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Veröffentlicht: 21.02.2013, 08:36 Uhr

Oscar Pistorius Leitender Ermittler steht selbst unter Verdacht

An diesem Donnerstag wird die dritte Anhörung des unter Mordverdacht stehenden Paralympics-Sportlers Oscar Pistorius stattfinden. Doch schon vorher gibt es überraschende Neuigkeiten: Der leitende Ermittler wird selbst des versuchten Mordes verdächtigt.

© AFP Überraschende Neuigkeiten: Wie sich herausstellte steht der leitende Pistorius-Ermittler selbst unter dem Verdacht des versuchten Mordes.

Der leitende Polizeiermittler im Fall des unter Mordverdacht stehenden Paralympics-Stars Oscar Pistorius steht selbst unter dem Verdacht des versuchten Mordes. Die Polizei in Pretoria bestätigte am Donnerstag, dass gegen Hilton Botha wegen siebenfachen versuchten Mordes ermittelt werde. Zwar sei der Fall aus dem Jahr 2011 zwischenzeitlich fallengelassen worden, er werde nun aber wieder aufgenommen.

Dabei gehe es um einen Vorfall 2009, als der Polizeioffizier auf einen Kleinbus mit sieben Insassen schoss, um ihn am Weiterfahren zu hindern, so der staatliche Fernsehsender SABC.

Am Donnerstagvormittag begann vor dem Magistratsgericht in Pretoria der dritte Verhandlungstag über eine mögliche Freilassung von Pistorius gegen Kaution. Die Verteidigung glaubt, dass es schon allein wegen mancher Ermittlungsmängel keine Belege für einen „vorsätzlichen Mord“ gebe.

Staatsanwaltschaft und Polizei sind strikt gegen eine Freilassung des Paralympics-Stars. Es bestehe Fluchtgefahr, argumentieren sie. De
beinamputierte Profisportler wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, am Donnerstag vergangener Woche seine Freundin Reeva Steenkamp (29) „vorsätzlich“ ermordet zu haben.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte in einem Radiointerview zu den Entwicklungen um Botha, es wäre wohl besser, den Polizeioffizier vom Pistorius-Fall abzuziehen. Der Sprecher der Polizei der Provinz Gauteng, Neville Malila, betonte, es sei noch nichts entschieden. Botha reagierte überrascht auf die Wiederaufnahme seines Falles: „Ich kann mit nur vorstellen, dass es etwas mit meiner Arbeit (im Fall) Oscar Pistorius zu tun hat“, erklärte Botha am Donnerstagmorgen dem Fernsehsender eNCA.

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Botha spielte am Mittwoch, dem zweiten Tag der Gerichtsanhörung im Fall Pistorius, eine zentrale Rolle. Vor dem Magistratsgericht in der südafrikanischen Hauptstadt wandte er sich entschieden gegen eine Freilassung von Pistorius auf Kaution. Der beinamputierte Profisportler wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, am Donnerstag vergangener Woche seine Freundin Reeva Steenkamp (29) ermordet zu haben.

Geplanter Mord oder versehentlicher Schuss?

Der 26 Jahre alte Pistorius sagt, er habe seine Freundin aus Versehen erschossen, weil er glaubte, im Badezimmer befände sich ein Einbrecher. In einem Kreuzverhör des Pistorius-Anwalts Barry Roux musste Botha zugeben, dass am Tatort keine Belege dafür gefunden worden seien, die den Darstellungen von Pistorius widersprächen.

Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft: Pistorius habe Steenkamp geplant und gezielt ermordet. Vor den tödlichen Schüssen habe es einen Streit zwischen dem Paar gegeben. Botha berichtete von Zeugen, die vor den Schüssen Licht im Haus von Pistorius gesehen und zudem „unablässiges Geschrei“ und einen lautstarken Streit gehört haben wollen.

Das widerspräche den Schilderungen von Pistorius, der von einem friedlichen Abend mit seiner Freundin berichtet hatte. Auf die Frage des Anwalts, wie weit entfernt der Zeuge vom Haus von Pistorius wohne, sagte Botha zunächst 600 Meter, um dann später auf 300 Meter zu revidieren. Barry Roux kritisierte scharf angebliche Fehler und Versäumnisse der Polizei bei der Spurensicherung. So habe Botha bei der Erkundung des Tatorts keine Schuhüberzüge getragen. Botha musste zugeben, dass auch die Ermittlungsergebnisse der Rechtsmediziner und der Ballistiker noch nicht vorlägen.

Quelle: DPA/AFP

 

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