Den Einbruch entdeckte ein Wächter am frühen Morgen. Bei seiner Morgenrunde vor Öffnung des Museums um zehn Minuten vor sieben Uhr bemerkte er, dass Bilder fehlten. Daraufhin stellten die Mitarbeiter des Museums fest, dass eine Scheibe eingeschlagen und ein Vorhängeschloss aufgebrochen worden war. Die Ermittler werteten die Aufzeichnungen der Überwachungskameras aus und erkannten auf den Filmaufnahmen eine vermummte Person, die durch ein Fenster in das Museum an der Avenue du Président Wilson einsteigt.
Der anscheinend so einfache Einstieg ins Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris, kurz MAM genannt, das Städtische Museum für Moderne Kunst, in dem 8000 Werke des 20. Jahrhunderts gezeigt werden, führte zu einem der größten Kunstdiebstähle der jüngeren Geschichte. Der Wert der fünf Gemälde, die aus dem im Palais de Tokyo im 16. Bezirk beherbergten Museum gestohlen wurden, wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.
Beachtliche Beute
Denn es handelt sich um Werke einiger der wichtigsten Maler des 20. Jahrhunderts. Verschwunden sind von Pablo Picasso „Le pigeon aux petits pois“ („Taube mit grünen Erbsen“, 1912), von Henri Matisse „La Pastorale“ („Pastoral“, 1905), von Amedeo Modigliani „La femme à l'éventail“ („Frau mit Fächer - Lunia Czechowska“, 1919), von Georges Braque „L'olivier près de l'Estaque“ („Der Olivenbaum bei L'Estaque“, 1907) sowie von Fernand Léger „Nature morte aux chandeliers“ („Stilleben mit Kerzen“, 1922). Die Bilder zählen zur ständigen Ausstellung des Museums, einer der wichtigsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Europa.
Die berühmten Gemälde sind de facto unverkäuflich, da sie auf dem Kunstmarkt nicht gehandelt werden können, ohne Aufsehen zu erregen. Deshalb nehmen die französischen Ermittler an, dass es sich um einen Auftragsdiebstahl handelt. Pierre Cornette de Saint-Cyr, der Direktor des Palais de Tokyo, nannte die Diebe am Donnerstag „Dummköpfe“: „Mit diesen Bildern kann man nichts anfangen.“ Jeder wisse nun davon, und kein Sammler werde ein gestohlenes Bild kaufen.
Paris, Versailles, Marseille
Der Diebstahl steht in einer Linie mit spektakulären Vorfällen des vergangenen Jahres. So war im Juni aus dem Pariser Picasso-Museum ein Skizzenbuch des Malers gestohlen worden - an der Vitrine war nur eines von zwei Schlössern zugesperrt. Im Schloss von Versailles fehlen zwei wertvolle Bronzevasen, deren Verlust vielleicht erst nach mehreren Wochen im September aufgefallen war. Und an Silvester entwendeten Kunstdiebe aus einem Museum in Marseille das Gemälde „Les choristes“ von Edgar Degas, dessen Wert auf 800000 Euro geschätzt wird.
Eine Debatte über veraltete oder unzureichende Sicherheitsvorkehrungen, wie sie nach dem Diebstahl des Picasso-Skizzenbuchs im vergangenen Sommer ausgebrochen war, scheint aber in diesem Fall verfehlt. Das Museum für Moderne Kunst, das - anders als das staatliche Centre Pompidou - von der Stadt Paris verwaltet wird, war erst 2006 nach zweijähriger Renovierung wieder eröffnet worden. Bei den Sanierungsarbeiten wurde das Museum auch mit moderner Sicherheitstechnik ausgerüstet. Das Museum für Moderne Kunst ist seit 1961 im Palais de Tokyo untergebracht, einem neoklassizistischen Repräsentationsgebäude, das 1937 für die Weltausstellung gebaut worden war.
Drei Personen stiegen ein
Die Gemälde seien zusammen rund 100 Million Euro wert, sagte Christophe Girard, der stellvertretende städtische Kulturdezernent, als er den Ort des Geschehens am Donnerstag besichtigte. Allein das Bild von Picasso sei 23 Millionen Euro wert, das Gemälde von Matisse rund 15 Millionen. Der Diebstahl sei „wohlorganisiert“ gewesen, sagte Girard. Als der Raub stattfand, seien drei Personen in dem Museum gewesen. Mit den Ermittlungen ist eine auf Kunstdiebstähle spezialisierte Abteilung der Kriminalpolizei betraut worden. Die Behörden verbreiteten die Daten der Bilder umgehend über die internationale Polizeibehörde Interpol.
Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delano teilte mit, dass das Museum bis auf weiteres geschlossen bleibt. Am Mittag hingen zwei DIN-A-4-Blätter am Eingang mit dem Hinweis, das Museum sei „aus technischen Gründen“ geschlossen. Da lauter Journalisten und Kameraleute vor der Tür standen, trauten die verhinderten Besucher dieser Begründung wohl nicht.
Aufsehenerregende Kunstdiebstähle der letzen Jahre in Europa:
24. September 2009:
Aus dem Brüsseler Museum René Magritte wird kurz nach der
Öffnung der Ausstellungsräume ein Bild des belgischen Malers
gestohlen: Das Aktbild „Olympia“ hat einen Schätzwert von bis zu drei
Millionen Euro.
9. Juni 2009:
Im Pariser Picasso-Museum wird der Diebstahl eines wertvollen
Skizzenbuchs des spanischen Malers bemerkt, das in einer nicht
verschlossenen Vitrine ausgestellt wurde. Sein Wert wird auf gut
acht Millionen Euro geschätzt.
31. Dezember 2009:
Im Cantini-Museum im südfranzösischen Marseille wird der
Diebstahl des Gemäldes „Les Choristes“ von Edgar
Degas entdeckt. Das auf rund 30 Millionen Euro geschätzte Werk
wurde offenbar in der vorhergehenden Nacht entwendet.
11. Februar 2008:
Aus der Sammlung E.G. Bührle in Zürich werden vier Gemälde von
Vincent van Gogh, Claude Monet, Paul Cézanne und Edgar Degas gestohlen.
Die Ermittler sprechen vom größten Kunstdiebstahl in Europa.
Etwa eine Woche später werden die gestohlenen Bilder von Monet und
van Gogh in Zürich auf der Rückbank eines gestohlenen Autos
entdeckt.
27. Februar 2007:
Aus der Pariser Wohnung von Picassos Enkelin Diana
Widmaier-Picasso werden in der Nacht drei Gemälde des Künstlers im
Wert von 50 Millionen Euro gestohlen. Die Bilder und die Diebe
werden fünf Monate später durch einen anonymen Hinweis gefunden.
6. August 2006:
Die jahrelangen Kunstdiebstähle in der St. Petersburger
Eremitage und im Moskauer Staatsarchiv werden aufgeklärt. Der
Ehemann der ehemaligen Museumskonservatorin, dessen Sohn, ein
Universitätsprofessor und ein Antiquitätenhändler werden
festgenommen, weil sie 221 Meisterwerke der russischen
Goldschmiedekunst und Emaillearbeiten im Wert von 3,9 Millionen
Euro entwendet hatten.
22. August 2004:
Zwei maskierte und bewaffnete Männer dringen mitten am Tag in
das Osloer Edvard-Munch-Museum ein und rauben die weltberühmten
Gemälde „Der Schrei“ und „Madonna“ im Wert von rund 75 Millionen
Euro. Die beiden Räuber sowie ein dritter Mann, der Fahrer, werden
gefasst und zwei Jahre später zu mehrjährigen Haft- und Geldstrafen
verurteilt. Die Bilder werde mit zum Teil irreparablen Schäden
aufgefunden.
11. Mai 2003:
Ein Alarmanlagenexperte stiehlt die „Saliera“ von Benvenuto
Cellini aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Das kunstvoll
gearbeitete goldene Salzfässchen des florentinischen Schmieds und
Bildhauers ist rund 50 Millionen Euro wert. Der Dieb fordert drei
Jahre später zehn Millionen Euro Lösegeld, wird dann aber von der
Polizei festgenommen.
20. April 2002:
Vier Männer brechen in das Berliner Brücke-Museum ein und
stehlen neun expressionistische Gemälde unter anderem von Emil
Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein im Gesamtwert von
3,6 Millionen Euro. Ein Jahr später sind alle gestohlenen Bilder
sichergestellt. Die Täter erhalten mehrjährige Haftstrafen.
zu Bild 4:
Daniel Hildermann (danielhildermann)
- 20.05.2010, 17:46 Uhr
Bewertung
Sebastian Göhrig (goesi)
- 20.05.2010, 18:17 Uhr
500 Millionen für ein bisschen Papier und Farbe...
Paul Rabe (heidelpaul)
- 20.05.2010, 18:20 Uhr
Kunstwerke - neue Währung für Diebe o.ä.???
Eva Steidl (evilein12)
- 20.05.2010, 18:37 Uhr
Traurig
fritz Teich (fazfazfaz123)
- 20.05.2010, 18:58 Uhr