt ein junges Mädchen und liefert ihren fünf Jahre alten Bruder bei der Wirtin Christa W. ab. Die verschwindet mit dem kleinen Jungen in einem kleinen Nebengelaß, in dem nicht viel mehr als eine Pritsche Platz findet, und läßt ihn dort zurück.

Einer der Gäste findet sich in dem kleinen Raum ein: Der Junge fängt an zu weinen. Die Wirtin oder einer der anderen Kneipenbesucher stellt daraufhin die Musik etwas lauter. Nach einer viertel Stunde verläßt der Mann das Hinterzimmer und bezahlt die Wirtin mit einem Zwanzig-Mark-Schein. Vorher hat die Wirtin noch einen Video-Apparat geholt und bei geöffneter Tür das Geschehen auf der Pritsche aufgenommen und dabei jedem Kneipenbesucher Gelegenheit gegeben, das Geschehen nicht nur akustisch, sondern auch visuell wahrzunehmen. Die Schwester holt später den Kleinen wieder ab. Niemand hat Anstoß genommen an dem furchtbaren Akt der Gewalt im Nebenraum. Niemand fragt nach dem, was da geschah.

Rechtliche Aufklärung wird schwer

Das Schicksal des fünfjährigen Pascal, der am 30. September des Jahres 2001 zum letzten Mal lebendig gesehen wurde, beschäftigt seit Wochenbeginn eine Schwurgerichtskammer des Saarbrücker Landgerichtes. Dreizehn Angeklagte im Alter zwischen 36 und 62 Jahren sollen in irgendeiner Form am gewaltsamen Tode des kleinen Pascal beteiligt gewesen sein. Aber die konkrete Rolle, die jedem der neun Männer und vier Frauen bei dem Drama zuzuweisen ist, bleibt einstweilen ungeklärt.

Der Auftritt der 51 Jahre alten Reinmachefrau Erika K., Mitangeklagte und am Donnerstag zugleich Zeugin, hat vor dem Landgericht aber Hinweise darauf geliefert, wie schwer es sein wird, das Schicksal des Pacal und sein Martyrium vor seinem Tod rechtlich aufzuarbeiten. Erika K. hat ausgesagt, die oben geschilderte Szene mit zwei ihrer Mitangeklagten als Täter insgesamt dreimal in der "Tosa-Klause" von Burbach so oder ähnlich erlebt zu haben - und zwar bevor Pascal dort am 30. September des Jahres 2001 zu Tode gekommen war.

Gegensätzliche Aussagen

Sie hat darüber hinaus bekundet, von einem weiteren weiblichen Mitglied der "Tosa-Gemeinschaft" einen Video-Film vorgeführt bekommen zu haben, in dem auf eben jener Pritsche in dem Hinterraum der "Tosa-Klause" Pascal und ein ähnlich altes Mädchen namens Sabrina zu sehen waren, als Opfer zweier Vergewaltigungen durch zwei der Mitangeklagten.

"Es war dieselbe Pritsche", da ist sich Erika K. sicher. Entgegen ihrer Aussage, die sie vor Monaten schon machte, war aber, wie sie jetzt behauptet, nicht ein bereits im Oktober des vergangenen Jahres als Kinderschänder zu sieben Jahren verurteiltes weiteres Mitglied der "Tosa-Gemeinschaft" auf dem Video zu sehen. Und bei der Aufführung im Zimmer der Andrea M. sei - entgegen früherer Aussagen von ihr - auch nicht die Hauptangeklagte und "Tosa"-Wirtin Christa W. anwesend gewesen.

Diskrepanz in Wortwahl

Unter den Verteidigern der anderen Angeklagten ist Zweifel daran zu spüren, ob es dieses Video je gegeben hat. Auch ergibt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der Wortwahl des Vernehmungsprotokolls der 51 Jahre alten Erika K., die einst die Hilfsschule besuchte, und ihrer Sprache vor Gericht. Ist im Protokoll von "Außenstehenden" oder "Insidern" die Rede oder vom "sexuellem Verkehr", so paßt eine solche Wortwahl nicht in die Rede der Erika K. "Ich war wütig gewesen über daß, was ich da gesehen habe", sagte sie vor Gericht. Auf die Frage, weshalb sie gleichwohl nicht die Polizei verständigt, der Kneipenwirtin Christa W. keine Vorhalte wegen des Geschehens gemacht und die Gaststätte sogar weiterhin aufgesucht habe, schweigt Erika K..

Allerdings bringt die Angeklagte erstmals auch den Vater des verschwundenen Pascal in das Gespräch. "Ich traue das dem zu", so sagt sie zu angeblichen Hinweisen, wonach auch dieser sich gerüchteweise dem Vorwurf, seinen Sohn mißbraucht zu haben, habe stellen müssen. "Denn der war ewig im Suff."

Quelle: mtz., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.04.
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