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Österreichische Sondereinheit Cobra, übernehmen Sie!

Bei Geiselnahmen und Flugzeugentführungen kommt die österreichische Sondereinheit „Cobra“ zum Einsatz. Doch nur wenige Bewerber kommen durch das harte Auswahlverfahren der Polizeitruppe. Frauen sind zwar erwünscht - aber Mangelware.

© picture-alliance / dpa/dpaweb Vergrößern Die österreichische Sondereinheit „Cobra” genießt internationales Ansehen

Soeben räumten Verfassungsschutz und Polizei wieder einmal unter österreichischen Waffennarren auf. Bei sechs von ihnen förderten Hausdurchsuchungen neben Schwarzpulver, Treibladungen, Sprengstoff und 12.000 Stück Munition auch Kriegswaffen wie Maschinengewehre und -pistolen zutage. Es handelte sich um „einen der größten Waffen- und Munitionsfunde der vergangenen Jahrzehnte“, wie man nicht ohne Stolz darlegte. Über die Beschuldigten wird demnächst in einem gemeinsamen Verfahren entschieden. Auf unbefugten Waffenbesitz stehen gemäß österreichischem Strafgesetz bis zu zwei Jahre Haft.

Mit ihrer Erfolgsmeldung traten die Behörden zeitgerecht an die Öffentlichkeit. Denn zum einen hat das Image der österreichischen Sicherheitskräfte wegen mehrerer Polizeiskandale in Wien Kratzer abbekommen. Zum anderen fand gerade eine Konferenz der „Atlas-Gruppe“ in Wiener Neustadt statt. Darunter ist die Kooperation von Polizeisondereinheiten der Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie Norwegens und der Schweiz zu verstehen.

In deren Mittelpunkt sieht sich diesmal die österreichische Sondereinheit „Cobra“ gerückt, die im eigenen Lande aber auch sonst mehr Aufmerksamkeit für ihr Tun erwarten kann als die übliche Polizeiarbeit. An diesem Mittwoch feiert sie in einem großen Festakt ihr dreißigjähriges Bestehen.

Geiselbefreiung international

Cobra-Kommandeur Bernhard Treibenreif ist Vizepräsident der aus 29 Ländern bestehenden Atlas-Gruppe, die sich den Austausch von Erfahrungen im Kampf gegen Schwerstkriminalität und Bedrohungen durch Terrorismus auf die Fahnen geschrieben hat. Österreich leitet auf der Wiener Neustädter Tagung eine Arbeitsgruppe, bei der es um Geiselnahme in Gebäuden geht. Einer der Punkte, die erörtert werden, ist „die Aufarbeitung international aufsehenerregender Geisellagen“, wie Treibenreif sagt.

Die Atlas-Gruppe will das Ausbildungsniveau der nationalen Sondereinheiten vereinheitlichen. So werden zurzeit die neuen Mitgliedsländer der EU integriert, vor allem Rumänien und Bulgarien. Treibende Kräfte dabei sind Belgien und Österreich. Häufig trifft man sich in Wiener Neustadt - wegen der Nähe zu den osteuropäischen Ländern eine Art Brückenkopf. Im Cobra-Hauptquartier finden immer wieder gemeinsame Trainings von Sondereinheiten statt, etwa im 2007 neu konzipierten „Air-Marshal-Ausbildungszentrum“. Bei der „Sicherung heikler Flüge“ arbeitet die österreichische Spezialeinheit eng mit amerikanischen, kanadischen, australischen, israelischen, französischen und deutschen Sondereinsatzkräften zusammen.

Knallhartes Auswahlverfahren

Die internationale Vernetzung dient der Cobra auch zur Feststellung des eigenen Ausbildungs- und Leistungsstandards, der sich unter anderem wegen der vor sechs Jahren vorgenommenen Reform der Sondereinheiten gewandelt hat. Bis 2002 gab es die Cobra als Gendarmerie-Einsatzkommando. „Früher konnten wir aus einem Reservoir von 13.000 Gendarmen schöpfen, jetzt suchen wir uns die besten von 27.000 Polizisten aus.“ Treibenreif weist auf die Zusammenlegung von (ehedem kasernierter) Gendarmerie und Polizei zu einem einzigen Wachkörper hin: „Das bedeutet, dass das Niveau der einzelnen Leute enorm gestiegen ist. Früher wurden in der Grundausbildung zum Beispiel körperliche Fertigkeiten trainiert. Wer diese jetzt nicht mitbringt, hat keine Chance, das Auswahlverfahren zu bestehen.“

Für den gerade abgeschlossenen Grundkurs gab es 170 Bewerber: 36 bestanden das Auswahlverfahren, nur 32 bestanden die Ausbildung. Dafür gibt es in der sechs Monate dauernden Grundausbildung mehr Raum für Spezialisierung, unter anderem in der Einsatztechnik, die in den vergangenen Jahren eine enorme Fortentwicklung erlebt habe: „Man kann das mit einem Turnschuh vergleichen; früher gab es einen für alle Sportarten, jetzt zieht man für jede eigene Schuhe an“, sagt Treibenreifs Stellvertreter Detlef Polay, der zugleich die Funktion des Cobra-Sprechers innehat.

Mehr Frauen in die Sondereinheit

Nach der Reform der für die innere Sicherheit zuständigen Kräfte, vor allem der Sondereinheiten, und der damit verbundenen Regionalisierung der Cobra sank auch die Personalfluktuation: von 20 auf nunmehr fünf Prozent pro Jahr. 418 Beamte gehören zurzeit der Cobra an, darunter ist nach wie vor nur eine einzige Frau. „Es wäre gut, wenn wir mehr Frauen hätten“, sagt Treibenreif. „Aber durch die höhere Leistungsdichte wird es für Frauen noch schwieriger durchzukommen.“

Zumindest zur Geburtstagsfeier der österreichischen Sondereinheit an diesem Mittwochabend wird eine Frau die Blicke aller auf sich lenken: Die jordanische Königin Rania kommt als Begleiterin von König Abdullah. Der Herrscher hat einst einen Teil seiner polizeilichen Grundausbildung in Wiener Neustadt absolviert - und lässt sich mitsamt Familie von seinen Cobra-Kameraden während des alljährlichen Ski-Urlaubs am Arlberg beschützen.

Quelle: F.A.Z.

 
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