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Oktoberfestbilanz der Polizei Mehr Schläge mit dem Maßkrug

Bier, Weib und Gesang: Nicht jedem ist das Oktoberfest gut bekommen, wie die Bilanz der Polizei vor Augen führt. Trotz geringerer Besucherzahlen wurden deutlich mehr Delikte aufgenommen.

© dapd Vergrößern Über allen Maßen: Eine Überwachungskamera der Polizei hängt beim Oktoberfest vor der Bavaria

Der 22 Jahre alte Italiener fühlte sich bei einem nachmittäglichen Besuch des Oktoberfests offenbar persönlich angegriffen. Denn zwei 50 und 52 Jahre alte Italienerinnen an seinem Tisch waren nicht auf seine Avancen eingegangen. Enttäuscht über soviel Missachtung, warf er ihnen einen Maßkrug hinterher, als sie den Tisch verließen. Eine der Frauen musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.

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Beginnen wir aber mit der guten Nachricht: Es kam dieses Jahr auf dem Oktoberfest nicht einmal zu einem versuchten Tötungsdelikt, geschweige denn zu einem vollendeten. Nicht schön hingegen ist, dass wieder deutlich öfter mit dem Maßkrug zugeschlagen oder dieser geworfen wurde: Genau 66 Mal im Vergleich zu 55 Maßkrug-Vorfällen im Jahr 2011.

Etwas kleinere Wiesn als in den Jahren zuvor

So geriet gleich am zweiten Wiesntag ein Australier mit drei jordanischen Besuchern in Streit. Einer der Jordanier schlug dabei mit einem Maßkrug auf den Australier ein, ließ sich auch nicht vom Ordner abhalten, sondern schlug weiter auf den Hinterkopf des Mannes, bis der Krug zu Bruch ging. Der Australier kam mit einer Platzwunde davon. Auch die Deutschen können das: Ein 55 Jahre alter Deutscher aus der Schweiz und ein 27 Jahre alter Deutscher aus den Vereinigten Staaten stritten so heftig miteinander, dass der Ältere zum halbvollen Maßkrug griff und diesen gegen den Kopf des Jüngeren schlug. Auch hier gab es Platzwunden und eine Festnahme. Insgesamt zählte die Polizei dieses Jahr 119 Fälle von gefährlicher Körperverletzung - im Vorjahr waren es noch 107 Fällen gewesen.

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6,4 Millionen Gäste kamen dieses Mal zur Wiesn. Wegen des Zentralen Landwirtschaftsfestes fiel sie etwas kleiner aus als in den Jahren zuvor. So besuchten 2011 rund 6,9 Millionen Menschen das Oktoberfest. Die Münchner Polizei nahm in diesem Jahr 469 Personen fest, 2011 waren es 449 Tatverdächtige. Auch wurden, obwohl es weniger Besucher gab, deutlich mehr Delikte registriert: 1470 statt, wie vergangenes Jahr, 1290. Auf dem Festplatzgelände an der Theresienwiese kam es zu insgesamt 2031 Polizeieinsätzen (2011: 1962). In den Zelten wiederum war es ein wenig ruhiger, hier gingen die Einsatzzahlen abermals zurück - auf 416 Einsätze im Vergleich zu 457 vom Vorjahr. Gestiegen sind dagegen die Sexualdelikte: 17 im Vergleich zu elf Delikten 2011. In vier Fällen wird wegen Vergewaltigung ermittelt, gegen neun Grapscher hat die Polizei Untersuchungen eingeleitet. Zugenommen haben auch, trotz vieler Warnhinweise, die Taschendiebstähle. 483 Mal wurden Dinge entwendet, im vergangenen Jahr waren es 465 Fälle.

Verloren wurde weit mehr als gestohlen

Die Fallzahlen mögen steigen, die Maschen bleiben die gleichen: Meist entwenden die Diebe im Gedränge vor den Festzelten den mehr oder weniger alkoholisierten Wartenden Geld oder Handys oder Kameras. Mitunter werden sie dabei jedoch von den Taschendiebfahndern der Polizei beobachtet - und direkt festgenommen. So haben auch dieses Jahr wieder Taschendiebfahnder aus Hamburg und Berlin, aus Österreich, der Schweiz, Belgien und Ungarn die Polizisten aus München unterstützt. Berliner Fahnder konnten zum Beispiel im Biergarten eines Festzeltes drei polnische Taschendiebe dabei beobachten, wie sie eine Frau bestahlen. Die drei Männer im Alter von 64, 57 und 52 Jahren wurden festgenommen, unter heftiger Gegenwehr. Die Beamten kannten die „hochprofessionellen Taschendiebe“ schon von Festnahmen in Berlin im Vorjahr.

Insgesamt nahm die Polizei 57 Taschendiebe fest, 15 mehr als 2011. Unterstützt wurde die Fahndung nach Dieben auch durch 15 Videokameras, die das Festgelände überwachten. Verloren wurde aber weit mehr als gestohlen. Das Fundbüro verzeichnet rund 4500 Fundstücke: 1000 Kleidungsstücke, 950 Ausweise, 570 Geldbörsen, 400 Schlüssel, 480 Mobiltelefone und 300 Brillen. Zwei Trachtenhosen, zwei Eheringe, fünf Notebooks, zwei Autokennzeichen, ein Hörgerät, zwei Waldhörner wurden ebenfalls gefunden. Ein Waldhorn ist inzwischen wieder abgeholt worden.

Quelle: F.A.Z.

 
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